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"Unsere Musik dient immer dem Film"

"Unsere Musik dient immer dem Film"

Jeder Mensch hat eine interessante Geschichte. Die LVZ-Serie "Gesichter in Leipzig" porträtiert Leute, die auf sich aufmerksam machen. Typen, die außergewöhnliche Ideen haben, wie den Komponisten und Pianist Tobias Rank.

Pianist und Komponist Tobias Rank.

Quelle: Isabel Noack

Leipzig. Jeder Mensch hat eine interessante Geschichte. Die LVZ-Serie "Gesichter in Leipzig" porträtiert Leute, die auf sich aufmerksam machen. Typen, die außergewöhnliche Ideen haben, oder auch das ganz alltägliche Original von nebenan. Wie der Komponist und Pianist Tobias Rank.

Musik hat Tobias Rank seit seiner Geburt in Leipzig (Jahrgang: 1968) quasi mit der Muttermilch eingesogen. Die Mutter, eine wunderbare Sopranistin, die zwischen Gilda und Violetta in Werken von Puccini, Verdi und Strauss an Leipzigs Oper begeisterte. Der Vater, ein brillanter Pianist und Hochschullehrer, dessen Name im deutschsprachigen Raum vor allem als Dirigent für Musical und Operette einen guten Klang hat. Wen wundert es da, dass der Knabe schon von kleinauf fleißig am Klavier übte. Nicht immer mit Begeisterung, aber dennoch mit Erfolg. Von 1984 bis 1990 studierte er dann an der Musikhochschule "Felix Mendelssohn Bartholdy" Klavier, Improvisation, Komposition und Cembalo.

"Mich interessierten aber vor allem Neue Musik, Jazz und Improvisation, später kamen Chansons, Weltmusik und Stummfilmbegleitung hinzu", erzählt der Künstler, der in vielen Städten Europas, in Asien, Nordafrika und Kanada gastierte.

An verschiedenen Theatern in Deutschland und der Schweiz hat er sich auch an Bühnenmusiken versucht und sich mit Liederzyklen nach Werken von Klabund, Brecht, Kolbe, Yeats, Morgenstern, Gernhards und Else Lasker-Schüler einen Namen gemacht,

Seine vielfältigen Erfahrung gibt der Pianist, Vater von vier Söhnen, auch an den Nachwuchs weiter. Er unterrichtete in seiner ehemaligen Ausbildungsstätte sowie an den Hochschulen in Hamburg, Kopenhagen und auch in diesem Jahr wieder als Gastprofessor in Bangkok. "Ich durfte drei Vorlesungen über Stummfilmästhetik/Stummfilmimprovision halten und die Seminare leiten. Es ist eine schöne und passende theoretische Auseinandersetzung, die mich praktisch seit vielen Jahren schon beschäftigt", berichtet er.

Einem breiten Publikum bekannt geworden ist Tobias Rank mit dem Wanderkino. Seit 17 Jahren präsentiert er mit dem Geiger Gunthard Stephan Stummfilme, die beide mit Live-Musik begleiten. Die Leipziger kennen die beiden vor allem aus dem Clara-Zetkin-Park. Aber sie treten auch bei Jubiläen auf, wie zum 90. Geburtstag des Hörspielregisseurs Walter Niklaus, den sie mit ihrer Präsentation beglückten. Sie zeigen Slapstick-Komödien, Monumentalfilme sowie Independent-, Avantgarde- und Experimentalstreifen, erinnern mit diesen Lichtspielen an die Pionierzeiten des Kinos. Inzwischen war das Wanderkino in Dänemark, Frankreich, Italien, Litauen, Polen, Schweden, Slowenien, Tschechien und der Schweiz unterwegs. " Die diesjährigen Auftritte in Osteuropa sind über das Goethe-Institut organisiert. Das Wanderkino wird also etabliert mit den Jahren! Was mich sehr freut und worauf wir lange hingearbeitet haben", resümiert er glücklich und fügt an: "Die wilde Zeit ist nun auch vorbei und die großen Jungs, die vor siebzehn Jahren abenteuerlustig in den Oldtimer stiegen, werden allmählich ältere Herren mit Strohhut und Seidenschal."

Für beide sei es immer wieder faszinierend, Stummfilme mit Piano und Geige zu begleiten. "Wir kennen die Streifen sehr gut, sehen sie uns vor der Aufführung immer wieder genau an, sprechen uns ab und improvisieren dann. Die Leinwand ist beim Open-Air an das alte Feuerwehrauto angebunden, der Projektor rattert und hin und wieder reißt auch der Film. Gerade das Unperfekte macht den Reiz aus", lächelt der Mann mit dem Jungengesicht, Schalk in den Augen und leichter Ironie in der Stimme.

In diesen Sommermonaten ist das Duo an der Ost- und Nordsee unterwegs, beglückt die Schweden, im Herbst die Rumänen und dazwischen hält die alte Magirus-Deutz-Feuerwehr, die auch als Wohnmobil dient, immer wieder zwischen Mecklenburg-Vorpommern und der Mosel.

Gibt es Glücksmomente für den Mann mit dem schlohweißem Hemd und der schwarzen Hose? "Wenn das Publikum uns am Schluss der Vorführung bestätigt, dass es die Musik irgendwann gar nicht mehr wahrgenommen hat, weil sie so mit dem Film verschmolz, freuen wird uns. Unsere Musik dient immer dem Film", freut sich der Musiker.

Im kommenden Jahr wird es eine weitere Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut geben. Im Oktober leitet Tobias Rank an der Uni Athen einen Kurs für Liedgestaltung. Kurz vor Jahresende wird er in Jordanien unterrichten. "Zwischendurch vertone ich gerade mit großer Lust Texte von Helmut Krausser, Günter Kunert und Michael Lentz". Und am 12. September werden Gunthard und Tobias mit ihrem Wanderkino die Markkleeberger beim Lichterfest beglücken.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.07.2015
Rolf Richter

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