Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Umzug der Leichenwagen - Bestatter protestieren in Leipzig mit Autokorso
Leipzig Lokales Umzug der Leichenwagen - Bestatter protestieren in Leipzig mit Autokorso
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:38 03.06.2017
Leichenwagen-Kolonne während einer Demonstration in Leipzig. Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Ein ungewöhnlicher Autokorso zog am Samstag, durch Leipzigs Straßen: Keine Oldtimer, keine Fahnen, sondern Leichenwagen rollten zwischen 14 und 15 Uhr von der Innenstadt gen Osten.

Dahinter steckt - auch wenn es zeitlich passt - keine makabre Werbeaktion für das diesjährige Wave-Gotik-Treffen. Der Aufzug steht unter dem Motto: „Erhalt des Totenkultes: Gegen die 'Discountierung' des Bestatterwesens. Gegen das Aussterben der Leichenwagen." Das Ordnungsamt Leipzig teilte dazu im Vorfeld mit: „Mittels eines symbolischen Zugs aus Bestattungskraftwagen soll ein würdevoller Abschied dargestellt und die zunehmende Verdrängung von Leichenwagen durch Transporter aufgrund eines enormen Kostendrucks kritisiert werden.“

Lockvogelangebote im Netz schaden der Branche

Jene Verdrängung klassischer Bestattungswagen steht dabei stellvertretend für Lockvogel-Angebote, die im Bestattungswesen immer üblicher werden. „Der Tod ist in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabu, deshalb haben viele Menschen kein Gefühl dafür, was eine angemessene Bestattung kostet“, meint Oliver Wirthmann. Der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Bestatter empfiehlt, nicht auf die billigsten Angebote im Internet reinzufallen, sondern Bestattungsunternehmen vor Ort zu kontaktieren.

Bestatter haben am Samstag in Leipzig demonstriert. Mit einem Leichenwagen-Korso durch die Stadt wollten sie auf den harten Preiskampf in der Branche hinweisen. Aus Sicht der Unternehmer würden Billig-Angebote eine Bestattung in Würde unmöglich machen. (Bilder: André Kempner)

Wenn ein Unternehmen mit einem Preis von 600 bis 800 Euro lockt, kämen im Laufe der Bestattung oft noch Zusatzkosten hinzu, was den Preis letztendlich auf „normales“ Niveau anhebe. „Es wird mit ‚Alles inklusive’ gelockt, dann aber wird plötzlich noch ein dritter Sargträger oder ähnliches benötigt“, so Wirthmann. Die Demo wende sich auch gegen Mehrfachtransporte von Särgen in Lieferwagen, die von außen nicht als Leichentransporter zu erkennen seien – nur um Kosten zu sparen.

Transporter gestohlen – Särge im Wald abgelegt

Zu welchen Extremfällen das führen kann, zeigt ein Fall aus dem Jahr 2013: Damals waren drei Kleintransporter aus einem Gewerbegebiet in Hoppegarten bei Berlin gestohlen worden. Eines der Fahrzeuge nutzte eine Fahrdienstfirma zum Transport von Leichen aus Berlin und Brandenburg zum Krematorium in Meißen, da die Kosten dort niedriger liegen. Der Skandal: Der Mercedes war beladen, äußerlich aber nicht als Leichentransporter zu erkennen, sodass die Diebe keine Kenntnis von der Fracht hatten und sie erst in Polen entdeckten. Die Särge wurden schließlich in einem Wald östlich von Posen abgelegt.

Christian Neffe

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Während der Deutsche Wetterdienst für das Vogtland eine Unwetterwarnung herausgegeben hat, könnte Leipzig glimpflicher davon kommen. Trotzdem gab der DWD auch im Kreis Leipzig eine Warnung vor starkem Gewitterheraus. Am Abend zog das Unwetter weiter.

03.06.2017

Wetter passte, Laune auch: Gegen 14.30 Uhr startete in Leipzig am Johannisplatz der Fahrradkorso des Vereins "Autofrei leben". Mit einer Tour entlang des viel befahrenen City-Rings werben die Teilnehmer für das umweltfreundliche Fortbewegungsmittel Rad unter dem Motto: "Promenadenring autofrei - Mehr Lebensqualität für alle"!

03.06.2017

Die Leipziger Bereitschaftspolizei lädt heute (3. Juni) zum Tag der offenen Tür ein. Vorführungen der Polizeireiter, der Polizeihundestaffel und des Sportvereins stehen ebenfalls auf dem Programm. An Infoständen wirbt die Polizei um Nachwuchs.

03.06.2017
Anzeige