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Lokales Unister-Filetstücke sollen vor Insolvenz bewahrt werden - "Interessenten melden sich stündlich"
Leipzig Lokales Unister-Filetstücke sollen vor Insolvenz bewahrt werden - "Interessenten melden sich stündlich"
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15:02 25.07.2016
Am Mittwoch meldete auch die Unister-Tochter U Deals die Insolvenz an. Quelle: Screenshot LVZ
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Leipzig

Unisters Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther will eine Insolvenz namhafter Portale wie fluege.de und ab-in-den-urlaub verhindern. "Wir hoffen, dass wir da nicht hineingeraten", sagte er am Mittwochabend in einem Hintergrundgespräch. In den kommenden Tagen könnten aber weitere Töchter von Unister wegen Zahlungsunfähigkeit den Gang zum Amtsgericht antreten. Derzeit sind rund 200 Mitarbeiter von den Insolvenzen im Konzern betroffen. 

Am Mittwoch besuchte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) das Unternehmen und machte sich vor Ort ein Bild. "Wir sind sehr dankbar, dass er schon zu so einem frühen Zeitpunkt bei uns war", so Flöther. Dulig und auch Vertreter der Stadt hätten ihre Unterstützung zugesichert. Konkret könne die Politik bei Gesprächen mit Investoren helfen.

An Firmen, die bei Unister einsteigen wollen, mangelt es nicht. "Wir bekommen stündlich Mails und Schreiben", erklärte Flöther. Darunter befänden sich auch namhafte Unternehmen. Die möglichen Geschäftspartner seien an einzelnen Konzernteilen, aber auch an der Übernahme der gesamten Holding interessiert. Flöther will Unister als Gesamtkonstrukt und auch den Standort Leipzig erhalten. "Das ist das Ziel", betonte der Jurist. 

Er steht dabei unter Zeitdruck. "Ein Onlineunternehmen ist wesentlich sensibler als eine Eisengießerei", sagte er. Deshalb setze er auf schnelle Lösungen, möglichst vor Ablauf der kommenden drei Monate. Dann endet auch die Gehaltszahlung durch die Agentur für Arbeit für die betroffenen Mitarbeiter. Die Vermögenswerte seien sehr empfindlich. "Es wird aber keine Notverkäufe geben", so Flöther. An die Belegschaft appellierte er, bei Unister an Bord zu bleiben. Nur gemeinsam lasse sich der Konzern erhalten. "Wir ziehen an einem Strang", so der Insolvenzverwalter.

Über die genaue Höhe der Schulden äußerte sich Flöther nicht. "Wir haben noch keinen vollständigen Überblick", erklärte der Hallenser. Seine rund 100 Mitarbeiter durchleuchteten derzeit die mehreren Dutzend Gesellschaften im Konzern. Geprüft würden auch mögliche Fälle einer Insolvenzverschleppung. Genaue Angaben dazu seien zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.

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Drastisch zurückgefahren hat der Internetriese seine Marketingaktivitäten. Bereits seit Mai laufen aus Kostengründen keine Werbespots mit den Gesichtern von Michael Ballack und Reiner Calmund im Fernsehen. Derzeit fänden gar keine PR-Aktivitäten mehr statt.

Flöther betonte noch einmal, dass Unisterkunden nichts zu befürchten hätten. Beim insolventen Reiseanbieter Urlaubstours trete eine Versicherung ein, die weiteren Portale seien lediglich Reisevermittler. Verträge beständen mit den Veranstaltern oder den Fluglinien. Sollten Kunden Fragen haben, könnten sie sich direkt an Unister wenden, die Mitarbeiter seien informiert, so Flöther.

Auch wenn der Insolvenzverwalter bereits eine ganze Reihe von Konzernen saniert hat, ist der Fall aus Leipzig besonders. "Allein das mediale Interesse ist sehr groß", meinte er. Die Begleitumstände mit dem Tod der Gesellschafter Thomas Wagner und Oliver Schilling sorgen für eine internationale Berichterstattung. Auch Flöther interessiert sich für die Reise nach Venedig und das am Absturzort gefundene Bargeld. "Da könnten Vermögenswerte der Gesellschaften betroffen sein", erklärte der Jurist. 

Das Fehlen von Wagner bei Unister habe die wirtschaftliche Schieflage noch einmal verschärft. Der 38-Jährige war in vielen Gesellschaften der alleinige Geschäftsführer. "Diese Bereiche waren führungslos, das ist der größte anzunehmende Unfall für ein Unternehmen", so Flöter.

Am Mittwoch beantragte die Tochter U-Deals beim Amtsgericht die Insolvenz. Sie vermittelt neben Reisen auch Pakete aus Hotelübernachtungen und Zusatzleistungen wie Abendessen und Eintrittskarten. Damit ist die vierte Gesellschaft des Konzerns pleite. Zuvor hatten am Montag die Unister Holding und am Dienstag die Urlaubstours GmbH sowie die Unister GmbH, die allerdings nicht im operativen Geschäft tätig ist, ihre Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Flöther hatte zuvor bereits einen Ansteckungs- und Dominoeffekt weiterer Unternehmensteile angedeutet.

Matthias Roth

Alle Informationen zur Akte Unister erhalten Sie in unserem Themenspecial.

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