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Uniklinik Leipzig fordert Ambulanz für Flüchtlingskinder

Medizinische Versorgung in Leipzig Uniklinik Leipzig fordert Ambulanz für Flüchtlingskinder

Das Uniklinikum Leipzig (UKL) fordert den Aufbau einer Ambulanz für Flüchtlingskinder. Hintergrund sind stark gestiegene Patientenzahlen in diesem Bereich. Viele Migranten suchen keinen Kinderarzt auf, kommen mit ihren Kindern direkt in die Kinderambulanz.

Das Uniklinikum Leipzig fordert eine Ambulanz für Flüchtlingskinder.
 

Quelle: Leipzigreport

Leipzig.  Die Kinderambulanz am Uniklinikum Leipzig (UKL) schlägt Alarm. Grund sind stark gestiegene Patientenzahlen von Flüchtlingen, die ihre Kinder nicht zum Kinderarzt bringen, sondern gleich direkt zur Behandlung ins UKL. Die Einrichtung gelangt damit an die Belastungsgrenze. Die Mediziner fordern nun den Aufbau einer speziellen Ambulanz nur für Flüchtlingskinder. „Die Aufgabe ist wichtig, und wir nehmen das gerne auch weiterhin wahr“, sagt Wolfgang E. Fleig, medizinischer Vorstand am UKL. „Es ist aber eine spezielle Ambulanz für Kinder von Flüchtlingen erforderlich – und die muss finanziert werden.“ Denn: Die Behandlung ist aufwendig.

Bis vor zwei Jahren waren etwa fünf Prozent der kleinen Patienten Migranten, schätzt Matthias Bernhard, Oberarzt in der Kinder-Neurologie. Inzwischen liege die Quote bei etwa 20 Prozent. Die Versorgung ist eine Herausforderung. „Es dauert länger“, sagt Wieland Kiess, Chef der Uni-Kinderklinik. Das liegt vor allem an der Sprachbarriere. „Medizinische Versorgung hängt von der Verständigung ab“, betont Assistenzärztin Henriette Kiep. Das Problem: Sobald ein Asylbewerber anerkannt ist oder auch als „geduldet“ gilt, bekommt er keinen Dolmetscher mehr bezahlt. Aber selbst wenn: Mittlerweile haben es die Kinderärzte am UKL mit so vielen verschiedenen Sprachen zu tun, dass gar nicht immer ein Übersetzer zu bekommen ist. Vor Kurzem gab es Bedarf bei einem Patienten aus Eritrea – für die spezielle Sprache gab es bloß Dolmetscher in Berlin und Zürich. Am UKL behelfen sich Ärzte und Pflegepersonal, so weit es geht, mit eigenen Sprachkenntnissen in Englisch, Französisch, Russisch oder mit Sprach-Apps. Die teils hohe Analphabeten-Rate bei den Flüchtlinge macht die Sache nicht leichter.

Nicht nur Sprachprobleme gestalten die Behandlung aufwendig. Hinzu kommt die oft fehlende Integration der Familien in ihrem neuen Wohnumfeld. Da wird der Arzt schnell zur zentralen Vertrauensperson – auch über das Medizinische hinaus. Und: Die Patienten sind oft traumatisiert. Matthias Bernhard und Henriette Kiep berichten von schweren Schicksalen, von Kindern, die Krieg und Tod hautnah erlebt haben. „Man sieht Kinder mit Angststörungen, die eigentlich psychologische Betreuung brauchen“, erklärt Henriette Kiep. Die Möglichkeiten sind beschränkt. Es gebe in Sachsen nur einen oder zwei arabisch sprechende Psychologen.

Das Uni-Klinikum ist bereit, sich mehr zu engagieren, fordert jedoch eine bessere Infrastruktur. „Es wäre schön, wenn man Dolmetscher hätte“, fordert Wieland Kiess. Diese müssten aber von den Kassen bezahlt werden. Denkbar wäre eine Ambulanz nach Heidelberger Vorbild. Dort haben Ärzte der Uniklinik gemeinsam mit niedergelassenen Ärzten und in Abstimmung mit Stadt und Bundesland eine Ambulanz aufgebaut, in der es auch angestellte Dolmetscher gibt. „Das wäre optimal“, sagt Henriette Kiep.

Mit der Unterstützung durch die Stadt Leipzig kann das UKL jedoch nicht rechnen. Eine im Oktober 2015 am Klinikum St. Georg eingerichtete Ambulanz speziell für Flüchtlinge war Ende 2016 wieder geschlossen worden, weil sich die Stadt aus dem Betreibervertrag mit dem Land und der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen zurückgezogen hatte. Leipzig trug an der Flüchtlingsambulanz lag die Kosten für Übersetzer und den Wachschutz. Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) begründet den Ausstieg mit der rückläufigen Zahl der Flüchtlinge: „Die Asylbewerber in Leipzig können medizinische Versorgung in den niedergelassenen Praxen, den Kliniken und deren Ambulanzen in Anspruch nehmen.“ In Dresden und Chemnitz bestehen die Flüchtlingsambulanzen jedoch weiter..

Von Björn Meine und Klaus Staeubert

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