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Lokales Umfrage eindeutig: Knapp 80 Prozent der Leipziger wollen Einheitsdenkmal
Leipzig Lokales Umfrage eindeutig: Knapp 80 Prozent der Leipziger wollen Einheitsdenkmal
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06:00 27.06.2018
Skadi Jennicke, Gesine Oltmanns und Michael Kölsch (von links) wollen Bürger beteiligen. Quelle: André Kempner
Leipzig

Die Endlos-Debatte haben viele noch in Erinnerung. Doch das Verfahren um ein Freiheits- und Einheitsdenkmal war 2014 gescheitert, der künstlerische Wettbewerb um die Realisierung auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz abgebrochen und das Vergabeverfahren beendet worden. Jetzt geht es praktisch bei Null wieder los – ohne konkreten Standort im Blick. Allerdings mit der Zusage von Bund und Land, das Denkmal zu finanzieren (bislang etwa 6,5 Millionen Euro).

Große Zustimmung bei jungen Leuten

„Unser Ziel war es zunächst, ein Stimmungsbild in der Bevölkerung zu ermitteln“, sagt Michael Kölsch vom Vorstand der Stiftung Friedliche Revolution, die der Stadtrat beauftragt hatte, einen Verfahrensvorschlag zu machen. „Das Ergebnis der Umfrage ermutigt, einen neuen Anlauf zu nehmen.“ Es sei eindeutig. Knapp 80 Prozent der befragten Leipziger (508 repräsentativ ausgewählte Personen) sowie 70 Prozent der Bundesdeutschen (535 Befragte ohne Leipzig) befürworten bei der im April 2018 durchgeführten Befragung das Denkmal.

Jennicke: Deutliche Aussage hat mich überrascht

Überrascht hat dabei, dass es gerade bei jungen Leuten im Alter von 18 bis 29 Jahren auf höchste Zustimmungswerte (74 Prozent bundesweit) gestoßen ist. Je jünger die Befragten sind, desto größer seien diese. Zudem stimmten etwa Dreiviertel der Leipziger beziehungsweise 63 Prozent der Bundesbürger der Aussage zu, für ein abstraktes Thema wie „Freiheit – Einheit – Demokratie“ sei ein Ort des Gedenkens in Leipzig gut. „Die deutliche Aussage hat mich überrascht“, bekannte Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke), die sich an die „emotional gefühlte Stimmungslage“ von 2014 noch gut erinnert.

Allerdings: Die vom Büro Hitschfeld vorgelegte Umfrage ergab auch, dass 48 Prozent der Messestädter meinen, dass große Städte wie Leipzig sich um wichtigere Aufgaben und Herausforderungen als ein Denkmal kümmern müssten (gesamt: 44 Prozent).

Stadt will Fehler der Vergangenheit vermeiden

„Die politische Situation in Deutschland und Europa hat sich erheblich verändert. Da hat die Notwendigkeit, sich lebendig an die Friedliche Revolution zu erinnern, eine andere Dimension bekommen“, sagt Jennicke. Nun will die Stadt Fehler der Vergangenheit tunlichst vermeiden und sensibel eine echte Bürgerbeteiligung ermöglichen. 85 Prozent der Befragten fordern das auch ein. „Das ist für die Stiftung ein anspruchsvoller Auftrag der Bevölkerung“, betont Gesine Oltmanns vom Vorstand der Stiftung.

Wie die Beteiligung erfolgt, soll allerdings noch präzisiert werden. Im inzwischen reaktivierten Begleitgremium – Vertreter des Stadtrates, Runde Ecke und Bürgerrechtler – zum Denkmal, wo die Stiftung ihre Umfrage vorstellte, gab es noch offene Fragen. Konkreteres war am Dienstag nicht zu erfahren. „Die Ergebnisse sind eine Einladung, uns auf den Weg zu machen. Wir stehen aber nicht unter Zeitdruck“, so Kölsch.

Stiftung: Es besteht kein Zeitdruck

So sei es keineswegs sein Anspruch, zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution am 9. Oktober 2019, einen Grundstein für ein Denkmal zu legen. „Ich wäre zufrieden, wenn wir bis dahin ein gut laufendes Verfahren vorweisen können.“ Dabei „Lernen wir im Gehen“, wie Jennicke ergänzt. Sie hält einen Bürgerentscheid nicht für ausgeschlossen. Das letzte Wort habe der Stadtrat. „Entscheidend wird sein, ob die Leute wirklich das Gefühl haben, dass sie echt beteiligt und nicht wieder an der Nase herumgeführt werden“, ergänzt Bürgerrechtler Uwe Schwabe gegenüber der LVZ.

Die Stiftung will im Spätsommer eine Website freischalten, auf der über das weitere Vorgehen und die Bürgerbeteiligung informiert wird. Kölsch: „Wir werden alles vermeiden, was nicht im Sinne der Bürgerschaft ist.“ Im Zündkerzensaal des Bildermuseums soll es auch ein öffentliches Forum geben.

Von Mathias Orbeck

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