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Urban und weniger bunt: So ändern Bewerber die Entwürfe fürs Leipziger Einheitsdenkmal

Urban und weniger bunt: So ändern Bewerber die Entwürfe fürs Leipziger Einheitsdenkmal

Urbaner, weniger bunt und zum Teil verspiegelt - mit erheblichen Änderungen warten die weiterentwickelten Entwürfe des Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmals auf.

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"Keine Gewalt - Herbstgarten"

Quelle: PR .

Leipzig. Ab Donnerstag können Besucher die Konzepte in einer Ausstellung in der Unteren Wandelhalle des Neuen Rathauses sehen. LVZ-Online zeigt, welche gestalterischen Überraschungen die Bewerber eingebaut haben. Besonders im Visier: Der Leipziger Entwurf „Keine Gewalt – Herbstgarten“, der zum Favoriten avancierte und „Siebzigtausend“ abhängte.

Eine ländliche Obstbaumwiese mitten in der City, dieser Eindruck ist wohl in der Öffentlichkeit stark hängengeblieben vom Erstentwurf „Herbstgarten“. Den Machern Anna Dilengite, Tina Bara und Alba D’Urbano kam dabei die Vielschichtigkeit zu kurz. Konsequenz: Das Denkmal wurde städtischer, die Hügel schmolzen zugunsten der Sichtachsen zwischen Neuem Rathaus und weitergedacht bis zum Völkerschlachtdenkmal ab. Deutlicher sichtbar wird das Zentrum: der begehbare Schriftzug „Keine Gewalt“.

"Keine Gewalt": Weniger Garten, mehr Denkmal

Mehr Raum für die Botschaft:

Der Hauptweg wurde erweitert, größere gepflasterte Freiflächen und Lücken vorgesehen. Wie geplant können Besucher die Buchstaben der Botschaft "Keine Gewalt" als „modernen Säulengang“ durchlaufen und in den Elementen Zeitzeugenberichte anhören. Zusatznutzen für die Stadt: Sämtliche Tonaufnahmen sollen als Datenbank städtischen Archiven zur Verfügung stehen.

Mehr Platz für Begegnungen:

In der Mitte der Sichtachse wurde im geänderten Entwurf ein Platz freigelegt. Am Ende wird ein offener Pavillon über den Buchstaben L und T Raum für Versammlungen unterschiedlichster Art bieten.

Weniger Garten, mehr Denkmal:

Die Idee des großen Apfelgartens wurde stark zurückgenommen, denn die Jury hatte die aufwändige Pflege kritisiert. Geblieben sind 70 Bäume, in Anlehnung an die 70.000 Demonstranten am 9. Oktober 1989. Die Herbstgarten-Initiatoren schlagen jetzt Zieräpfel oder Wildäpfel vor, die nicht geerntet werden müssen.

Diese Änderungen wurden offenbar als so stark bewertet, dass der Entwurf sich an die erste Stelle der drei Preisträger schob, und das, obwohl die erste Jurybewertung aus dem Jahr 2012 mit 40 Prozent gewichtet wird, die Weiterentwicklung mit 20 Prozent. „Es gab ein Pflichtenheft für die Nachbearbeitung der Entwürfe, und es wurde beurteilt, wie stark die Teilnehmer darauf reagiert haben“, kommentierte Kulturbürgermeister Michael Faber (parteilos) am Mittwoch.

„Siebzigtausend“ nun weniger bunt

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"Siebzigtausend"

Quelle: PR .

Das Team M+M München und Annabau Berlin, Urheber des in der Öffentlichkeit stark umstrittenen Entwurfs „Siebzigtausend“, besserte aber ebenfalls nach.

Neue Ausrichtung, mehr Grün:

Das Farbfeld wurde so gedreht, dass die Stadt keine privaten Flächen kaufen muss und der Glasbaustein-Eingang des Citytunnels besser integriert ist. Der Zugang ist barrierefrei. Die neue Ausrichtung schafft Platz für Grünflächen an der Ostseite des Platzes.

Podest-Insel:

1200 der 70.000 farbigen Würfel können nicht von den Besuchern als Denkmal-Botschaft mitgenommen werden: Sie sollen in der Mitte des Platzes als rund 100 Quadratmeter großes Podest fest installiert bleiben – nutzbar als Podium, Sitzgelegenheit oder Bühne. Die Zahl 1200 bezieht sich auf die angenommene Teilnehmerzahl der ersten Montagsdemo am 4. September 1989.

Weniger bunt:

Die Farben sind nun gedeckter. Das Grün, symbolhaft für Volkspolizei, wurde außerdem durch Grau-Schwarz ersetzt, in Anspielung auf das Asphaltgrau des Rings.

"Stiftung an die Zukunft“: 9. Oktober 1989 als unendliche Spiegelung

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"Eine Stiftung an die Zukunft"

Quelle: PR .

Stark in ihren Entwurf „Eine Stiftung an die Zukunft“ eingegriffen hat das Berliner Büro realities:united von Jan Edler. Dieser Entwurf blieb trotzdem auf dem zweiten Platz.

Dreidimensional:

Im Boden-Diagramm mit Schriftzügen, die auf bedeutende zeitgenössische Demonstrationen hinweisen, bekommt der 9. Oktober 1989 nun als „Inneres Denkmal“ eine besondere Gestaltung. Zwei Wandscheiben, je 3,6 Meter hoch und 55 Meter lang, bilden einen Spiegelraum, der sich zur Stadtbibliothek hin öffnet. Die Wände sind innen verspiegelt.- Der Besucher erlebt eine Art Kaleidoskop-Effekt mit unendlicher Spiegelung – Symbol für die unendlichen, auch verwirrenden Möglichkeiten, die dieser Tag in der Historie eröffnet.

Kein Denkmal-Geld für die Stiftung:

Die Idee, beim Bau zu sparen und das Geld in eine Stiftung zur Betreibung des Denkmals zu geben, stellte sich als rechtlich nicht realisierbar heraus. Eine Stiftung soll dennoch gegründet werden, in Zusammenarbeit mit bestehenden Institutionen.

Mehr Grün:

Das Geld, das nun noch verbaut werden soll, wird in eine ringförmige Grünflächenanlage investiert.

Kulturbürgermeister Faber betonte, dass alle drei Entwürfe nun fast gleichwertig seien, „eine sehr gute Ausgangslage für die Verhandlungen,“ sage er. Im Oktober entscheidet der Stadtrat, ob die Verwaltung die Verhandlungen aufnehmen darf. Faber: „Wenn alles gut geht, können wir im Oktober 2014 den ersten Spatenstich setzen.“ Dann könnte das Denkmal genau im Jubiläumsjahr "25 Jahre Friedliche Revolution" nach langer Vorgeschichte in Angriff genommen werden.

Evelyn ter Vehn

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