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Umzugsängste beim RHC Aufbau im Leipziger Stadtteil Böhlitz-Ehrenberg

Umzugsängste beim RHC Aufbau im Leipziger Stadtteil Böhlitz-Ehrenberg

Zum Internationalen Pfingstturnier gab es im Rollhockey-Stadion von Böhlitz-Ehrenberg nicht nur eine Hitzeschlacht zwischen acht Mannschaften aus drei europäischen Ländern.

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Das Rollhockey-Stadion vom RHC Aufbau Böhlitz-Ehrenberg war im Juni 2013 überflutet.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Genau ein Jahr nach der letzten Überflutung des Areals konnte der RHC Aufbau nun auch sein "in hochwassergeeigneter Weise" saniertes Vereinsgebäude einweihen.

150.000 Euro - darunter viele Spenden - flossen in das Vorhaben, rechnete Schatzmeister Marco Peplinski bei der Gelegenheit vor.

Dennoch sind die Tage des traditionsreichen Areals am Rande des Auenwaldes wahrscheinlich gezählt. Wie berichtet, treibt die Stadt Leipzig als Eigentümer des Stadions einen Umzug voran. Bei zwei großen und 14 kleineren Überschwemmungen entstanden in den vergangenen Jahren immer wieder Schäden, weiß Sportamtsleiterin Kerstin Kirmes. "Das Stadion liegt im Poldergebiet. Sobald das Auslassbauwerk der Nahle geöffnet wird, steht es unter Wasser."

Für eine dauerhafte Lösung des Problems gibt es jetzt eine vielleicht einmalige Chance. 450.000 Euro hat der Freistaat Sachsen zur Beseitigung von Flutschäden an dem Sportzentrum zur Verfügung gestellt. Das Geld kann auch für einen Stadion-Neubau außerhalb des Poldergebiets verwendet werden. Nach langer Suche präsentierte die Stadt erst kürzlich dem Verein wie dem Ortschaftsrat eine alternative Fläche. Sie gehört ebenfalls der Kommune, liegt nahe der Schönauer Landstraße in Böhlitz-Ehrenberg. Doch nicht nur Ortsvorsteherin Karin Teubner (CDU) ist gegenüber diesem Standort skeptisch. "Nebenan steht ein Behindertenheim, ganz in der Nähe gibt es viele Einfamilienhäuser." Zudem sei die nach Westen direkt angrenzende Fläche als Wohnbauland vorgesehen. "Rollhockey ist ein lauter Sport, da werden bis zu 91 Dezibel gemessen", hat Teubner aus einem Lexikon erfahren. Die 70-Jährige fürchtet Konflikte mit Anwohnern, die letztlich zur Beschneidung des Trainings- und Spielbetriebs am neuen Standort führen könnten. "Unsere Vorfahren haben schon gewusst, warum sie das Stadion im Außenbereich anlegten."

Ähnlich sieht es der CDU-Landtagsabgeordnete Sebastian Gemkow (35). Er lobt noch die legendär gute Kinder- und Jugendarbeit des mit 75 Mitgliedern eher kleinen, aber höchst aktiven Vereins. "Es sind bereits hohe Summen an Förder- und Spendengeld geflossen, die Vereinsmitglieder haben viel Kraft in die bestehende Anlage investiert. Deshalb bitte ich die Verantwortlichen der Stadt zu prüfen, ob ein Umzug tatsächlich notwendig und die finanziell günstigste Alternative ist." Gemkow schlägt vor, dabei gleich zu untersuchen, wie sich eine Gefährdung des Stadions am Rande des Poldergebiets künftig ausschließen ließe - etwa durch mobile Spundwände oder die Vervollständigung eines alten Erdwalls, der aktuell nicht intakt ist. Zwar erhielt der Politiker vom Umweltministerium die Auskunft, dass die Fördermittel nur zur Beseitigung von Schäden, nicht jedoch für neue Flutschutzbauten eingesetzt werden dürfen. "Doch selbst wenn die Stadt für einen besseren Wall eigene Mittel aufbringen müsste, sollte letztlich im Interesse aller Steuerzahler die günstigste Möglichkeit genutzt werden."

Hingegen warnt Amtsleiterin Kirmes vor einem Verlassen jenes Kurses, dem der Verein "verständlicherweise nur mit schwerem Herzen, aber klarem Votum" zugestimmt habe. Demnach wollen der RHC Aufbau und die Stadt nun gemeinsam die "planerischen Grundlagen" für den neuen Standort erarbeiten. Falls der Umzug gelingt, könne der Verein seine Kräfte künftig viel besser auf den Sport konzentrieren, so Kirmes. Falls nicht, müsse er im alten Stadion bleiben, dann aber weiter mit dem Flut-Risiko leben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.06.2014

Jens Rometsch

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