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Verbleib von 30 Millionen ungeklärt

Verbleib von 30 Millionen ungeklärt

Die Dinge waren weiter vorangeschritten, als Andreas Schirmer glauben wollte. Bis zuletzt hatte der Technik-Chef der Kommunalen Wasserwerke (KWL) darauf vertraut, dass ihm das sichere Schicksal von KWL-Finanzgeschäftsführer Klaus Heininger erspart bleiben würde.

Denn dessen fristlose Kündigung stand für den Mutterkonzern, die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (LVV), wohl schon kurz vor Weihnachten fest.

Damals wurden die ersten brisanten Details der von Heininger eingefädelten Finanztransaktionen mit millionenschweren Risiken für die KWL ruchbar und beide Manager mit sofortiger Wirkung beurlaubt (die LVZ berichtete). Doch weil Heininger und Schirmer die KWL grundsätzlich nur gemeinsam vertreten können (so auch bei den geheimen Geschäften in London, die sie an allen Kontroll- und Zustimmungsgremien vorbei abwickelten), sollte der Aufsichtsrat gestern Abend beiden den Laufpass geben. "Das ist vergleichbar mit den schwarzen Kassen bei Volkswagen", sagte ein Prüfer der achtköpfigen Ermittlungsgruppe, die bis zu 20 Stunden am Tag an der Aufklärung des Deals arbeitet und täglich auf neue Fragen stößt. "Ein Konto, das sich aus Quellen speist, die außerhalb jeglicher Kontrolle sind, findet höchstens noch die Bankaufsicht." Wenn sie einen Prüfauftrag erhält.

Der Vorwurf gegen Heininger und Schirmer: Vertrauensbruch und Pflichtverletzungen. Mittlerweile erstattete Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) Anzeige wegen des Verdachts auf Untreue. Die LVV prüft Schadenersatzklagen gegen Heininger und Schirmer. Ihre Geschäfte mit Hypothekenrisiken könnten die KWL-Kunden am Ende Millionen kosten.

Eigentlich verkaufen die KWL Trinkwasser und organisieren die Abwasserreinigung. Doch die Manager beteiligten sich am Handel mit Kreditrisiken, die auch zur globalen Finanzkrise geführt hatten. Nach LVZ-Informationen übernahmen sie von der Schweizer UBS Bank Ausfallrisiken für 150 Kredite in Höhe von 250 Millionen Euro. Die KWL traten dabei als Versicherer auf. Sie sollen dafür eine Prämie von 40 Millionen Euro kassiert haben, wovon wiederum 10 Millionen Euro in Verträge flossen, mit denen Finanzgeschäfte der KWL besichert wurden. Über den Verbleib der restlichen 30 Millionen Euro ist bislang nichts bekannt.

Inzwischen hat eine der beteiligten Banken eine Risikowarnung angekündigt. Was bedeutet: Der Versicherungsfall ist eingetreten, der Versicherer - in dem Fall die KWL - muss zahlen. Bei der LVV geht man davon aus, dass noch im ersten Quartal konkrete Forderungen angemeldet werden. "In der Krise hat die UBS ihre faulen Papiere in Portfolios verpackt, mit denen sich die KWL über den Tisch ziehen ließen", sagte ein Branchenkenner gegenüber LVZ.

Auf den Rausschmiss der beiden Manager arbeiteten die Rathaus- und LVV-Spitze deshalb offenbar seit Weihnachten hin. Während Heininger sich krank meldete, nutzte Schirmer die Zeit für politische Lobbyarbeit. Noch in der letzten Woche des alten Jahres soll er Stadträte persönlich kontaktiert haben, um die Situation aus seiner Sicht zu erklären. Er habe das Ausmaß der 2006 abgeschlossenen risikoreichen Geschäfte gar nicht ermessen können, sei von Heininger quasi über den Tisch gezogen worden.

Seine Strategie ist allerdings nicht aufgegangen. Gestern Abend beschloss der Aufsichtsrat die fristlose Kündigung der beiden Manager. Gleichzeitig setzte das Gremium Volkmar Müller als neuen KWL-Geschäftsführer ein, einen weithin anerkannten Prokuristen bei der städtischen Beratungsgesellschaft BBVL. Aus der Talenteschmiede sind schon einige Stadtmanager hervorgegangen. Von dort kommen Stadtwerke-Chef Raimund Otto und die Geschäftsführerin der Wohnungs- und Baugesellschaft, Ute Schäfer.

Der Platz des zweiten Chefs bleibt zunächst leer. Noch bis Anfang der Woche war dafür der frühere Geschäftsführer von Veolia Wasser, Christophe Hug ­vorgesehen. Doch offenbar machte er im letzten Moment einen Rückzieher. Womöglich angesichts der unkalkulierbaren Folgen der Finanzverträge, die noch bis 2014 und 2017 laufen. Eine tickende Zeitbombe für die KWL.

Klaus Staeubert

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