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Ute Helmstedt ist in Leipzig als Schlaganfall-Lotsin unterwegs

Selbsthilfe-Angebot Ute Helmstedt ist in Leipzig als Schlaganfall-Lotsin unterwegs

Der 10. Mai ist in Deutschland der Tag gegen den Schlaganfall. Jedes Jahr erleiden hier gut 250 000 Menschen einen, und rund eine Million Betroffene tragen lebenslang gesundheitliche Folgen davon. Was das heißt, weiß Ute Helmstedt nur zu genau. Sie ist in Leipzig als „Schlaganfall-Lotsin“ unterwegs – und zugleich eine Betroffene.

In Leipzig als „Schlaganfall-Lotsin“ unterwegs: Ute Helmstedt.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der 10. Mai ist in Deutschland der Tag gegen den Schlaganfall. Jedes Jahr erleiden hier gut 250 000 Menschen einen, und rund eine Million Betroffene tragen lebenslang gesundheitliche Folgen davon. Was das heißt, weiß Ute Helmstedt nur zu genau. Sie ist in Leipzig als „Schlaganfall-Lotsin“ unterwegs – und zugleich eine Betroffene.

Die 52-Jährige ereilte das Schicksal im November 2012. „Ich war zuvor unter anderem chemisch-technische Assistentin in Halle am UFZ, arbeitete zuletzt in Braunschweig in einem Landwirtschaftsinstitut für Agrarklimaschutz…. Ich bin viel gereist, hatte immer nur befristete Arbeitsverträge. Und passiert ist es dann eines Montags auf der Hinfahrt zur Arbeit im Zug“, erzählt sie. Und schiebt ein „… zum Glück im Zug!“ nach. Denn so seien viele Menschen um sie herum gewesen, hätten fix Hilfe organisiert.

Nachdem sie einigermaßen wieder auf den Beinen stand, aber nichts mehr so war wie vorher – insbesondere im Hinblick auf ihre fortan eingeschränkten beruflichen Möglichkeiten – „stieß ich per Zufall auf meiner Suche nach Rat auf Dagmar Grundmann“, sagt sie. Letztere ist Vorsitzende der Leipziger „Selbsthilfegruppe für erlittene Hirnschädigung durch Schlaganfall, Unfall oder Krankheit“. Alsbald konnte sie Helmstedt als Mitglied begrüßen.

„Ich war damals 48, kam nach dem Schlaganfall freilich auch in eine berufliche Reha, um auszutesten, was ich eventuell jobmäßig noch machen könnte. Doch im Ergebnis blieb mir nur die ,Erwerbsunfähigkeit‘“, schildert Helmstedt. Was jedoch absolut nicht ihr Ding gewesen sei. „Ich wollte nicht daheimsitzen, wollte unbedingt noch irgendetwas tun.“ Die Idee – eine Schlaganfall-Lotsin für Leipzig zu etablieren, in Person von ihr – sei dann Grundmann gekommen. „Bis dato gab es hier so etwas noch nicht. In Dresden schon. Dort hatte die Deutsche Schlaganfall-Hilfe aus Gütersloh so ein Lotsen-Projekt aufgebaut – und die half uns dann letztlich auch“, so Helmstedt.

Weitere Partner sollten sich finden: Inzwischen hat die Leipzigerin in den Räumen des Jugend- und Altenhilfevereins Paunsdorf, in der Goldsternstraße 9, ein eigenes kleines Büro, wo sie am letzten Montag im Monat jeweils 14 bis 16 Uhr eine Sprechstunde anbieten kann. Anmelden kann man sich bei ihr über den Verein. Die Hannelore-Kohl-Stiftung unterstütze das Ganze „ideell“. Die Deutsche Schlaganfall-Hilfe komme für Sachkosten auf, fördere die nötigen Schulungen. „Immerhin gibt es bei dem Verband Erkenntnisse, die besagen, dass Patienten, die nach einem Schlaganfall eine sachkundige Begleitung in vielfältigster Hinsicht erfuhren, nie wieder einen solchen bekamen“, erzählt sie.

Dass es das Leben so wollte, dass Helmstedt zur kompetenten Adresse für entsprechend Ratsuchende wurde, verdankt sie wohl den vielen Erfahrungen, die sie aufgrund des eigenen Schicksalsschlags mit Behörden, Ämtern, Krankenkassen und Kliniken und demzufolge mit einem Haufen Bürokratie machte. „Selbst mit Angehörigen-Erfahrung kann ich aufwarten“, fügt die 52-Jährige hinzu. „Auch meine Mutter hatte einen Schlaganfall.“ Ihre Aufgabe als Schlaganfall-Lotsin sieht sie darin, „Betroffenen ein Wegweiser für neue Perspektiven zu sein“. „Viele wissen in ihrer Situation beispielsweise ja nicht einmal, dass sie einen Anspruch auf Sozialberatung haben.“

Außerhalb ihres Sprechstundentages im Büro ist die Lotsin für die Sache ebenso rege, bemüht sich etwa gerade darum, in der Uni-Neurologie Schlaganfallpatienten bereits auf der Klinik-Station über ihr Hilfsangebot informieren zu dürfen. „Weil ich weiß, dass viele dann nach ihrer Entlassung erst einmal in ein tiefes Loch fallen. Und während man früher immer meinte, Schlaganfall sei eher etwas für alte Leute, so haben sich die Zeiten geändert. Heute trifft man dort bereits 45- bis 55-Jährige. Von denen es heißt, 70 Prozent dieser Schlaganfälle wären vermeidbar, würden beruflicher Dauerstress, ungesunde Lebensweisen nicht ihren Tribut zollen“, sagt Helmstedt, sich durchaus bewusst, dass dies seinerzeit auch ihr Verhängnis war.

Regional vernetzt sei ihre SHG, die im Juni 20 Jahre besteht, auch, so die Lotsin. Etwa mit verschiedenen Therapeuten sowie mit der Leipziger Uni-Tagesklinik für Kognitive Neurologie und der Fortbildungsakademie der Wirtschaft in der Rosa-Luxemburg-Straße 29. „Letztere beiden bitten stets zum Netzwerktreffen ,Stammtisch – Kopfsache‘. Der ist offen für alle“, wie Helmstedt betont. Der Treff biete sowohl Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen als auch jenen, die in diesem Bereich engagiert sind, eine Plattform, persönliche Erfahrungen und Infos – zum Beispiel über neue Therapien – auszutauschen (der nächste findet übrigens am 10.Mai um 14 Uhr statt).

SERVICE: Anläßlich des Schlaganfall-Tages 2017 lädt die Leipziger Selbsthilfegruppe für den 6. Mai zum Tag der offenen Tür von 10 bis 12 Uhr in den Jugend-und Altenhilfeverein Paunsdorf, Goldsternstraße 9 (Tel. 0341 2532287). Man kann u.a. einen Risikotest machen, Ute Helmstedt berichtet über die Einführung des „Schlaganfall-Lotsen“ in Leipzig.

Von Angelika Raulien

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