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Lokales Unister-Chef Thomas Wagner tappte in Falle eines Serienbetrügers
Leipzig Lokales Unister-Chef Thomas Wagner tappte in Falle eines Serienbetrügers
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23:33 26.08.2016
Unister-Chef Thomas Wagner ging mit Levy Vass offenbar einem Serienbetrüger auf den Leim. Quelle: dpa
Leipzig

 Der Rip-Deal-Betrug an Unister-Chef Thomas Wagner war offenbar kein Einzelfall. Der mysteriöse israelische Diamantenhändler Levy Vass, dem der Gründer des Internetriesen aus Leipzig in Venedig in die Falle tappte, soll zuvor mindestens zwei weitere Geschäftsleute um ihr Geld gebracht haben. Darüber berichtet der Spiegel in einer am Freitag verbreiteten Vorabmeldung.

Eine Unternehmerin aus Nordrhein-Westfalen verlor demnach bereits Mitte Juni bei einem Kreditgeschäft mit Vass in Slowenien 100.000 Euro. Weitere Geschäftspartner wurden um bis zu 350.000 Euro gebracht, so die Recherchen des Nachrichtenmagazins. Nach dem wahrscheinlich unter einem Pseudonym auftretenden Betrüger wird inzwischen europaweit mit internationalem Haftbefehl gefahndet.

Betrugsmasche war immer die Gleiche

Der mutmaßliche Drahtzieher der Deals in Deutschland, der Finanzmakler Wilfried Schwätter aus Unna, soll selbst dabei gewesen sein, als Vass den Kreditnehmern in einem Hotel in Ljubljana einen Koffer voller Falschgeld übergab – und dann verschwand. Auch Wagner wurde auf diese Art und Weise am 13. Juli in einem Hotel bei Venedig um 1,5 Millionen Euro betrogen. In allen drei Fällen sei die Masche dieselbe gewesen, schreibt der Spiegel.

Im Antony Palace Hotel in Venedig wurde der Unister-Chef betrogen. Quelle: Antony Palace

Über seinen Kontaktmann bot Vass Geschäftsleuten, die dringend einen Kredit brauchten, ein privates Darlehen an. Zehn Prozent der Darlehenssumme sollten die Unternehmer als Sicherheit mitbringen und im Austausch die erste Kredittranche bekommen – beides in bar, Euro gegen Schweizer Franken. Die Betroffenen bekamen jedoch nur einen Koffer mit Bündeln voller Falschgeld. Wegen des Verdachts auf Beihilfe zum Betrug sitzt Schwätter bereits seit vier Wochen in Untersuchungshaft.

Der Generalstaatsanwaltschaft in Dresden, die zu dem Unister-Komplex ermittelt, waren die anderen Betrugsfälle bis Freitag noch nicht bekannt. Auf LVZ-Nachfrage sagte Sprecher Wolfgang Klein: „Wenn es weitere Fälle gibt, werden wir schauen, ob es Querverbindungen gibt. Bislang spielten diese Sachverhalte in den Ermittlungen keine Rolle.“ Noch immer warten die Ermittler auf die Akten aus Italien, wo Wagner am 14. Juli Betrugsanzeige stellte, bevor er auf dem Rückweg nach Leipzig an Bord eines Kleinflugzeugs in den slowenischen Bergen abstürzte. Auch Mitgesellschafter Oliver Schilling kam bei dem Unglück ums Leben.

Trauerfeier am Donnerstag in der Kongresshalle

Nach LVZ-Informationen ist am kommenden Donnerstag (1. September) in Leipzig eine große Trauerfeier für die beiden verstorbenen Unister-Gründer geplant. Ab 14 Uhr sind alle rund 1000 Mitarbeiter des Unternehmens sowie Wegbegleiter und Freunde in die Kongresshalle am Zoo eingeladen, darunter auch die langjährigen Werbeträger Reiner Calmund, Ex-Skispringer Dieter Thoma sowie die Agentur von Michael Ballack. Ob sie tatsächlich kommen, ist jedoch offen.

„Wir wollen gemeinsam Abschied nehmen von zwei großartigen Menschen, von zwei Impulsgebern für die digitale Wirtschaft in Deutschland und von den Gründern und Gestaltern eines dynamischen und zukunftssicheren Wirtschaftssegments in Leipzig“, heißt es in der Einladung. Die vom Management des Unternehmens organisierte Veranstaltung, bei der ein Musikprogramm und mehrere Reden geplant sind, ist nicht öffentlich.

Von Robert Nößler

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