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Lokales Unwetter überlastet Leipziger Kanalsystem – Abwasser fließt verdünnt in Neue Luppe
Leipzig Lokales Unwetter überlastet Leipziger Kanalsystem – Abwasser fließt verdünnt in Neue Luppe
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21:01 13.09.2011
Das Klärwerk Rosental in Leipzig konnte die Wassermengen am vergangenen Wochenende nich bewältigen. Quelle: André Kempner
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Leipzig

„Am Sonntag war alles zu spät. So ein Ereignis kommt durchschnittlich nur alle acht Jahre vor. Da kann man relativ wenig machen“, sagte die Sprecherin des Unternehmens, Ines Voßler, gegenüber LVZ-Online. Die Rückstaukapazität des Kanalnetzes von 40.000 Kubikmetern habe an diesem Tag nicht gereicht.

In der Folge waren bei dem Starkregen viele Straßen überschwemmt worden, zahlreiche Autofahrer blieben in Senken stecken. Ein Mann musste sich sogar schwimmend aus seinem Transporter retten.

Thomas Flinth, ebenfalls KWL-Sprecher, sagte: „Wir stehen hier in einem Spannungsfeld. Einmal alle paar Jahre gibt es so ein Ereignis und dazwischen fließt immer weniger Wasser durch die Leitungen.“ Dies liege am zurückgehenden Verbrauch der Leipziger. „Wir hätten dann das Problem, dass das Wasser in zu großen Rohren stehen bleibt, was nicht zuletzt zu starker Geruchsbelästigung führt.“ Ines Voßler ergänzte: „Wir können das Kanalnetz nicht so groß bauen, dass es für alle Eventualitäten gerüstet ist.“ Dies sei nicht zu finanzieren und auch nicht zu betreiben: „Wenn es zu groß ist, läuft das Abwasser nicht mehr ab.“

Abwasser fließt in Neue Luppe

Am Wochenende hatte der Starkregen auch dazu geführt, dass das Klärwerk Rosental das Wasser nicht mehr aufnehmen konnte. Die letzte Führung zum Tag des offenen Denkmals musste nach Angaben der Sprecherin abgebrochen werden, weil die Warnmelder ausgeschlagen hätten: „Das Wasser wurde dann in die Neue Luppe geleitet, damit das Klärwerk nicht überflutet wird.“

Das Leipziger Leitungsnetz ist eine so genannte Mischwasserkanalisation. Es führt also gleichermaßen das Regen- und das Abwasser der Haushalte ab. Letzteres ist somit am Sonntag auch in die Neue Luppe gelangt. „Es wurde aber zuvor von Grobstoffen und größeren Verschmutzungen gereinigt und war durch das Regenwasser bereits sehr, sehr stark verdünnt“, versicherte Thomas Flinth. Die Alternative wäre gewesen, dass das Abwasser in die Keller der Leipziger Haushalte geflossen wäre.

Fotos vom Unwetter am 24. August 2011 in Leipzig:

Ein weiterer Grund für die Überschwemmungen in der Stadt könnten auch verstopfte Abflüsse gewesen sein. Gegenüber LVZ-Online hatte die Feuerwehr am Sonntag kritisiert, dass die Gullis in Leipzig zu selten gereinigt würden. Dafür ist nach Angaben aus dem Rathaus die Stadtreinigung zuständig. Diese war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. KWL-Sprecher Flinth wollte nicht ausschließen, dass dies auch ein Grund für die überfluteten Straßen gewesen ist: „Aber wir können das auch nicht bestätigen. Wir sind nur für die Kanäle und nicht für die oberirdischen Anlagen zuständig.“

Extreme Wetterereignisse nehmen zu – Problem für Wasserwerke

Überschwemmung an der Permoser Straße. Quelle: Leserfoto von David Junghähnel

Ob sich die Leipziger in Zukunft häufiger auf Überschwemmungen einstellen müssen, konnte er nicht sagen. „Eine Prognose dazu ist schwierig.“ Zwar sei die durchschnittliche Niederschlagsmenge eines Jahres konstant geblieben, so Flinth. „Aber die Extremereignisse haben zugenommen und das stellt die Wasserwerke natürlich vor Probleme.“ In der Modellregion Dresden würden derzeit die Auswirkungen von Klima- und Wetteränderungen auf die Leitungssysteme untersucht. Daraus könnten eventuell Anpassungen auch für Leipzig abgeleitet werden, so Flinth. „Aber das ist ein Prozess, der Monate oder Jahre dauern kann. Dafür müssen wir auch die Stadt Leipzig und das Land Sachsen mit ins Boot holen.“

maf/nöß

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