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Lokales Uni Leipzig nimmt ihren neuen Bildungscampus in Betrieb
Leipzig Lokales Uni Leipzig nimmt ihren neuen Bildungscampus in Betrieb
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14:06 02.10.2018
Kuschelige Sofas in der Bibliothek: Sachsens Finanzminister Matthias Haß, Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange, die stellvertretende Bibliotheksdirektorin Charlotte Bauer, Ministerpräsident Michael Kretschmer und Uni-Rektorin Beate Schücking (von links) testen die Sitzqualität aus. Quelle: André Kempner
Leipzig

Immerhin entsprechen die 350 Sitzplätze des großen Hörsaals althergebrachten Vorstellungen. „In so einer kleinen Bank zu sitzen und die Gedanken zu sortieren, ist nach all den Jahren auch mal wieder schön“, hat Sachsens Finanzminister Matthias Haß (CDU) am Freitag die Festgesellschaft im neuen Bildungswissenschaftlichen Zentrum der Universität Leipzig begrüßt.

Um den Hörsaal herum und in den Stockwerken darüber mutet das Gebäude dagegen vielerorts beinahe wie eine Wellness-Oase an. Davon konnten sich Wissenschaftler und Politiker bei einer Hausführung überzeugen. Die Bibliothek der Erziehungs- und Sportwissenschaften beispielsweise beherbergt nicht nur kuschelige Sofas mit jeweils eigener Steckdose sowie Studier-Tresen, an dem die jungen Menschen sich auf so etwas wie Barhockern über ihre Bücher beugen, sondern sogar einen Eltern-Kind-Raum inklusive Laufstall. „Das müssen wir unseren Studierenden bieten“, erklärte Charlotte Bauer, stellvertretende Direktorin der Unibibliothek, den Würdenträgern.

In Form eines symbolischen Schlüssels übergaben Finanzminister Haß, Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) und deren gemeinsamer Chef – Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) – der Uni-Rektorin Beate Schücking am Freitag das „neue Herzstück“ des Campus Jahn­allee, wie Haß es ausdrückte. Geplant seit Frühjahr 2014, begannen im November 2015 unter der Regie des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements die Bauarbeiten.

Mit 25,3 Millionen Euro nimmt das Bildungswissenschaftliche Zentrum auch finanziell den größten Teil der geplanten Investitionen in den Bildungscampus ein. Insgesamt 38,6 Millionen Euro aus Landesmitteln sind für den Standort vorgesehen, an dem außer den Erziehungswissenschaftlern die Sportwissenschaftliche Fakultät, die Handelshochschule und das Hochschuldidaktische Zentrum Sachsen beheimatet sind. „Die Kosten halten wir nach jetzigen Stand ein“, so Haß. Der Zeitplan stimmt ebenfalls: Seit Mitte August ist der angegliederte Forschungskindergarten mit seinen 83 Betreuungsplätzen in Betrieb; vor zwei Wochen eröffnete die Bibliothek mit ihren 340 Plätzen.

Ein Fünftel aller Studierenden der Uni Leipzig

Allzu vielen Studenten begegnet man bislang allerdings nicht in den Räumen und Gängen. Schließlich sind noch Semesterferien. Dass sich das bald ändert, darauf freut sich die Uni-Rektorin: „In wenigen Tagen wird es hier wimmeln. Knapp 6000 Studierende, davon mehr als 1000 Erstsemester, werden ihr Haus in Besitz nehmen“ – immerhin ein Fünftel aller, die an der Uni Leipzig eingeschrieben sind. „So ein hochmoderner Campus wäre noch vor zehn Jahren unvorstellbar gewesen“, sagt sie. Zwischenzeitlich waren die Leipziger Lehramtsstudenten mit ihren Vorlesungen und Seminaren über die ganze Stadt verteilt. Zentriert auf einen Standort, erkennt Schücking jetzt „optimale Forschungsbedingungen, unter anderem in den Bereichen frühkindliche Entwicklung und Lehrerbildung“.

Nicht nur der Forschungskindergarten verbindet pädagogische mit wissenschaftlichen Zielen. Die bunten „Laufbilder“ auf den Fußböden, die der Leipziger Künstler Christoph Ruckhäberle entworfen hat, führen zudem unter anderem in das sogenannte „Literacy Lab“, in dem Lehrer und Studierende künftig multimediale Methoden der Literaturvermittlung ausprobieren. Das Angebot steht nicht nur der hauseigenen Kita, sondern auch anderen Kindergärten und Grundschulen offen.

Kretschmer: „Flaggschiff der sächsischen Lehrerbildung“

Das Institut für Förderpädagogik verfügt nun ebenso über moderne Arbeitsbedingungen. „Wir müssen es nur noch schaffen, die hochgefragten Sonderpädagogen nach Abschluss des Studiums in Sachsen zu halten“, gibt allerdings Wissenschaftsministerin Stange bei der Führung gegenüber Kretschmer zu bedenken. Ein wenig Wasser im Wein, dessen Klasse der Landesvater in seiner Rede zuvor vollmundig angepriesen hat: 1,7 Milliarden Euro stecken im sogenannten „Lehrerpaket“, das seine Regierung durch den Landtag bringen will. Damit sollen nicht nur die räumlichen Bedingungen an Hochschulen und Schulen verbessert werden; der Freistaat möchte seine Lehrer darüber hinaus wieder verbeamten, zudem Schulsozialarbeiter, -psychologen und -assistenten einstellen.

Den neuen Leipziger Bildungscampus bezeichnet Kretschmer als „Flaggschiff der sächsischen Lehrerbildung“. Und Finanzminister Haß wertet die Ausgaben für den Neubau als „Investition in die Zukunftsfähigkeit unseres Landes“. Die Uni-Rektorin gibt sich zuversichtlich, die Vorstellungen der Politiker zu erfüllen. Die zentrale Forschungsfrage sei an der Jahnallee jetzt: „Wie können wir die Entwicklung von Kindern ideal fördern – von Anfang an?“, sagt Schücking und lobt ihrerseits die Regierung, dass sie Bildung als „entscheidende Ressource des Freistaats Sachsen“ erkannt habe. Dabei allein solle es aber nicht bleiben, so Schücking: „Wir arbeiten mit dem Bildungswissenschaftlichen Zentrum über Mitteldeutschland hinaus auch auf nationale und internationale Sichtbarkeit hin.“

Am 19. Oktober soll die Fertigstellung des Neubaus mit einem „Unifest“ auf dem Campus Jahnallee gefeiert werden. Kultur, Kinderprogramm und kulinarische Angebote sind geplant, Details stehen allerdings noch nicht fest.

Von Mathias Wöbking

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