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Unter dem Motto "Freiheit durch Musik": Protest mit der Gitarre 1989 in Leipzig

Unter dem Motto "Freiheit durch Musik": Protest mit der Gitarre 1989 in Leipzig

Juni 1989 war viel los in der Stadt. Von staatlicher Stelle nicht genehmigt, fand an jenem Sonnabend das Leipziger Straßenmusikfestival statt. Das Motto lautete: "Freiheit durch Musik".

Am 10. Der SED-Staat ließ die Musikanten nicht lange gewähren. In den Mittagsstunden begannen Sicherheitskräfte, die Musiker, aber auch Unbeteiligte gewaltsam auf LKW zu verladen. Es kam zu Protesten der Passanten gegen das unverhältnismäßige Vorgehen des Staates. Später forderten zahlreiche Menschen vor dem Polizeirevier in der Ritterstraße die Freilassung der Festgenommenen. Von dort vertrieben, kam es auf dem Markt zum spontanen Singen und Tanzen. Auch vor dem Beginn der Motette in der Thomaskirche traten Musiker auf. Insgesamt wurden an diesem Tag 84 Personen verhaftet, davon kamen 54 nicht aus Leipzig. Es wurden Ordnungsstrafen in Höhe von insgesamt 8450 Mark verhängt.

Am 10. Juni 1989 war viel los in der Stadt. Von staatlicher Stelle nicht genehmigt, fand das Leipziger Straßenmusikfestival statt. Das Motto lautete: "Freiheit durch Musik". Der SED-Staat ließ die Musikanten nicht lange gewähren. In den Mittagsstunden begannen Sicherheitskräfte, die Musiker, aber auch Unbeteiligte gewaltsam auf LKW zu verladen.

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Die SED-Bezirksleitung Leipzig hatte den Einsatz der Polizei gegen die Musikanten angeordnet. In einem Fernschreiben, unterzeichnet vom 2. Sekretär Helmut Hackenberg, hieß es zur Bilanz des Tages: "Das sogenannte Straßenmusikfestival stellte sich als eine provokatorische, gegen unsere sozialistische Ordnung gerichtete Maßnahme dar und hatte zur musikalischen Unterhaltung in der Öffentlichkeit keinerlei Beziehung."

Spiritus rector des Festivals war der Theologiestudent Jochen Läßig. Er war einer der mutigsten Oppositionellen Leipzigs, gründete im Herbst '89 das Neue Forum mit, war später bündnis-grüner Stadtrat und ist heute als Rechtsanwalt in Leipzig tätig. Im Januar 1989 hatte sich Läßig bereits an einer spektakulären Aktion der Bürgerrechtsbewegung beteiligt. Anlässlich der traditionellen Staats-Bekundung für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht riefen Leipziger Widerständler getreu dem Motto "Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden" zu einer Gegen-Demonstration auf. Vorab waren 10 000 Flugblätter verteilt worden. Am 15. Januar demonstrierten in Leipzig etwa 800 Menschen. Im Umfeld der Aktion waren Läßig und weitere Bürgerrechtler für eine Woche inhaftiert worden.

Am 10. Juni organisierte Läßig, der sich damals seinen Lebensunterhalt auch als Straßenmusiker verdiente, mit Freunden und ohne staatliche Genehmigung das Straßenmusikfestival. 20 Gruppen, gekommen aus der ganzen DDR, spielten auf. Die Staatsmacht wurde aufgescheucht, wie konnte so etwas geschehen? Über 1000 Polizisten und Zivilbeamte gingen gegen die Musikanten vor. Das Fest wurde wohl gerade auch deshalb ein Erfolg, weil die SED-Mächtigen so unsensibel dagegen vorgingen. Läßig selbst wurde nicht verhaftet, er erhielt einen Strafbescheid über 1000 Mark. Die bald folgenden Ereignisse sorgten dafür, dass er ihn nicht mehr begleichen musste.

Mit dem rigorosen Vorgehen gegen die Straßenmusiker schoss der SED-Machtapparat ein Eigentor. In Zeitungen der Bundesrepublik wurde darüber berichtet, so schrieb die Frankfurter Allgemeine in ihrer Ausgabe vom 12. Juni: "Festnahmen bei Demonstration in Leipzig - Uniformierte und zivile Polizisten seien gegen Musiker und Schaulustige bei einem nicht genehmigten Straßenmusikfest vorgegangen -" Die hysterische Reaktion des SED-Staates auf das Musizieren in der Innenstadt Leipzigs wenige Tage nach der blutigen Niederschlagung des Protestes auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking sorgte für Empörung bei vielen Leipzigern. Sie wandten sich mit Eingaben und Beschwerden an die Behörden. Als direkte Reaktion auf die Ereignisse vom 10. Juni initiierte Gewandhauskapellmeister Kurt Masur am 28. August 1989 im Foyer seines Musentempels die Veranstaltung "Straßenmusik in Vergangenheit und Gegenwart".

Die Leipziger Volkszeitung berichtete über Masurs Initiative, erwähnte aber den Grund der Veranstaltung, das Straßenmusikfest, mit keiner Silbe. Anders der Tenor im Sächsischen Tageblatt: "Das Mittelalter liegt hinter uns. Dennoch werden Leipziger Straßenmusiker von heute das Gefühl nicht los, recht- und ehrlos zu sein wie ihre Ahnen. Zwar nicht mit ,Kammerlauge' begossen, erlebten sie im Juni eine herbe Enttäuschung. Bereitschaftspolizei machte einem nicht genehmigten Straßenmusik-Festival in Leipzigs Zentrum ein Ende. Ein Passant schrieb daraufhin an den Gewandhauskapellmeister -"

Läßigs Gitarre der Revolution wird heute als Dokument zur Zeit in der Ausstellung "Leipzig auf dem Weg zur Friedlichen Revolution" in der Runden Ecke gezeigt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.06.2014

Thomas Mayer

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