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Lokales Urteil im Prozess um Mord an einer Rentnerin: Lebenslänglich für 74-jährigen Angeklagten
Leipzig Lokales Urteil im Prozess um Mord an einer Rentnerin: Lebenslänglich für 74-jährigen Angeklagten
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09:08 29.04.2010
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Leipzig

„Sie haben Erika S. ermordet", sagte der Vorsitzende Richter, Hans Jagenlauf, bei der Urteilsbegründung. Er nannte Habgier, Heimtücke und die Verdeckung einer Straftat als Mordmerkmale.

Vorangegangen war ein mehrwöchiger Indizienprozess, der die Frage nach der Täterschaft zu klären hatte. Die Richter konnten sich dabei weder auf ein Geständnis des Rentners noch auf unmittelbare Tatzeugen stützen.

Nach Ansicht der Kammer reichten die „massiven Indizien" für eine Verurteilung aus. Insbesondere hätten die Ermittler DNA-Spuren vom Angeklagten am Blusenkragen der ermordeten Frau gefunden. Zudem habe er unmittelbar nach dem Mord in Holzhausen, ganz in der Nähe von Erika S. Wohnung, mit deren EC-Karte an einem Automaten Geld abgehoben.

Staatsanwalt Carsten Ruge hatte am Mittwoch eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Angeklagten gefordert. Er beantragte zudem, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Diesen Zusatz sprach die Kammer am Donnerstag mit Verweis auf das bereits fortgeschrittene Alter des Täters nicht aus.

Nach Überzeugung des Gerichts hatte sich der 74-Jährige die Geldkarte von Erika S. erschwindelt. Damit sollte er mit Zustimmung der Seniorin einmalig einen Betrag von ihrem Konto abheben, um einen finanziellen Engpass auszugleichen. Statt der Frau die Karte aber zurückzugeben, nutzte R. sie immer wieder. Als das Opfer ihn zur Rede stellte, habe er die Frau getötet, um die Taten zu vertuschen, sagte Staatsanwalt Ruge in seinem Plädoyer.

Die Anklage begründete den Vorsatz bei der Tat damit, weil sich der Mann zuvor Äther beschafft und die Frau damit betäubt hatte. Anschließend hatte er die Rentnerin erwürgt. Der Sohn fand später die Leiche seiner Mutter, die eine gute Freundin der Ehefrau des Angeklagten war. Das Landgericht hatte 37 Zeugen zum Umfeld von Opfer und mutmaßlichem Täter geladen. Als erster Zeuge wurde der 50-jährige Sohn Klaus S. des Opfers, ein selbständiger Monteur, gehört. Klaus S., Nebenkläger, beschrieb seine Mutter als hochintelligente, bescheiden lebende Frau. Die frühere Sekretärin von Messeamt und Handelshochschule sprach Italienisch und Englisch. Später habe seine Mutter wissenschaftliche Arbeiten für einen Professor getippt, dessen Frau eine gewisse Gerti O. war. Nach dessen Tod heiratete diese erneut - den jetzigen Angeklagten. Gerti O. hatte sich vom seriösen Eindruck täuschen lassen. Was sie offenbar nicht wusste: Wolfgang R. saß seit Mitte der 1960er-Jahre immer wieder wegen Betruges und Diebstahls für jeweils viele Jahre in Haft. Stephan Bonell, Verteidiger von Wolfgang R., will das Urteil nicht hinnehmen. Er kündigte Revision an, weil die Indizien seiner Meinung nach für eine Verurteilung nicht ausreichen. Sein Mandant habe während des Verfahrens auch keine Reue gezeigt, weil er die Tat nicht begangen habe. Bonell hält eine Geldstrafe für den Betrug für angemessen und hatte immer wieder versucht, die Familie des Opfers in die Nähe der Tat zu rücken. Dem folgte das Gericht nicht. Es spreche nichts dafür, dass die Familie oder ein unbekannter Dritter etwas mit dem Mord zu tun habe, so die Kammer.

Sabine Kreuz / Matthias Roth

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