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Lokales Unterrichtsausfall und Impfpflicht: Leipziger Gutenbergschule reagiert nach Masernverdacht
Leipzig Lokales Unterrichtsausfall und Impfpflicht: Leipziger Gutenbergschule reagiert nach Masernverdacht
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17:02 15.04.2015
An der Gutenbergschule in Leipzig fällt seit Mittwoch der Unterricht zu einem großen Teil aus. Grund ist ein Masern-Verdachtsfall. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Am Mittwoch wurde bekannt, dass sich ein junger Mann mit der hoch ansteckenden Krankheit infiziert haben könnte. Er hatte das berufliche Schulzentrum im Zentrum-Südost noch am Montag besucht. Sollte sich der begründete Verdacht bestätigen, wäre es die erste Neuerkrankung in Leipzig seit zehn Tagen, sagte Nils Lahl vom Leipziger Gesundheitsamt gegenüber LVZ-Online.

Als die Schüler der Gutenbergschule am Mittwochmorgen von ihren Lehrern mit Handzetteln über den Verdacht informiert wurden, wussten viele schon längst bescheid. Per Facebook- und Handy-Nachrichten hatte sich die Nachricht bereits am Vorabend verbreitet. Wohnheimschüler, die derzeit Blockveranstaltungen besuchen, erfuhren frühzeitig von dem Verdacht. Einige erschienen deshalb am Mittwoch gar nicht erst zum Unterricht am Gutenbergplatz.

Jeder Zweite kann Masern-Schutz nicht nachweisen

Bis Donnerstag soll geprüft werden, welche der 800 derzeit anwesenden von insgesamt gut 1400 Schülern sowie 65 Lehrer eine Immunisierung gegen Masern besitzen. Bis dahin stehe voraussichtlich auch fest, ob der Betroffene tatsächlich infiziert sei. Zum Alter und Gesundheitszustand wurden aus Datenschutzgründen keine Angaben gemacht. „Wir müssen nun die empfänglichen Kontaktpersonen ermitteln“, beschrieb Lahl, Sachgebietsleiter für Infektionsschutz, das übliche Vorgehen. Er sprach von einem Einzelfall. Bis Gewissheit über eine mögliche Erkrankung herrscht, dürfen Schüler und Lehrer ohne ausreichenden Masernschutz die Bildungseinrichtung nicht besuchen.

Bei der Impfüberprüfung zeichnete sich am Mittwoch bereits ab, dass etwa die Hälfte keine ausreichende Immunisierung belegen könne. „Entweder es fehlt die Zweitimpfung oder eine Vorerkrankung kann nicht mit einer ärztlichen Bescheinigung nachgewiesen werden“, sagte der stellvertretende Schulleiter Uwe Schubert. Am Donnerstag und Freitag finde daher voraussichtlich nur ein Teil der regulären Stunden statt. Die Schüler sollten sich über den Vertretungsplan des jeweiligen Fachbereichs informieren.

„Der Unterricht fällt nur dort aus, wo keine Schüler oder Lehrer da sind“, betonte Schubert. Viele der Schüler im Alter zwischen 16 und 27 Jahren befinden sich derzeit in den Prüfungsvorbereitungen. Die für Samstag angesetzte Aufnahmeprüfung für die Fachoberschule Gestaltung fände in jedem Fall statt, da die Teilnehmer hierfür extern anreisen, so Schubert.

Masern-Gefahr lauert auch in Bussen und Straßenbahnen

Schulleiter Christoph Zehler (links) und sein Stellvertreter Uwe Schubert haben veranlasst, dass der Impfstatus bei allen Schülern und Mitarbeitern geprüft wird. Quelle: Dirk Knofe

Es ist bereits die zweite Schule in Leipzig, die mit Masern konfrontiert ist. Ende März fiel am Deutsch-Französischen Bildungszentrum „Franz“ in Leipzig der Unterricht aus, weil ein Kind erkrankt war. Nach Angaben des sächsischen Gesundheitsministeriums vom Dienstag sind sachsenweit bislang 179 Fälle bestätigt. In Leipzig gab es bislang 71 Erkrankungen, in Dresden 91. Der Masern-Ausbruch in Leipzig – es ist der schlimmste seit der Wiedervereinigung – hatte bereits Mitte Februar begonnen.

Zuletzt war die Erkrankungswelle in der Messestadt abgeebbt. „Wir hatten die Hoffnung, dass die Osterferien uns helfen, den Trend umzubiegen“, so Lahl. Er bemängelte, dass das Thema trotz der Gefahren offensichtlich noch immer nicht bei einer breiten Masse der Stadtgesellschaft angekommen sei. Dabei lauere die Gefahr auch im Alltag. Erreger könnten sich beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln übertragen. „Wenn man bei einer Bus- oder Straßenbahnfahrt eine Stange oder einen Haltegriff berührt, dann finden sich dort häufig mehr Arten als im Gondwanaland“, warnte der Experte. Er rief nochmals dazu auf, dass sich alle Leipziger, die täglich in Kontakt mit einer größeren Zahl an Menschen kommen, impfen lassen sollten.

Robert Nößler / Dirk Knofe

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