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Lokales Unister von Razzia in Leipzig völlig überrascht – nun auch Travel24 im Visier
Leipzig Lokales Unister von Razzia in Leipzig völlig überrascht – nun auch Travel24 im Visier
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17:17 12.12.2013
Das Unister-Grundstück am Brühl wird derzeit als Parkplatz genutzt. Die Pläne für den Neubau der Firmenzentrale in Leipzig wurden jetzt aufgeschoben. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Hier ist offenbar nicht mit einer schnellen Umsetzung zu rechnen. Wie die Leipziger Volkszeitung aus gut informierten Unternehmenskreisen erfuhr, sei in absehbarer Zeit ein Baustart unwahrscheinlich. Endgültig erledigt habe sich das Projekt damit aber noch nicht.

Das vorgesehene Baugrundstück am Brühl wird derzeit als Parkplatz genutzt – seit Jahren hat sich hier nichts getan. Unister wollte dort bereits seit 2011 für 30 Millionen seine neue Firmenzentrale für 1400 Mitarbeiter errichten. „In der jetzigen Situation ist an einen Bau bis auf Weiteres nicht zu denken“, hieß es am Donnerstag aus dem Unternehmen. Das Vertrauen in den Standort Leipzig sei durch die Ermittlungen „erschüttert“. Auch aus dem Rathaus habe man bislang „keine Unterstützung“ erhalten. Die Expansionspläne in Sachsen werden deshalb sogar bei führenden Mitarbeitern generell in Frage gestellt.

Kritik am Vorgehen der Generalstaatsanwaltschaft

Die erneute Razzia am Dienstag – einen Tag vor dem Jahrestag der ersten Durchsuchung am 11. Dezember 2012 – hatte das Unternehmen völlig überraschend getroffen. Von „systematischer Kriminalisierung“ und einem „unverhältnismäßigem Durchgreifen“ der Generalstaatsanwaltschaft in Dresden“ ist bei Unister die Rede. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Integrierte Ermittlungseinheit Sachsen (INES), die das Unternehmen (ab-in-den-urlaub.de) bereits seit mehr als einem Jahr im Visier hat.

Wolfgang Klein, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, wies diese Kritik zurück. „Wir haben konkrete Verdachtsmomente und müssen hierfür Beweismittel sicherstellen“, sagte der Oberstaatsanwalt gegenüber LVZ-Online. Er verteidigte auch die langwierigen Untersuchungen und den Zeitpunkt der Razzia: „Wir hatten Terabyte an Daten zu auszuwerten, da gehen Monate ins Land.“

Travel24-Mitarbeiter sollen monatliche Provisionen erhalten haben

Diesem Entwurf für die neue Firmenzentrale von Unister hatte die Stadt bereits zugestimmt. Ob er nun je gebaut wird, ist offen. Quelle: Luka Kalkof Architektur

Mehr als 80 Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) waren am Dienstag im Einsatz, durchsuchten sechs Unister-Büros und eine Wohnung in Leipzig. Der Verdacht: Von 2010 bis 2012 sollen rund 900.000 Euro Umsatzsteuern auf Serviceentgelte nicht abgeführt worden sein. Zudem seien 60.000 Lufthansa-Flüge manipuliert und zu unrechtmäßigen Preisen an Kunden verkauft worden. Geschätzter Schaden: rund acht Millionen Euro.

Wie am Donnerstag bekannt wurde, steht im Visier der Ermittler vor allem die Firma Travel24, an der Unister eine Beteiligung hält. Oberstaatsanwalt Klein bestätigte, dass auf einer von ihr betriebenen Seite zwischen September 2008 und November 2012 ein Teil der Flüge verkauft worden sein soll. Von dem illegalen System sollen die Mitarbeiter laut Staatsanwaltschaft direkt profitiert haben. „Es sind monatliche Provisionen geflossen“, sagte Sprecher Klein.

Bis zu 5000 Euro Schaden bei Lufthansa-Kunden

Noch ist unklar, ob die Kunden Anspruch auf Schadenersatz haben. Bei den Flügen seien durch Manipulationen jeweils Rabatte im „zwei- bis niedrigen dreistelligen Bereich“ rechtswidrig einbehalten worden, erläuterte Klein. In Einzelfällen seien bis zu 5000 Euro Schaden für die Kunden entstanden. In der Branche nennt man die Praxis „Runterbuchen“. „Die Kunden wussten davon meist gar nichts“, so der Oberstaatsanwalt.

Travel24 selbst wies die Vorwürfe am Donnerstag zurück. „Die angebliche Anwendung falscher Umsatzsteuersätze und eine dadurch vermeintlich verursachte Umsatzsteuerhinterziehung hätten auch im Rahmen einer Sonderprüfung des Finanzamtes geklärt werden können“, teilte das Unternehmen mit. Verdächtigt werden insgesamt fünf Mitglieder der Unister-Führungsriege, darunter Travel24-Vorstand Armin Schauer und der Aufsichtsratsvorsitzende Daniel Kirchhof. An den Bauplänen des Reiseanbieters ändere sich durch die Ermittlungen nichts, hieß es. Das Travel24-Hotel im Ring-Messehaus solle in jedem Fall weiter gebaut werden.

Robert Nößler

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