Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Uniklinik Leipzig fordert Ambulanz für Flüchtlingskinder

Medizinische Versorgung in Leipzig Uniklinik Leipzig fordert Ambulanz für Flüchtlingskinder

Das Uniklinikum Leipzig (UKL) fordert den Aufbau einer Ambulanz für Flüchtlingskinder. Hintergrund sind stark gestiegene Patientenzahlen in diesem Bereich. Viele Migranten suchen keinen Kinderarzt auf, kommen mit ihren Kindern direkt in die Kinderambulanz.

Das Uniklinikum Leipzig fordert eine Ambulanz für Flüchtlingskinder.
 

Quelle: Leipzigreport

Leipzig.  Die Kinderambulanz am Uniklinikum Leipzig (UKL) schlägt Alarm. Grund sind stark gestiegene Patientenzahlen von Flüchtlingen, die ihre Kinder nicht zum Kinderarzt bringen, sondern gleich direkt zur Behandlung ins UKL. Die Einrichtung gelangt damit an die Belastungsgrenze. Die Mediziner fordern nun den Aufbau einer speziellen Ambulanz nur für Flüchtlingskinder. „Die Aufgabe ist wichtig, und wir nehmen das gerne auch weiterhin wahr“, sagt Wolfgang E. Fleig, medizinischer Vorstand am UKL. „Es ist aber eine spezielle Ambulanz für Kinder von Flüchtlingen erforderlich – und die muss finanziert werden.“ Denn: Die Behandlung ist aufwendig.

Bis vor zwei Jahren waren etwa fünf Prozent der kleinen Patienten Migranten, schätzt Matthias Bernhard, Oberarzt in der Kinder-Neurologie. Inzwischen liege die Quote bei etwa 20 Prozent. Die Versorgung ist eine Herausforderung. „Es dauert länger“, sagt Wieland Kiess, Chef der Uni-Kinderklinik. Das liegt vor allem an der Sprachbarriere. „Medizinische Versorgung hängt von der Verständigung ab“, betont Assistenzärztin Henriette Kiep. Das Problem: Sobald ein Asylbewerber anerkannt ist oder auch als „geduldet“ gilt, bekommt er keinen Dolmetscher mehr bezahlt. Aber selbst wenn: Mittlerweile haben es die Kinderärzte am UKL mit so vielen verschiedenen Sprachen zu tun, dass gar nicht immer ein Übersetzer zu bekommen ist. Vor Kurzem gab es Bedarf bei einem Patienten aus Eritrea – für die spezielle Sprache gab es bloß Dolmetscher in Berlin und Zürich. Am UKL behelfen sich Ärzte und Pflegepersonal, so weit es geht, mit eigenen Sprachkenntnissen in Englisch, Französisch, Russisch oder mit Sprach-Apps. Die teils hohe Analphabeten-Rate bei den Flüchtlinge macht die Sache nicht leichter.

Nicht nur Sprachprobleme gestalten die Behandlung aufwendig. Hinzu kommt die oft fehlende Integration der Familien in ihrem neuen Wohnumfeld. Da wird der Arzt schnell zur zentralen Vertrauensperson – auch über das Medizinische hinaus. Und: Die Patienten sind oft traumatisiert. Matthias Bernhard und Henriette Kiep berichten von schweren Schicksalen, von Kindern, die Krieg und Tod hautnah erlebt haben. „Man sieht Kinder mit Angststörungen, die eigentlich psychologische Betreuung brauchen“, erklärt Henriette Kiep. Die Möglichkeiten sind beschränkt. Es gebe in Sachsen nur einen oder zwei arabisch sprechende Psychologen.

Das Uni-Klinikum ist bereit, sich mehr zu engagieren, fordert jedoch eine bessere Infrastruktur. „Es wäre schön, wenn man Dolmetscher hätte“, fordert Wieland Kiess. Diese müssten aber von den Kassen bezahlt werden. Denkbar wäre eine Ambulanz nach Heidelberger Vorbild. Dort haben Ärzte der Uniklinik gemeinsam mit niedergelassenen Ärzten und in Abstimmung mit Stadt und Bundesland eine Ambulanz aufgebaut, in der es auch angestellte Dolmetscher gibt. „Das wäre optimal“, sagt Henriette Kiep.

Mit der Unterstützung durch die Stadt Leipzig kann das UKL jedoch nicht rechnen. Eine im Oktober 2015 am Klinikum St. Georg eingerichtete Ambulanz speziell für Flüchtlinge war Ende 2016 wieder geschlossen worden, weil sich die Stadt aus dem Betreibervertrag mit dem Land und der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen zurückgezogen hatte. Leipzig trug an der Flüchtlingsambulanz lag die Kosten für Übersetzer und den Wachschutz. Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) begründet den Ausstieg mit der rückläufigen Zahl der Flüchtlinge: „Die Asylbewerber in Leipzig können medizinische Versorgung in den niedergelassenen Praxen, den Kliniken und deren Ambulanzen in Anspruch nehmen.“ In Dresden und Chemnitz bestehen die Flüchtlingsambulanzen jedoch weiter..

Von Björn Meine und Klaus Staeubert

Die Kommentarfunktion steht morgen wieder zur Verfügung

Leipzig, Liebigstraße 51.331205 12.389531
Leipzig, Liebigstraße
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2017/2018 im Schauspiel Leipzig. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

Wie weiter nach der Grundschule? Unsere Übersicht aller Gymnasien, Oberschulen und Freien Schulen in Leipzig will Eltern bei der Auswahl der passenden Bildungseinrichtung für ihr Kind unterstützen. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

Die Multimedia-Reportage erzählt elf spannende Geschichten entlang der Linie 11 - der längsten Straßenbahnlinie Leipzigs. mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr