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Lokales Umwelt-Diskussion bringt Wirte ins Schwitzen: "Ohne Heizpilze kann ich draußen abbauen"
Leipzig Lokales Umwelt-Diskussion bringt Wirte ins Schwitzen: "Ohne Heizpilze kann ich draußen abbauen"
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16:50 21.04.2011
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Leipzig

Der Stadtrat lehnte einen Antrag der Fraktion "Die Linke" ab und stimmte stattdessen für den Vorschlag von Bündnis 90/ Die Grünen, der auf Einsicht setzt. Wirte im Leipziger Barfußgäßchen wollen aber nicht auf den "Wohlfühlfaktor" Heizpilz verzichten.

„Wir sind auf die Heizpilze angewiesen. Die Leute wollen draußen sitzen, und nur wenn sie sich wohlfühlen, essen und trinken sie auch", sagte Matthias Hopf, seit fünf Jahren Chef des "Fürst". 60 Prozent seiner Einnahmen würden ihm wegbrechen, müsste er die Heizpilze abbauen, schätzt der Wirt.

"Wir müssen in unserer Stadt begreifen, dass Heizpilze schädlich sind und damit verzichtbar", hatte Norman Volger von den Grünen im Stadtrat den Fraktionsantrag begründet. Der sieht vor, dass die Stadt mit einer Kampagne gegen Heizpilze Leipziger Gastronomen überzeugt. Man könne doch ganz einfach auf Decken umsteigen, die mit ihrem Kuscheleffekt enorm zum Wohlfühlen beitrügen.

"Ich kenne keine Stadt, in der Appelle an die Freiwilligkeit irgendeinen nachhaltigen Effekt erzielt hätten", widersprach Sören Pellman von den Linken. Die Fraktion wollte gasbetriebene Heizstrahler ganz verbieten lassen. Er verwies auf Berlin, wo das in fünf von zwölf Bezirken schon funktioniere. Bei den Stadträten fand sich für das Verbot trotzdem keine Mehrheit. 

"Ein Verbot wäre für den Tourismus in der Stadt negativ", sagte auch Gastronomin Jenny Koßmann, Chefin des “Kildare City Pub”. Sie hat auch Verständnis für außergewöhnliche Wünsche: Manche Gäste liebten es halt, bei Minusgraden unter den Heizpilzen Eis zu schlecken. Kollege Rüdiger Krause von der Zigarre findet manches Engagement aber doch zu hitzig: „Einige Kollegen lassen im Barfußgäßchen auf einem kleinen Raum 20 Heizpilze ballern. Da fühlt man sich wie in einer Sauna", sagte er zu LVZ-Online.

Aber auch Krause ist gegen ein Verbot, plädiert für eine "vernünftige Regelung": Je nach Größe des Außenbereichs sollten Gastwirte eine bestimmte Anzahl der schlanken Öfen aufstellen dürfen. Der Stadtrat hat sich nun entschieden, dass Leipzig den Weg der Überzeugungsarbeit geht. Die Kampagne soll möglichst gemeinsam mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA geführt werden. Gemeinsam mit dem Umweltbundesamt gibt der Verband in der "Energiekampagne Gastgewerbe" Empfehlungen.

Bisher scheint die Rechnung mit den Heizpilzen für die Gastronomen aufzugehen. Matthias Hopf: "Ich muss für den Außenbereich Geld an die Stadt zahlen. Wenn die Heizpilze weg sind, setzt sich keiner mehr hin. Dann kann ich draußen gleich abbauen."

Evelyn ter Vehn/ Michael Dick

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