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Umweltminister Frank Kupfer soll Arbeiten an Nahle stoppen

Umweltminister Frank Kupfer soll Arbeiten an Nahle stoppen

Der Leipziger Auwald-Verein Nukla hat Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (CDU) aufgefordert, die gerade erst gestarteten Arbeiten am Nahle-Auslassbauwerk vorläufig zu stoppen.

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Das Nahle-Auslassbauwerk wird seit wenigen Tagen erneuert. Es befindet sich am Ende des 2,7 Kilometer langen Flusses (links oben).

Quelle: lox

Leizig. Vereinschef Wolfgang Stoiber weist in einem Brief an den Minister darauf hin, dass nach dem Hochwasser im Juni 2013 vielerorts ein Umdenken beim Wasserbau diskutiert wurde - in Richtung von Renaturierungen. Dem entgegen finde die 3,5 Millionen Euro teure Erneuerung des Nahle-Auslassbauwerks nun "ohne Berücksichtigung naturschützerischer Belange" statt. Dadurch werde der benachbarten Burgaue die Chance genommen, wieder regelmäßig überspült zu werden. Auentypische Pflanzen und Bäume - wie Stileiche und Esche - bräuchten aber immer mal nasse Füße, um gegen andere Arten zu bestehen.

Das Nahle-Auslassbauwerk wurde nach dem dramatischen Hochwasser vom Juli 1954 errichtet. Im Gegensatz zu einem Wehr steht es nicht mitten im Fluss, um dort Wassermassen anzustauen und den Pegelstand zu regulieren. Vielmehr erstreckt es sich parallel zur Nahle, ist praktisch ein Teil des Deiches, der bei Bedarf an der Stelle kontrolliert geöffnet werden kann. Dies geschah in der Geschichte des Bauwerks erst zweimal: im Januar 2011 und im Juni 2013. Binnen weniger Stunden wurde dann jeweils ein zehn Kilometer langer Polder (die Burgaue liegt tiefer als die Nahle) überflutet. Sinn der Sache ist, den Pegelstand der Flüsse, die über die Weiße Elster kurz vor Halle in die Saale münden, zu verringern. Fachleute waren bei den Einsätzen des 80 Meter breiten Auslassbauwerks heilfroh, dass sich die maroden Schützen noch öffnen ließen.

Umweltverbände wie Nukla, BUND und Ökolöwe schlugen dennoch vor, auf die Erneuerung des Bauwerks zu verzichten. Oder es so umzugestalten, dass die Burgaue öfter schwimmen kann. Bei einer dauerhaften Öffnung der Anlage ließen sich 3,5 Millionen Euro sparen, rechnet Ex-SPD-Fraktionschef Joachim Fischer vor, der nun als Rentner den Arbeitskreis Stadtentwicklung und Umwelt der Leipziger Sozialdemokraten leitet. "Die freiwerdenden Finanzmittel sollten besser in den direkten Schutz betroffener Anlieger fließen, statt nach jedem Hochwasser Sanierungen an den Objekten zu unterstützen", meint Fischer.

Dem hält Axel Bobbe von der Landestalsperrenverwaltung entgegen, dass der Polder im Ernstfall nutzlos wäre, wenn er bereits bei allmählich ansteigenden Wasserständen vollläuft. Auch der Vorschlag des BUND, die Unterkante der Schützen tiefer zu legen, damit die Burgaue schon bei kleineren Hochwassern etwas Nass erhält, bringe nichts. Diese Unterkante liege schon immer und auch in Zukunft genau so hoch wie der Waldboden dahinter. "Das wurde alles längst mit Computersimulationen geprüft, es brächte keinen Effekt." Stattdessen wolle der Freistaat zeitnah kleinere Umbauten am Siel (verschließbarer Gewässerdurchlass in einem Deich) des Leutzscher Bauerngrabens unterstützen. Dadurch lasse sich die Burgaue jedes Jahr zu günstigen Zeiten ökologisch vernünftig auf ein bestimmtes Maß überspülen, erklärt Bobbe.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.01.2014

Rometsch, Jens

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