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Lokales Umweltskandal in Seehausen? Staatsanwälte ermitteln zum Golfpark
Leipzig Lokales Umweltskandal in Seehausen? Staatsanwälte ermitteln zum Golfpark
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23:00 10.02.2017
Ende 2016 ließ die Stadt Probebohrungen auf dem Golfplatz durchführen. Quelle: Foto: privat
Leipzig

Der Streit um Bauschutt- und Bodenablagerungen im Golfpark Seehausen spitzt sich zu. Nach LVZ-Informationen laufen jetzt Ermittlungsverfahren bei den Staatsanwaltschaften in Leipzig und Nürnberg.

Der Platzeigentümer Franz Lauer, ein über 80-jähriger Immobilienunternehmer aus Nürnberg, sowie weitere Personen aus der Franken-Metropole stehen dabei einerseits im Verdacht eines „unerlaubten Umgangs mit Abfällen gemäß Paragraf 326 Strafgesetzbuch“. Bei dem anderen Verfahren geht es zudem um steuerliche Aspekte der gewaltigen Bodenablagerungen, die auf dem 140 Hektar großen Areal im Leipziger Norden vorgenommen wurden. Sie waren für Lauer kostenfrei.

Sprecher beider Staatsanwaltschaften bestätigten auf LVZ-Anfrage, dass Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Golfpark Seehausen laufen. Details wollten sie aber nicht nennen. Laut internen Dokumenten, die der Redaktion vorliegen, überstellte das Leipziger Umweltamt im Dezember 2016 umfangreiche Akten an die Justiz. Gemäß der Dokumente geht Leipzigs Stadtverwaltung inzwischen davon aus, dass vor allem bei der Aufschüttung eines zwölf Meter hohen Hügels, dessen Erdreich etwa 500 000 Tonnen Bodenmaterial umfasst, Verstöße gegen das Bau-, Planungs- und Umweltrecht vorliegen. Im April 2016 habe sich der Betreiber der Anlage an das Bauordnungsamt gewandt und um „die Erteilung einer Baugenehmigung für die Nachnutzung der ehemaligen Deponie Seehausen als Golfplatz“ ersucht. Zu dem Zeitpunkt stand auf den ehemaligen Deponieflächen, die nur einen Teil des Golfplatzes einnehmen, außer einem „Altberg“ mit Golfbahnen längst auch der bis zu zwölf Meter hohe „Neuberg“ samt neuer Golfbahnen. Das Umweltamt schätzt, dass allein die Entsorgungskosten für den „Neuberg“ bei 7,5 Millionen Euro liegen würden. Hinzu käme ein Millionenaufwand für 40 000 LKW-Fahrten.

Rückblick: Im März 2016 berichtete die LVZ erstmals über Vorwürfe des Leipziger Immobilienunternehmers Michael Klemmer. Dieser hatte über seine Firma Vicus im März 2015 einen Kaufvertrag für den Golfpark Seehausen geschlossen. Da Klemmer bereits der Golf&Country-Club in Machern gehört, sah er „eine ideale Ergänzung“ durch die stadtnahe Anlage in Seehausen. Noch bevor der vereinbarte Kaufpreis von 6,1 Millionen Euro fällig wurde, erzählte Klemmer, habe er Hinweise von Abbruchunternehmern erhalten. „Wir sollten uns dringend mal genau ansehen, was dort im Boden schlummert.“ Mit Genehmigung Lauers ließ Vicus an mehreren Stellen Probebohrungen durchführen. Ergebnis: Ein Teil der Befunde entsprach der Schadstoffklasse Z2. Solches Material darf nur unter besonderen technischen Sicherungen zur Bodenmodellierung verwendet werden – etwa Schutzschichten zum Trinkwasser. Die Sicherungen fehlten jedoch komplett.

Klemmer forderte den Besitzer auf, die Mängel zu beheben. Schließlich habe er im Kaufvertrag zugesichert, das Areal sei „altlastenfrei“. Hingegen beteuerte Rolf Hartmann, der Geschäftsführer des Golfparks Seehausen, es gebe keine nennenswerten Grenzwertüberschreitungen. Dies hätten auch von ihm veranlasste Gegenproben bewiesen, die an genau denselben Stellen durchgeführt wurden. Vicus versuche nur, mit haltlosen Vorwürfen den Kaufpreis zu drücken, so Hartmann.

Seitdem war das Tischtuch zerschnitten. In Leipzig läuft inzwischen auch ein Gerichtsverfahren, in dessen Mittelpunkt die Gültigkeit des Kaufvertrages steht. Drei weitere Zivilverfahren, in denen vor allem um den Betrieb des Klubhauses auf dem Gelände gestritten wurde, hat Platzbesitzer Lauer in erster Instanz verloren, sagt Klemmer. Die Firma, die das Klubhaus betreibt, gehört zu seinem Umfeld. Hartmann will sich derzeit nicht äußern. „Der Betrieb und Turnierplan werden in vollem Umfang fortgesetzt“, sagt er nur.

Laut Angelika Freifrau von Fritsch, der Leiterin des Umweltamtes, hat die Stadt im November 2016 erneute Bodenproben angeordnet. Im Dezember nahm diese ein bislang nicht beteiligtes Umweltbüro vor. Die Laboranalysen würden für die nächsten Tage erwartet und dann ausgewertet, so von Fritsch. „In einer ersten Stellungnahme wurde uns aber schon mitgeteilt, dass keine Gefahr für die Öffentlichkeit bei einem Spielbetrieb besteht. Falls es dabei bleibt, könnten die Aufschüttungen, die ohne baurechtliche und umweltrechtliche Genehmigung erfolgten, eventuell nachträglich genehmigt werden.“

Das Bauordnungsamt zeigte sich da skeptischer. In einem Brief an die Landesdirektion betonte es, bisher habe die Landesdirektion stets allein zu bau- und planungsrechtlichen Dingen auf den früheren Deponieflächen entschieden. Erst 2016 sei diese Behörde zur Ansicht gelangt, dass für die Baugenehmigungen nun die Stadt zuständig sei. Sollte das so bleiben, „könnte eine nachträgliche Baugenehmigung aufgrund planungsrechtlicher Hindernisse nicht erteilt werden“.

Von Jens Rometsch

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