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Üble Gerüche beunruhigen Bewohner der Colmbersiedlung

Üble Gerüche beunruhigen Bewohner der Colmbersiedlung

"Das Zeug stinkt im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel. Eine Zumutung", erregte sich Dorothea Stier aus der Holzhausener Colmbergsiedlung bereits im vergangenen Herbst in einem Schreiben an die LVZ.

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Auf den Feldern in Holzhausen stoßen den Bewohnern unangenehme Gerüche auf.

Quelle: Julian Stratenschulte/Symbol

Holzhausen/Engelsdorf. Gemeint war eine "undefinierbare Flüssigkeit", die damals auf den Feldern am Rande der Siedlung versprüht wurde. Ein Düngemittel. Etwas Ähnliches dürfte im nun anstehenden Frühjahr wieder zum Einsatz kommen. Sehr zum Ärger der Anwohner, die davon sprechen, dass der Gestank kaum auszuhalten sei. Ja, dass er sogar durch verschlossene Türen und Fenster dringe.

Besorgt registrierte Leserin Stier im vorigen Herbst zudem eine Verfärbung des satten Grüns an den Feldrainen hin zu einem "giftig aussehenden Gelb". Sie fürchtet daher um Belastungen für das Grundwasser. Und wie gefährdet sind eigentlich die Kinder, die an den Feldern spielen? Welche Folgen hat die Düngung für äsendes Wild, für Insekten und andere Kleintiere? - Fragen, die auch andere Holzhausener beschäftigt.

Die landwirtschaftlichen Flächen an der Colmbergsiedlung gehören dem Gut Engelsdorf Agrarprodukte GmbH, einer Tochter von Gruma Agrar. Betriebsleiter Ehler Mehlhop bestätigte auf LVZ-Anfrage, dass die Felder zweimal jährlich gedüngt würden. Gerade sei das Unternehmen dabei, mineralische Stoffe aufzutragen. Er räumte freilich ein, dass es nach der Düngung "zwei oder drei Tage lang" zu unangenehmen Gerüchen kommen könne, die indes zu keinen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für Mensch und Tier führten. "Wir versprühen ja keine Gülle, sondern Gärprodukte aus einer Biogasanlage, die vor allem Stickstoff, Phosphor und Kalium enthalten", versicherte der Landwirtschaftsexperte. Das seien Nährstoffe, die unbedingt in den Ackerboden gebracht werden müssten, "wenn diese wichtigen Ressourcen optimal genutzt werden und gute Erträge bringen sollen". Die gesetzlichen Richtlinien würden dabei jederzeit eingehalten, so Mehlhop.

Davon hat sich Annemarie Opitz (parteilos), die Engelsdorfer Ortsvorsteherin, inzwischen überzeugt. Ihr kamen die Beschwerden aus der Colmbergsiedlung zu Ohren, weshalb sie dem Engelsdorfer Gut einen Besuch abstattete. "Wir haben in der Vergangenheit stets gute Erfahrungen mit dem Betrieb gemacht, der sich permanent mit immer neuen EU-Richtlinien herumplagen muss", sagte sie. Das Gut sei "ein zuverlässiger Partner", der die Böden "verantwortungsvoll" bewirtschafte. "Von den Kommunalen Wasserwerken Leipzig, die regelmäßig das Grundwasser auch im Gebiet der Colmbergsiedlung untersuchen, gab es bislang noch nie Beanstandungen", so Opitz. Und Gelbfärbungen entstünden, wenn zu viel Dünger auf die Pflanzen gelange.

Bis 1945 gehörte das damalige "Ratsgut" der Stadt Leipzig. Zu DDR-Zeiten bewirtschaftete eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) mehr als 5500 Hektar Fläche. Nach der Wende verwaltete die Treuhand das Ganze. Von den einstmals 5500 Hektar ging etwa die Hälfte der Fläche an Alteigentümer zurück oder wurde kommunales Bauland. Es blieben etwa 2800 Hektar übrig, die am 1. Juli 1994 von der Gruma Agrar GmbH gepachtet wurden. Gruma gründete noch am selben Tag das Gut Engelsdorf Agrarprodukte mit jenen Feldern, die noch heute Bestand haben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.03.2015

Gießler, Günther

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