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Unmut bei Völkerschlacht-Darstellung in Leipzig: Selbst Fußgänger haben Stress bei Anreise

Unmut bei Völkerschlacht-Darstellung in Leipzig: Selbst Fußgänger haben Stress bei Anreise

Wer auf dem Weg zur Gefechtsdarstellung in der Weinteichsenke das richtige Fahrzeug steuerte, stand gestern auf der Siegerseite. Leichtes Spiel hatten Ulrike Buchnat und Thomas Böhnke.

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"Napoleonische Soldaten" kämpfen auf dem Schlachtfeld in Markkleeberg.

Quelle: dpa

Leipzig. Die Leipziger schwangen sich auf ihre Mopeds. „Wir sind an allen Autostaus vorbeigefahren.“ Ihre Zweiräder stellten sie an der Straßenbahnendstelle am Markkleeberger Schillerplatz ab, dann ging es zu Fuß weiter.

 Eher zu den Verlierern gehörte, wer auf die Bus-Shuttles der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) setzte. Auf dem Weg zum Schlachtfeld standen diese oft selbst im Stau, fuhren teilweise nur einmal pro Stunde. Die Straßenbahn hatten Regina und Arnold Stracke aus dem Sauerland gewählt. „Leider war die Linie 11 total überfüllt, einige Leute blieben draußen.“ Etliche Pausen mussten die Gäste aus dem Westen dann bei ihrem Fußmarsch zum Wachauer Veranstaltungsgelände einlegen. „Da haben sich sogar die Fußgänger gestaut. Eine Minute gehen, acht Minuten stehen.“

 Alle Nadelöhre gekonnt umfahren hatte der Kohren-Sahliser Daniel Tischoff. „Ich kenne die Strecke. Über Güldengossa bin ich nach Auenhain, von dort ging es zu Fuß weiter. Am Ziel war es dann leider sehr schwierig, den Eingang zu finden“, bedauerte er. „Auch die Einweiser hatten keine überragende Ortskenntnis.“

Lange Wartezeiten am Eingang zum umzäunten Schlachtfeld beklagten etliche Besucher, so auch Beate Wirth und Johanna Ulrici. „Trotz Tickets aus dem Vorverkauf haben wir eine halbe Stunde angestanden.“ Die Anreise verlief schneller. Mit dem Rad waren die beiden jungen Frauen innerhalb von 20 Minuten vom Leipziger Ostplatz am Ort des Geschehens. „Leider waren keine Fahrradparkplätze ausgeschildert.“

Eine Stunde mussten die Zwickauer Rebecca Schubert und Martin Horst am Einlass warten. „Es gab einfach zu wenig Zugänge“, beklagte Horst. Immerhin hätten sie nur 500 Meter vom Veranstaltungsgelände entfernt parken können. „Dafür verdienen die Organisatoren ein Lob.“

Vor einem verschlossenen Zugang am Ende der Robert-Koch-Straße in Markkleeberg landete Grigorij Kozlov plötzlich und unerwartet. Und das nach einem langen Fußmarsch. „Dort durften weder Besucher noch Journalisten wie ich durch“, bedauerte der Korrespondent einer amerikanischen Zeitschrift. „Nur Teilnehmer konnten von dort aufs Gelände, alle anderen mussten enttäuscht zurück.“

In seiner Kritik noch deutlicher wurde Mario Schetschorke, der sich am späten Nachmittag per E-Mail meldete: „Das organisatorische Chaos, mit dem wir konfrontiert wurden, erfüllt mich als Wahl-Leipziger mit Scham.“ Wer sich stundenlang im Schneckentempo Richtung Weinteichsenke bewegt habe, konnte dort einen Verkehrskollaps der anderen Art erleben. „Ich bekam gegen 11 Uhr einen der letzten Parkplätze vor Marktkauf in Markkleeberg und war um 13.30 Uhr noch nicht einmal in der Nähe des Eingangs.“

Später sah Schetschorke eine unbewegliche Menschenmasse - die einzige Bewegung seien dutzende Personen gewesen, die trotz Eintrittskarte entnervt den Rückzug antraten. „Die wenigen Ordner haben versucht, mit einem letzten Rest an Höflichkeit das Gesicht zu wahren. Und dass die Tageskassen inmitten des Durcheinanders ungeachtet der offenkundigen Überlastung der Eingänge noch immer weitere Karten verkauften, kann man mit Fug und Recht als Dreistigkeit bezeichnen.“

Falk-Gert Pasemann, dessen Agentur die Gefechtsdarstellungen im Auftrag des Verbandes Jahrfeier 1813 bei Leipzig organisiert hatte, versteht die Aufregung nicht. „Es war eine der größten Veranstaltungen dieses Genres der letzten Jahrzehnte“, sagte er. Mindestens 95 Prozent der etwa 35 000 Zuschauer seien zufrieden gewesen. Viele hätten sich für die „perfekte Organisation“ sowie Ausschilderung sogar bedankt.

Vor Ort und im LVZ-Internet-Forum hagelte es indes Kritik - so zu schlechten Sichtverhältnissen bei den Stehplätzen. Die Akteure brauchten für das nachgestellte Gefecht Platz - schon allein aus Sicherheitgründen, entgegnete Pasemann. Auf dem 1,3 Kilometer langen Gelände sei für Zuschauer, die keine Tribünenkarten hatten, genügend freie Fläche gewesen, um das Geschehen zu verfolgen. Er sehe jedenfalls keinen Grund, Eintritt zurückzuzahlen. Entsprechende Forderungen waren gestern bereits laut geworden.

 

Bert Endruszeit / Mathias Orbeck

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