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Unter Experten umstritten: Wie viele Hotels braucht Leipzig?

Unter Experten umstritten: Wie viele Hotels braucht Leipzig?

Leipzig bleibt ein Magnet für Besucher, fast monatlich legt die Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM) neue Rekordzahlen vor. Auch eine neue Untersuchung im Auftrag der Hamburg Tourismus GmbH fällt positiv aus: Hiesige Hotels landen bei der Zimmerauslastung im bundesweiten Vergleich mit 67,8 Prozent auf Platz 3 - nach Hamburg (75,9 Prozent) und München (73,3).

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Ein Blick auf "Fürstenhof" und "Westin": Neben etablierten Hotels werden weitere geplant; der Bau eines Zwei-Sterne-Hotels im Ring-Messehaus (links) stockt allerdings.

Quelle: Volkmar Heinz

In der Vergangenheit wurde immer wieder über den massiven Boom beim Bau neuer Hotels in Leipzig diskutiert. Wie viele Zimmer braucht die Stadt, steigt die Nachfrage weiter an? Darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Insgesamt stehen in Leipzig derzeit 114 Herbergen mit 9630 Zimmern zur Verfügung - darunter 44 Hotels mit 5890 Zimmern. Das sind 1840 Zimmer mehr als 2009 - ein Anstieg um 23,6 Prozent.

Zum Optimismus verpflichtet ist Volker Bremer. Grundlos gut gelaunt ist der LTM-Chef aber nicht: Die Zahl der Übernachtungen steigt ständig, lag von Januar bis Juni dieses Jahres bei knapp 1,3 Millionen. Das ist ein Plus von 5,6 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Bei der Auslastung stehe Leipzig auch gegenüber Moskau, Rom, Wien, Prag oder Kopenhagen gut da, sagt Bremer.

In den vergangenen fünf Jahren seien die Übernachtungen um eine Million gestiegen. Nicht alle Städte hätten ein solches Wachstum. Für 2014 rechnet Bremer mit 2,8 Millionen Übernachtungen. Wenn die Kongreßhalle wie geplant im Mai 2015 eröffnet werde, könnte das für neuen Schub sorgen. "Wir arbeiten daran, dass wir 2015 die Drei-Millionen-Marke knacken, bis 2018 streben wir rund 3,5 Millionen an. Wir sind eine starke Städtetourismus-Destination, können noch das eine oder andere Hotel aufmachen."

So schätzt das im Prinzip auch Hans J. Kauschke ein, General-Manager im Steigenberger Grandhotel. Es gebe nicht mal ein Sommerloch. "Der Bekanntheitsgrad wächst." Getragen werde der Anstieg natürlich durch die Messe, aber auch BMW und Porsche spielten eine Rolle. Nicht selten kommt ein Kunde, holt seinen Porsche, steigt eine Nacht im Steigenberger ab. "Wettbewerb belebt das Geschäft", sagt Kauschke, der sich weitere Anbieter vorstellen kann. "Wir verkraften neue Hotels." Aber nicht so sehr die preisgünstigen. Dass diese derzeit die Toplagen besetzen, missfällt ihm etwas. Und: Aus seiner Sicht müsste das Marketing etwas internationaler ausgerichtet sein, da gebe es noch Potenzial.

"Leipzig ist auf sehr gutem Weg - keine Frage", sagt auch Axel Ehrhardt, Chef des Mercure am Johannisplatz und Vorsitzender der Leipzig Hotel-Alliance, einem Zusammenschluss von zwölf renommierten Häusern. Man dürfe es beim Bau neuer Quartiere aber nicht übertreiben. Zwischen 2009 und 2014 seien in Leipzig vier neue Hotels mit 910 Zimmern hinzugekommen. Für die kommenden fünf Jahre prognostiziert Ehrhardt 1300 zusätzliche Zimmer. Eine dauerhafte Marke von drei Millionen Übernachtungen sieht Ehrhardt nicht. Dazu müssten immer mehr Events stattfinden. "Wir haben da schon ein hohes Level, das ist schwer zu steigern."

Bei den Vier- und Fünf-Sterne-Hotels werde so schnell niemand mehr kommen. "Der Markt ist ausgereizt." Am Ende würden heute Investoren entscheiden, ob gebaut werde oder nicht. Diese hätten aber immer mehr Probleme, Betreiber zu finden. Anders sehe es offenbar im Ein- bis Zwei-Sterne-Segment aus, erklärt Ehrhardt mit Blick auf die jüngsten Eröffnungen. Neue Konkurrenz erwächst auch im privaten Bereich, hat Jörg Müller beobachtet, Direktor im Fürstenhof. Wochenweise vermietete Wohnungen werden statistisch nicht unbedingt erfasst, spielen aber eine immer größere Rolle.

Und: Es bleiben ohnehin genügend Tage mit leeren Betten, so Axel Ehrhardt. "Es gibt im Schnitt 30 Tage im Jahr, an denen alle Hotels ausgebucht sind. Was ist mit den restlichen 335 Tagen?" Ehrhardt legte gestern Zahlen vor, nach denen innerhalb der Leipzig Hotel-Alliance die Auslastung sogar leicht gesunken ist.

Ein größeres Problem seien die im Vergleich niedrigen Zimmerpreise in Leipzig, so Ehrhardt. Das räumt auch LTM-Chef Bremer ein. In dieser Hinsicht liege Leipzig im unteren Bereich - mit rund 75 Euro. "Der Preis ist 15 bis 20 Euro zu niedrig", sagt Holm Retsch, Geschäftsführer des Leipziger Regionalverbandes im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). "Nach dem Hotelpreis-Barometer ist Leipzig eine der billigsten Destinationen Deutschlands. Die Euphorie bei der Hotelauslastung ist nur die eine Seite der Medaille." Retsch will den Markt aber nicht schlecht reden: "Die touristische Entwicklung ist sensationell. In den vergangenen fünf, sechs Jahren hat sich viel getan - das hat auch etwas mit der Qualität der Angebote zu tun."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.08.2014

Björn Meine

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