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VW-Skandal wird Thema für Leipziger Anwälte

Besitzer von Dieselfahrzeugen fühlen sich verunsichert VW-Skandal wird Thema für Leipziger Anwälte

Der VW-Skandal in den USA zieht immer größere Kreise. Jetzt prüfen auch Leipziger Betroffene, ob sie Schadenersatzansprüche geltend machen können. Bei Anwaltskanzleien im Stadtgebiet häufen sich die Anfragen. Der Konzern erklärt, es gebe keinen Rechtsbruch und deshalb auch keinen Anspruch auf Schadenersatz.

VW-Besitzer in Leipzig befürchten, dass ihre Dieselfahrzeuge wegen des höheren Schadstoffausstoßes jetzt auf dem Gebrauchtwagenmarkt deutlich weniger Wert sind.

Quelle: dpa

Leipzig. Jetzt wird der VW-Skandal auch ein Thema für die Leipziger: Immer mehr Besitzer von Dieselfahrzeugen des Volkswagenkonzerns wenden sich an Rechtsanwaltskanzleien, um sich über ihre Rechte zu informieren – insbesondere, um Schadenersatzforderungen geltend zu machen.

Wer in seinem Autohaus das Thema anschneidet, hat es derzeit in Leipzig nicht leicht. Auf LVZ-Anfrage erklärten gestern gleich mehrere Häuser, dass sie sich für das Thema nicht zuständig fühlen. „Das ist ein Herstellerproblem; dazu geben wir keine Auskunft“, hieß es. Ein anderer Händler ließ wissen, er beziehe „zum aktuellen Thema“ keine Position und wollte nicht einmal mitteilen, wie viele Betroffene sich bislang gemeldet haben. „Wir möchten das nicht preisgeben“, so eine Marketingabteilung.

Schlechte Karten hat auch, wer sein Auto von amtlich anerkannten Überwachungsorganisationen wie der Dekra überprüfen lassen möchte, hat auch schlechte Karten. „Bei uns haben bislang vor allem Journalisten angefragt, ob wir kostenlos überprüfen, ob Autos die angegebenen Dieselgrenzwerte einhalten“, sagte Dekra-Pressesprecher Wolfgang Siegloch. „Aber solche Prüfungen sind relativ aufwendig und teuer.“ Bislang sei ihm kein einziger Fall bekannt, in dem geprüft wurde. „Die Betroffenen haben keine andere Wahl als zu warten, was das Kraftfahrbundesamt und VW sagen“, so Siegloch.

In Leipziger Rechtsanwaltskanzleien melden sich seit Tagen immer mehr verunsicherte Autobesitzer. „Viele befürchten, dass ihre Dieselfahrzeuge wegen des höheren Schadstoffausstoßes jetzt auf dem Gebrauchtwagenmarkt deutlich weniger Wert sind“, berichtet Anwältin Anette Ehlers von der Kanzlei WKR Germany LLP. Andere treibe die Angst um, dass sie mit ihren Diesel-Autos bald nicht mehr in der Leipziger Umweltzone fahren dürfen, weil die Abgaswerte deutlich von den einst angegebenen Werten abweichen.

Juristen raten den Betroffenen erst einmal Ruhe zu bewahren. In zwei bis drei Wochen würden die komplizierten Sachverhalte aufgeklärt sein, heißt es. Die Betroffene sollten dennoch nicht die Hände in den Schoß legen: Sie sollten einen Anwalt konsultieren, damit dieser ihre Rechte wahrt und Ansprüche an der richtigen Stelle anmeldet – bei Neuwagen-Käufen sei das in der Regel der VW-Konzern, bei Gebrauchtwagen-Käufen der Gebrauchtwagen-Händler, so Ehlers.

Nach Auffassung der WKR-Spezialisten in der Nikolaistraße könnte sich dieser Aufwand lohnen. „Sollten an deutschen Fahrzeugen ähnliche Manipulationen wie in den USA vorgenommen worden sein, können die Käufer einen erheblichen Mangel geltend machen“, sagt Ehlers. „Wenn die vom VW-Konzern avisierte Nachbesserung zu Leistungseinschränkungen des Autos führen sollte, wäre sogar eine komplette Rückabwicklung des Kaufes möglich.“ Betroffene müssten in einem solchen Fall aber eine Nutzungsentschädigung zahlen, die aber deutlich unter dem üblichen Wertverlust der Autos liege.

Technik-Experten dämpfen allerdings diese Aussichten. VW habe erklärt, sei die in den USA beanstandete Software zwar installiert, aber nicht aktiviert worden, sagen sie. Außerdem seien die Schadstoff-Grenzen in den Vereinigten Staaten doppelt so streng wie in Deutschland – mithin der Schaden hierzulande nicht so groß.

Auch Juristen wie Annette Ehlers wissen, dass es Normalbürgern naturgemäß sehr schwer fällt, einen Rechtsstreit mit einem der größten Autobauer der Welt zu bestehen. „Das ist wie der Kampf David gegen Goliath“, sagt die Juristin. Aufgrund der großen Menge der betroffenen Fahrzeuge – die Rede sei von elf Millionen Autos – würden allerdings schon große Prozessfinanzierer erwägen, den Kampf gegen Goliath finanziell zu unterstützen – gegen eine Beteiligung an einer eventuell zu erzielenden Schadenersatzzahlung.

Der VW-Konzern erklärte gestern auf LVZ-Anfrage, die betroffenen Fahrzeuge würden nachgebessert und Internetseiten geschalten, auf denen sich die Kunden über den aktuellen Stand der Dinge informieren können. Mit Blick auf die Leipziger Umweltzone hieß es, die Fahrzeuge seien „sicher und fahrbereit“ und könnten „bis zur Nachbesserung weiter uneingeschränkt genutzt werden“. Auf eventuelle Schadenersatzforderungen angesprochen, entgegnete eine VW-Sprecherin, die in den USA beanstandete Software habe in Europa „keine Relevanz“. Aus Sicht des Konzerns handle es sich deshalb auch um keinen Rechtsbruch, der einen Schadenersatzanspruch rechtfertigt.

 

 

Von Andreas Tappert

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