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Uni macht Männer zu Frauen

Uni macht Männer zu Frauen

Die Universität Leipzig steht medial momentan hoch im Kurs. Das Sujet ist stets das Gleiche: Dank der jüngsten Entscheidung des erweiterten Senats über die neue Verfassung (die LVZ berichtete), hält das generische Femininum Einzug in die Alma mater.

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Die Uni Leipzig am Augustusplatz.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Zu Deutsch: Ab sofort studieren nur noch Studentinnen, lehren ausschließlich Professorinnen, tun alleine Dekaninnen, was Dekaninnen im Hochschulbetrieb eben so tun. Kurz: Um der Geschlechterdiskriminierung vorzubeugen, hat sich der Senat allumfassend für die weibliche Bezeichnung in den universitären Statuten entschieden. Die messerscharfe Schlussfolgerung in diversen digitalen und analogen Medien: Aus Männern werden Frauen an der Uni Leipzig.

Beate Schücking muss sich darüber wundern. "Es ist erstaunlich, dass dieser Akt in einem Land, in dem Männer und Frauen gleichberechtigt sind, auf so viel öffentliche Beachtung stößt", sagt die Uni-Rektorin. Das Echo weist aus ihrer Warte darauf hin, dass es "noch erhebliche Defizite auf diesem Gebiet gibt". Auf den allgemeinen Sprachgebrauch im Alltag werde die geschliffene Grundordnung indes keinerlei Auswirkungen haben, wie Schücking betont. Im Klartext: Niemand soll einen Professor künftig mit "Herr Professorin" ansprechen oder -schreiben. "Es ist ein symbolischer Akt", meint Schücking, räumt aber zugleich ein: "Gerade an der Spitze haben wir auch in Leipzig noch viel zu wenige Frauen." Das stimmt. Nach hauseigenen Angaben sind knapp 60 Prozent der Studierenden an der Uni tatsächlich Studentinnen. Bei den Wissenschaftlerinnen beläuft sich der Anteil auf rund 40 Prozent. Während die Hochschule sich angesichts der Fakten anschicken will, langfristig die Frauenquote nach oben zu korrigieren, hält es der Studentinnenrat (Stura) der Uni Leipzig für lobenswert, was der Senat beschlossen hat. "Es wurde Zeit, dass diese Art der Geschlechtergleichberechtigung in der Grundordnung verankert wurde", bekundet Mert Berk. Auch der Referent für Gleichstellungs- und Lebensweisenpolitik des Stura akzentuiert, dass es keineswegs darum gehe, aus einem Professor eine Professorin zu machen. Im Gegenteil: "Mit dem generischen Femininum gibt es die Möglichkeit, die eigene Geschlechterrolle selbst festzulegen", so Berk, "das ist ein großer Vorteil."

Inneruniversitär wäre damit alles klar. Nicht so für LVZ-Leser Heinrich Hillmann. "Wenn man bedenkt, welche Geistesgrößen sich einst an der Leipziger Uni für die Pflege und Reinheit der deutschen Sprache einsetzten, dann muss man sich ernsthaft fragen, was dieser Schwachsinn heute soll", wettert Hillmann - und beharrt auf dem "Doktor" anstatt der "Doktorin" vor seinem Namen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.06.2013

Felix Kretz

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