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Lokales Uni-Klinikum: Geldstrafe nach Tod eines Babys gefordert
Leipzig Lokales Uni-Klinikum: Geldstrafe nach Tod eines Babys gefordert
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01:00 10.05.2013
Die Angeklagte mit ihren Verteidigern im Gerichtssaal. Quelle: André Kempner

"Eine hohe Verurteilung ist ihnen nicht so wichtig", so ihr Anwalt Torsten Seiffert. "Aber es hat sich bisher niemand für die Behandlungsfehler entschuldigt", Auch nicht beim Berufungsprozess gegen eine UKL-Hebamme am Landgericht: Die Verteidiger der angeklagten Hebamme Kathrin S. (50) äußerten in ihren Plädoyers am Mittwoch zwar "Anteilnahme am Schicksalsschlag". Ihre Mandantin habe sich jedoch nichts vorzuwerfen und deshalb auch kein Schuldeingeständnis abgegeben.

Staatsanwältin Tanja Lötschert stellte hingegen fest: "Es gab eine fatale Kette von Abläufen, die zum Tod des Kindes geführt haben." Wie berichtet, kam der kleine Tony nach einem Not-Kaiserschnitt am 27. September 2008 hirntot zur Welt. Zuvor hatte die Mutter einen Riss der Gebärmutter erlitten, das Baby lag ungeschützt in der Bauchhöhle und wurde nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt. Das medizinische Personal, auch die Angeklagte, habe "die Risiken vollständig verkannt", so Lötschert. Bei permanenter Kontrolle wäre das Leben des Kindes gerettet worden. Vor allem aber seien die Schmerzen der Patientin nicht ernst genommen worden. "Bei einem Gebärmutterriss muss sie Schmerzen gehabt haben", bekräftigte Nebenkläger Seiffert. "Frau Reichl hat gerade wegen der Schmerzen die Geburtstagsfeier ihres Mannes verlassen und sich ins Uni-Klinikum begeben."

Verteidiger Jan Braun bezeichnete die Aussagen von Swantje Reichl als "unglaubhaft". So habe sie die Notklingel nicht betätigt. Klinikpersonal habe zudem versichert, bei der Patientin keine Schmerzen festgestellt zu haben.

Umstritten war auch die Frage, ob der Hebamme fahrlässige Tötung vorzuwerfen ist. Hatten bereits Eröffnungswehen eingesetzt und war der kleine Tony demnach im juristischen Sinne schon ein Mensch? Die Staatsanwältin bejahte dies und forderte wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 50 Euro. Die Sanktion würde damit auch im Führungszeugnis, der behördlichen Bescheinigung über Vorstrafen, auftauchen. Die Verteidigung plädierte hingegen auf Freispruch.

In erster Instanz war Kathrin S. am Amtsgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung an der Mutter zu 3000 Euro Geldstrafe verurteilt worden, wogegen Staatsanwaltschaft und Verteidigung in Berufung gegangen waren.

Aufgrund der komplexen Materie vertagte das Landgericht eine Entscheidung: Erst am 14. Mai soll das Urteil verkündet werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.05.2013

Frank Döring

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