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Ursachenforschung nach Zerstörung auf jüdischem Sportplatz – Baustopp gefordert

Leipziger SK Bar Kochba Ursachenforschung nach Zerstörung auf jüdischem Sportplatz – Baustopp gefordert

Am Dienstag sorgten Bilder der zerstörten Überreste des jüdischen Fußballvereins SK Bar Kochba in Leipzig für hohe Wellen. Der Verursacher ist weiter unklar. Derweil wird die Forderung laut, die Bauarbeiten auf dem Gelände zu unterbrechen.

Auf Teilen des ehemalischen jüdischen Sportplatzes wird jetzt ein Parkplatz gebaut.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Auf einem ehemaligen Sportplatz in Leipzig-Eutrizsch sind Überreste des jüdischen Fußball-Vereins SK Bar Kochba zerstört worden. Unter anderem wurde auch ein Relief vernichtet, das in den vergangenen Jahren verstärkt als Gedenkort für den Club und seine Sportler diente. Auf der Suche nach den Schuldigen tappt die Stadtverwaltung noch im Dunkeln. Derweil werden Forderungen laut, die Bauarbeiten grundsätzlich zu unterbrechen, um dort nach weiteren Überresten jüdischer Kultur zu suchen.

Nach Bekanntwerden der Bauarbeiten auf dem Gelände an der Delitzscher Straße haben Mitarbeiter des Amts für Bauordnung und Denkmalpflege (ABD) sich am Mittwoch vor Ort ein Bild der Lage gemacht. Ein benachbartes Autohaus will dort einen überdachten Parkplatz für mehr als 80 Fahrzeuge errichten, hat dafür bereits Bäume gefällt, Boden planiert und einen Wall begradigen lassen. Für die inzwischen zerstörte, sogenannte „Judenmauer“ und das mutmaßlich unter Geröll verschüttete Relief mit David-Stern und Inschrift ist das Autohaus aber nicht verantwortlich. „Die Arbeiten sind korrekt und auch nur im genehmigten Rahmen“, sagte Roland Quester, Sprecher des Baudezernats. Das mit schwerem Gerät beräumte Autohaus-Gelände sei nur ein Teil des ehemaligen Sportplatzes. „Man muss dazu wissen: Es gibt hier inzwischen verschiedene Teilflächen mit verschiedenen Besitzern“, so Quester.

Auf dem ehemaligen Gelände des jüdischen Fußballvereins „SK Bar Kochba“ haben unerwartet Bauarbeiten begonnen. Dabei wurden offenbar Überreste der Geschichte zerstört.

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Bauamt wusste nichts vom beantragten Denkmalschutz

Auf den anderen Teilflächen wurde in den vergangenen Wochen ebenfalls gearbeitet und dabei die historischen Überreste des jüdischen Fußballvereins zerstört. „Die Beräumung eines Grundstückes muss nicht beantragt werden, sofern sich hieran keine Baumaßnahme anschließt“, sagt der Sprecher des Baudezernats. Zu welchem Grundstück die nun verlorenen gegangenen Überreste des SK Bar Kochbar gehören, werde derzeit noch geprüft. Die Recherche ist offenbar aufwendig.

Möglicherweise wussten die Zerstörer ohnehin nicht, was sie dort an jüdischer Geschichte planieren. Denn wie Quester sagt, hatten selbst die Mitarbeiter im ABD bisher keine Ahnung davon. Das schon vor Jahren von der Kommune beantragte Verfahren auf Anerkennung des Denkmalschutzes für die Sportplatzüberreste wurde offenbar nicht bis zum Bauamt durchgesteckt: „Seit Jahrzehnten gibt es schon unterschiedlichste Absichten auf dem Gelände. Ein Verfahren beim Landesamt für Denkmalpflege war der Unteren Denkmalschutzbehörde bisher aber nicht bekannt“, so Quester gegenüber LVZ.de.

Inwieweit die Prüfung in Dresden fortgeschritten war bleibt auch weiter unklar: In der Landesbehörde grassiere derzeit die Grippe, Informationen seien unmöglich, hieß es am Mittwoch. Christoph David Schumacher vom Verein Tüpfelhausen, der sich seit Jahren für das Gedenken an den SK Bar Kochbar engagiert, will von einer anstehenden Entscheidung in den kommenden 14 Tagen erfahren haben.

SPD fordert Baustopp – alternativer Gedenkort im Gespräch

Wiederbeschaffen wird man die zerstörten Überreste des Sportplatzes nicht mehr – aber vielleicht noch retten, was darunter liegt: „Die Stadt sollte ernsthaft einen vorübergehenden Baustopp auf dem Gelände prüfen, so dass Archäologen retten können, was noch zu retten ist“, forderte SPD-Stadtrat Christopher Zenker am Mittwoch. Die Hauptschuld für die Misere sieht der Sozialdemokrat auch bei der Landesbehörde, die eine Entscheidung über die mögliche Denkmalsicherung jahrelang hinausgezögert habe: „So müssen die engagierten Bürgerinnen und Bürger ohnmächtig zusehen, wie ihre Bemühungen nun ins Leere laufen und Tatsachen geschaffen werden“, sagte Zenker.

So wie bereits Küf Kaufmann, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft, und CDU-Bundestagsabgeordneter Thomas Feist, fordert die SPD auch einen Ersatzgedenkort für den SK Bar Kochbar und seine Sportler in der Messestadt. Bestenfalls auf dem Gelände des früheren Sportplatzes. „Aus unserer Sicht ist es nun notwendig, dass sich das Kulturamt, der Eigentümer des Geländes sowie die jüdische Gemeinde und vielleicht auch das Sportmuseum zusammensetzen und eine Lösung finden, wie auch künftig vor Ort an den Sportverein und damit auch die jüdische Geschichte in Leipzig erinnert werden kann“, erklärte Stadtrat Claus Müller, der Mitglied in der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft ist. Unterstützung erhielten die Politiker am Mittwoch außerdem vom Parkplatzerbauer: „Die Geschäftsleitung wird auf alle Beteiligten zugehen, um gemeinsam über Möglichkeiten zu sprechen, die dazu beitragen, dass der Verein SK Bar Kochba in würdiger Erinnerung bleibt“, hieß es auf Anfrage.

Zwischen 1922 und 1938 trug der SK Bar Kochba auf seinem Gelände an der Ecke Delitzscher Straße seine Spiele aus. Danach wurde der Verein von den Nationalsozialisten verboten, viele der Spieler starben in Konzentrationslagern. Nach einer Weiternutzung als Sportplatz bis zur Wende, verödete das Gelände in den vergangenen Jahren. Im November 2013 organisierten Leipziger Fußballenthusiasten ein Gedenkspiel.

Von Matthias Puppe

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