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Ungenutztes Containerdorf wird zum Millionen-Debakel

An Prager Straße Ungenutztes Containerdorf wird zum Millionen-Debakel

Viele Passanten ärgern sich über ein halbfertiges Containerdorf, das seit anderthalb Jahren ungenutzt auf dem Barnet-Licht-Platz steht. Ursprünglich sollte es für 306 Flüchtlinge als Unterkunft dienen. Doch das Projekt wurde ein einziges Fiasko.

Seit anderthalb Jahren steht ein halbfertiges Containerdorf ungenutzt auf dem Barnet-Licht-Platz. Dort wurden Fundamente für 422 Wohncontainer angelegt, 220 Stück befinden sich aktuell noch auf dem Areal.

Quelle: Jens Rometsch

Leipzig. Viele Passanten ärgern sich über ein halbfertiges Containerdorf, das seit anderthalb Jahren ungenutzt auf dem Barnet-Licht-Platz steht. Ursprünglich sollte es für 306 Flüchtlinge als Unterkunft dienen. Doch das Projekt wurde ein einziges Fiasko für die Stadt Leipzig. Und jetzt gibt es wieder neue Hiobsbotschaften dazu.

„6,2 Millionen Euro für ein Interim – für dieses Geld können wir eine neue Schule bauen“, hatte sich schon vor über einem Jahr CDU-Stadtrat Karsten Albrecht über das Debakel empört. Er mahnte damals, dass diese Unterkunft wahrscheinlich gar nicht mehr gebraucht werde. Doch vergeblich. Die Ratsmehrheit stockte das Budget um 1,4 Millionen Euro auf die von Albrecht kritisierte Summe auf. Vor allem, um Stromkabel auf dem Platz zwischen Kregel-, Dauthe- und Prager Straße verlegen zu können. Offenbar waren die Kabel zuvor vergessen worden.

Angefangen hatte alles auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise. Im November 2015 schrieb die Stadt den Kauf von 422 Containern (Wohn-, Sanitär-, Gemeinschaftsräume) für diesen Standort aus. Unter 23 Angeboten erschien die Offerte einer Leipziger Firma als die Beste. Sie erhielt im März 2016 den Auftrag zu Lieferung und Bau des Containerdorfs für 4,66 Millionen Euro. Die Container selbst kosteten 2,81 Millionen Euro. Der Rest war für Transport, Montage, Planung und Herrichtung des Geländes gedacht. Tatsächlich aufgestellt wurden dann nur 308 Container. Und diese hatten laut Angaben der Stadtverwaltung teilweise Mängel. Die fehlenden 114 habe die Kommune später abbestellt und nicht bezahlt.

Auch die Stromkabel-Verlegung, die letztlich 330 000 Euro gekostet habe, trug zur Zeitverzögerung bei dem Projekt bei, erklärte das Rathaus jetzt schriftlich auf eine LVZ-Anfrage. „Die Verlegung hat das Grundstück auch für jegliche andere Nutzung nutzbar gemacht, das sind daher keine verlorenen Kosten“, heißt es da.

Wie hoch die „verlorenen Kosten“ in Wahrheit sind, lässt sich der schriftlichen Auskunft nicht klar entnehmen. „Insgesamt wurden für die Container bisher 4,77 Millionen Euro ausgegeben“, steht dort einerseits. Andererseits betont die Stadt, dass inzwischen nur noch 220 Container auf dem Barnet-Licht-Platz schlummern. 50 Stück hätten inzwischen Verwendung als Schulinterim in Mölkau gefunden, 38 wurden als Übergangslösung für den Feuerwehr-Einsatzdienst zum Goerdelerring gebracht. Dies mindere den Schaden um 1,22 Millionen Euro. Neue Container seien mehr als zehn Jahre nutzbar.

Gerade gescheitert sei jedoch der Plan, einen Teil der Anlage auf dem Barnet-Licht-Platz für 53 Mitarbeiter der Branddirektion zu ertüchtigen. Wie berichtet, sollten die Kameraden schon im November dorthin umziehen, weil die Hauptfeuerwache am Goerdelerring saniert und dafür geräumt werden muss. Stattdessen verbleiben die Mitarbeiter nun noch bis Februar 2018 in der Hauptfeuerwache.

Bis dahin solle für sie die Halle 13 auf der Alten Messe hergerichtet werden, für 85 000 Euro auch notwendige Datenkabel erhalten. Schuld an den neuen Problemen sei der Container-Lieferant, so die Kommune weiter. Er habe seine Zusagen nicht eingehalten, „die Container in der erforderlichen Zeit für die Branddirektion herzurichten“. Die Verlagerung der 38 Stück zum Goerdelerring habe ebenfalls nicht geklappt, weshalb schließlich andere Firmen beauftragt worden seien. Die Stadt prüfe dazu Ansprüche auf Schadenersatz.

Für die 220 übrigen Container auf dem Barnet-Licht-Platz seien nun weitere Verlagerungen zu Schulen und Sportvereinen „in Prüfung“. Der Termin? Sei offen.

Von Jens Rometsch

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