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Lokales Uni Halle will Leipzigs Jugendamtsleiter Haller den Doktortitel wegen Plagiats entziehen
Leipzig Lokales Uni Halle will Leipzigs Jugendamtsleiter Haller den Doktortitel wegen Plagiats entziehen
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19:58 19.03.2012
Siegfried Haller mit seiner Dissertation. Die Uni Halle will dem Leipziger Jugendamtsleiter seinen 2003 erworbenen Doktortitel wegen Plagiatsvorwüfen entziehen. Quelle: André Kempner
Leipzig/Halle

Das erfuhr LVZ-Online am Abend aus gut informierten Hochschulkreisen.

Der promovierte Soziologe Haller – seit dem Jahr 2000 Jugendamtsleiter in Leipzig – soll nach Ansicht des Promotionsausschusses bei seiner 2003 eingereichten Doktorarbeit gegen wissenschaftliche Zitiervorschriften verstoßen haben. Nach dreistündiger Beratung in nicht-öffentlicher Sitzung waren sich die Professoren einig: Hallers Ende Januar abgegebene mündliche Stellungnahme sowie das rund 20-seitige Schreiben seines Anwalts können die Plagiatsvorwürfe nicht ausräumen.

Fakultätsrat entscheidet im April über Aberkennung des Titels

„Der Promotionsausschuss hat heute eine Beschlussempfehlung formuliert, die dem Fakultätsrat am 18. April zur Entscheidung vorliegen wird“, sagte Carsten Heckmann, Sprecher der Martin-Luther-Universität (MLU), am Abend gegenüber LVZ-Online. Hätte Haller die Plagiate widerlegen können, wäre eine Empfehlung überflüssig gewesen. Der Fakultätsrat muss nun abschließend über eine mögliche Aberkennung des Titels entscheiden – die Zustimmung gilt als sicher.

Die Vorwürfe gegen den 57-Jährigen beziehen sich vor allem auf formale Mängel in der rund 400-seitigen Arbeit. Haller, der seit 2004 auch als Dozent und Betreuer von Abschlussarbeiten an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Leipzig tätig ist, soll Quellen nicht korrekt gekennzeichnet haben. Dies war bereits im Oktober bei einem nachträglichen MLU-Gutachten zu seiner mit „cum laude“ (mit Lob) bewerteten Dissertation über die sozialen Folgen des Sanierungsgebiets Hemshof in Ludwighafen am Rhein bestätigt worden.

Haller für Stellungnahme nicht zu erreichen

[gallery:500-1078258993001-LVZ] Der Jugendamtsleiter hatte sich noch im Januar gegenüber LVZ-Online optimistisch gezeigt, durch seine Stellungnahme „den Vorwurf einer Täuschung ausräumen zu können“. Der studierte Diplom-Soziologe und Sozialpsychologe hatte stets argumentiert, dass er an einem Teil der verwendeten Schriften in den 80er- und 90er-Jahren selbst als Mitverfasser beteiligt war. Allerdings sei keine Nennung der Autoren erfolgt, da die Werke von seinem damaligen Arbeitgeber, der Stadtverwaltung Ludwigshafen, herausgegeben wurden.

Bei Bekanntwerden der Vorwürfe durch das Online-Portal VroniPlag im Juli 2011 hatte Haller betont, für mögliche Fehler in seiner Arbeit die Verantwortung zu übernehmen. Was dies nun konkret bedeutet, bleibt abzuwarten. Für eine Stellungnahme war der Jugendamtsleiter am Abend nicht zu erreichen.

Robert Nößler

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