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Lokales Vandalismus gegen Wahlplakate in Leipzig: Tausende Euro Schaden
Leipzig Lokales Vandalismus gegen Wahlplakate in Leipzig: Tausende Euro Schaden
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11:10 22.09.2017
Zerstörte Wahlplakate in Leipzig.  Quelle: Evelyn ter Vehn
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Leipzig

 Kaum aufgehängt, schon sind Wahlplakate wieder beschmiert, beschädigt, zerfetzt. Eine Zerstörungswut unbekannten Ausmaßes stellen die Leipziger Parteien in diesem Bundestagswahlkampf fest. Der Schaden ist hoch, geht in die tausende Euro. 

Rund 700 Euro müssen die Grünen in den Wind schreiben, etwa 200 der 1900 aufgehängten kleineren Plakate sind schon wieder zerstört. "Wir sind permanent unterwegs und versuchen, zerstörte Plakate wegzuräumen und durch neue Plakate zu ersetzen", heißt es am Mittwoch von den Leipziger Grünen. Rund 6636 Euro seien in die Bestellung von 2200 Plakaten geflossen. Unklar sei derzeit, ob nachbestellt werden muss - denn auch wenn die Zahlen das nicht widerspiegeln, insgesamt bleibe bei erfahrenen Wahlkämpfern der Eindruck: Die Zerstörungswut hat zugenommen. 

Diesen Eindruck teilt Christopher Zenker von der SPD Leipzig, und die Sozialdemokraten haben auch schon deutlich mehr Plakatschäden registriert. Rund ein Drittel der 3000 SPD-Botschaften im Stadtbezirk wurden durch Vandalismus unbrauchbar. Rund 600 liegen schon zur Nachplakatierung bereit. Doch der Schaden ist da: Rund fünf Euro Material- und Personalkosten pro Plakat schlagen zu Buche. Demnach liegt der finanzielle Verlust für die Sozialdemokraten bereits bei 5000 Euro. Von den 29 Großflächen seien zwölf beschädigt, diese seien ausgetauscht oder wieder aufgerichtet worden, so Zenker am Mittwoch gegenüber LVZ.de. "Wir gehen davon aus, dass ein Großteil der Zerstörung durch rechte Kräfte organisiert ist", sagt er.

"Das politische Klima ist rauer geworden"

Der Linken reicht es. Wie die Partei bereits am Dienstag mitteilte, erstattet der Stadtverband nun Strafanzeige gegen unbekannt. Von 7000 Plakaten sei die Hälfte entwendet oder beschädigt. Auch nahezu jede der 30 mobilen Großflächen sei betroffen, heißt es weiter. Adam Bednarsky, Vorsitzender der Leipziger Linken, spricht von einer „Brutalisierung der politischen Kommunikation“. 

„Viele Plakate waren innerhalb eines Tages wieder verschwunden“, bilanziert auch Michael Weickert als Sprecher der Leipziger CDU. Allein im Leipziger Süden seien von rund 5000 Kopf- und Themenplakaten knapp 50 Prozent beschädigt. 500 Standorte seien von Vandalismus betroffen, pro Standort kalkuliert die Union mit rund vier Euro Kosten inklusive Plakatierung. Damit liegt der Schaden in nur einem Wahlkreis aktuell bei rund 2000 Euro. Auf die Plakate wolle man aber als sichtbares Zeichen der Wahlkampfkultur nicht verzichten. Aber man merke, dass das politische Klima rauer geworden sein. 

FDP kaum betroffen – AfD im Verzug

Die FDP hat da eine ganz andere Wahrnehmung. Deutlich weniger Wahlplakate als bei bisherigen Wahlen seien zerstört worden, so Bundestagswahl-Kandidat Friedrich Vosberg. „Das deckt sich auch mit der veränderten Stimmung uns gegenüber“, sagte er weiter. Die Partei werbe mit 3000 kleinen und rund 30 Großplakaten um die Gunst der Wähler.

Die AfD ist mit der Plakatierung im Verzug, offenbar im Moment ein Vorteil: Zwei Doppelplakate im Wert von je zehn Euro, inklusive Transport und Anbringen, seien beschädigt. Insgesamt will die AfD mit 10.000 Plakaten in Leipzig Wahlkampf machen. Trotzdem schätzt sie die Papier-Botschaften eher als „Wahlkampfritual“ ein. „Neue Medien eröffnen ganz neue Möglichkeiten“, heißt es.

Wahlplakat zerstört: Welche Strafen drohen?

Plakate vs. soziale Netzwerke

Die Grünen-Fraktion hatte bereits zum Auftakt des Leipziger Wahlkampfes betont, dass sie stärker auf den direkten Austausch mit den Wählerinnen und Wählern setzt - am Wahlkampfstand und auch in den sozialen Netzwerken. Die Materialschlacht sollte freilich wegen der "vernichtenden ökologischen Bilanz" eingedämmt werden. Doch trotz Vandalismus könne man nicht auf das Plakat verzichten: Viele Bürger würden sich nicht oder nur wenig online bewegen. Ähnlich sieht das auch die CDU. "Wahlplakate sind ein wichtiges Mittel, um auf die Bundestagswahl hinzuweisen", betont Weickert. Den Parteien werden ohnehin schon vorgeworfen, den Wahlkampf "im Schlafwagen" zu fahren. Auf die Plakate wolle man auch in Zukunft nicht verzichten.

Von Evelyn ter Vehn

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