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Uni Leipzig verliert vor Gericht wertvolle ägyptische Sammlung von Georg Steindorff

Uni Leipzig verliert vor Gericht wertvolle ägyptische Sammlung von Georg Steindorff

Schwere Niederlage für die Uni Leipzig: Das Verwaltungsgericht Berlin hat am Donnerstag überraschend entschieden, dass die Hochschule die wertvolle altägyptische Sammlung von Georg Steindorff abgeben muss.

Berlin/Leipzig. Wie das Gericht mitteilte, habe die Universität nicht widerlegen können, dass der jüdische Professor Steindorff (1861-1951) seinen Fundus im Jahr 1937 aus Angst vor den Nationalsozialisten an das Ägyptische Museum verkaufte.

Laut Urteil ist der 163 Stücke umfassende Bestand der Steindorff-Sammlung, der sich derzeit im Ägyptischen Museum im Leipziger Kroch-Hochhaus befindet, an die Jewish Claims Conference (JCC) zurück zu übertragen. Das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen hatte die Rückgabe an die jüdische Vereinigung gefordert, da Steindorff während der Judenverfolgung in Nazi-Deutschland gezwungen worden sein soll, seine Sammlung unter Wert zu verkaufen. Dagegen hatte die Universität vor Gericht geklagt.

Uni Leipzig „sehr enttäuscht“

Die Hochschule zahlte damals 8000 Reichsmark für die Stücke. Steindorff selbst schätzte deren Wert zuvor jedoch auf 10.260 Reichsmark. Er habe die Sammlung nachweislich unter Wert verkauft, hieß es in der Urteilsbegründung. Zwar spreche einiges dafür, dass er vor 1933 vorgehabt habe, die Sammlung der Universität zu schenken. 1937 habe er sie jedoch auf jeden Fall verkaufen wollen. Dass der Verkauf unter Verfolgungsdruck erfolgt sei, sei daher nicht auszuschließen, teilte das Gericht mit. Zwei Jahre nach dem Verkauf floh Steindorff vor den Nazis in die USA, wo er 1951 im Alter von 89 Jahren starb.

„Ich bin sehr enttäuscht“, sagte der Kustos des Ägyptischen Museums Dietrich Raue nach der Urteilsverkündung. „Das Gericht hat nicht anerkannt, dass wir ein Szenario rekonstruiert haben, bei dem verfolgungsbedingter Zwang keine Rolle spielte.“ So hatte die Universität argumentiert, dass es das Geschäft auch ohne den Nationalsozialismus gegeben hätte. Zudem habe Steindorff ein Alternativangebot des Kestner Museums Hannover vorgelegen, das er aber nicht mehr weiter verfolgt habe, als sich das Leipziger Interesse konkretisierte.

Aussage von Steindorffs Enkel kann Gericht nicht umstimmen

Auch die Vernehmung des Zeugen Thomas Hemer, einem heute in den USA lebenden 88-jährigen Enkel von Steindorff, konnte das Gericht nicht umstimmen. Er sagte aus, dass sein Großvater die Sammlung 1936 der Universität Leipzig zum Verkauf angeboten hatte, weil er Geld für den Kauf einer Firma für seinen Schwiegersohn brauchte. „In seiner Anschauung hat er die Sammlung an die Universität verschenkt“, erklärte Hemer. Der Enkel des ehemaligen Ägyptologie-Professors und Uni-Rektors Steindorff war im Jahr 2008 extra zur feierlichen Namensgebung des Ägyptologischen Instituts der Uni Leipzig in die Messestadt gereist. Das Institut sowie das angegliederte Museum tragen seitdem Steindorffs Namen.

Trotz dieses Urteils sei über die Zukunft der Steindorff-Sammlung noch nicht endgültig entschieden, teilte die Hochschule am Nachmittag mit. „Die Universität Leipzig behält sich weitere Schritte gegen diese Entscheidung vor, da die Gefahr besteht, dass diese für die Studierenden so wichtige Lehrsammlung zerschlagen wird“, hieß es in einer Mitteilung. Dank Steindorffs Exponaten verfügt die Universität Leipzig über eine der größten altägyptischen Sammlungen in ganz Deutschland.

Fotos von der Wiedereröffnung des Ägyptischen Museums im Juni 2010:

Robert Nößler

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