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Lokales Verdi-Verhandlungschef: „Transfergesellschaft ist für Ex-Schlecker-Mitarbeiter vernünftige Lösung"
Leipzig Lokales Verdi-Verhandlungschef: „Transfergesellschaft ist für Ex-Schlecker-Mitarbeiter vernünftige Lösung"
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11:51 21.03.2012
Bernhard Franke hat die Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter geleitet. Quelle: verdi
Berlin

Bernhard Franke vom Fachbereich Handel der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Verhandlungen mit Schlecker geleitet. Im LVZ-Online-Interview erzählt er, warum ihm die Einrichtung der Transfergesellschaft für die ehemaligen Mitarbeiter derzeit mehr Sorgen bereitet.

Frage:

Verdi hat in den Verhandlungen mit Schlecker erreicht, dass rund 200 Filialen weniger geschlossen werden. Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Bernhard Franke:

Zufrieden ist in diesem Zusammenhang ein großes Wort. Es hat sich ja an der schwierigen Situation nichts geändert: Nach wie vor werden rund 2.200 Filialen geschlossen und tausende Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz. Wir haben lediglich Vereinbarungen getroffen, die diesen Personalabbau mildern sollen. Am Donnerstag entscheiden die Länder über die Höhe ihrer Bürgschaft für den nötigen Kredit von über 71 Millionen Euro. Wir hoffen sehr, dass an diesem Verhandlungstag seitens der Länder Grünes Licht kommt und die Transfergesellschaft so ermöglicht wird.

Derzeit stellen sich Sachsen und Sachsen-Anhalt in den Verhandlungen noch quer. Glauben Sie die Errichtung der Transfergesellschaft, die für 1. April geplant ist, könnte noch scheitern?

Wir sind sehr optimistisch, dass dieser Fall nicht eintritt, da die Länder ihre grundsätzliche Bereitschaft signalisiert haben. Wo es noch Gesprächsstoff gibt, ist die konkrete Verteilung der Bürgschaft zwischen den Bundesländern. Die Bürgen möchten in das Konzept des Insolvenzverwalters eingeweiht werden, um die finanziellen Risiken abzuschätzen. Wenn tatsächlich der Fall eintreten sollte, dass die Transfergesellschaft verhindert wird, dann müssten 10.000 Kündigungen ausgesprochen werden. Dann könnte eine große Zahl an Kündigungsschutzklagen erhoben werden.

Wie erklären Sie sich den Widerstand aus Sachsen?

Neben der Forderung in das finanzielle Konzept eingeweiht zu werden, liegt es auch in politischen Grundlinien. Es gibt marktradikale Ideologen, wie beispielsweise in der FDP, die es grundsätzlich nicht gut finden, wenn der Staat angreift. Daher denke ich, dass bei den Verhandlungen auch politische Streitereien eine Rolle spielen.

Am Donnerstag wird verkündet, welche Mitarbeiterinnen von den Streichungen betroffen sind. Bis zum 27. März haben diese dann Zeit sich zu entscheiden, ob sie der Transfergesellschaft beitreten oder eine Kündigung mit Abfindung erhalten möchten. Was würden Sie den Arbeiterinnen raten?

Das Problem bei der Kündigung mit Abfindung ist, dass die genaue Höhe und vor allem der Auszahlungszeitpunkt erst beim Abschluss des Insolvenzverfahrens feststehen wird. Es kann mehrere Jahre dauern, bis das Verfahren abgeschlossen ist und die Arbeiterinnen ihre Abfindung erhalten. Daher ist der Beitritt zu einer Transfergesellschaft die vernünftigste Entscheidung.

Was erwartet die Schlecker-Frauen, wenn sie sich für die Transfergesellschaft entscheiden?

Die Transfergesellschaft ist dazu da, um die Mitarbeiterinnen zu vermitteln und ihnen eine Orientierung zu geben. Jedem soll individuell geholfen werden. Ein erheblicher Teil der ehemaligen Verkäuferinnen hat eine kaufmännische Berufsausbildung oder andere Berufsqualifikationen. Es kann sein, dass sie nach der Elternpause nicht mehr im erlernten Beruf untergekommen sind, sondern bei Schlecker. Die ursprünglichen Kenntnisse können bei der Transfergesellschaft wieder reaktiviert werden. Es gibt auch die Möglichkeit einer Umschulung in Berufe, die Arbeitermangel vorweisen, wie z.B. der Pflegebereich. Die Entscheidung bleibt bei den Teilnehmern und ist immer individuell zu treffen.

Viele Schlecker-Mitarbeiterinnen sind bereits seit Jahren bei dem Unternehmen beschäftigt, da könnte es schwieriger werden ihre Berufsqualifikationen zu reaktivieren. Wie alt sind die Schlecker-Frauen im durchschnitt?

Die durchschnittliche Altersstruktur liegt bei 53 Jahren. Da hat Schlecker zum Teil sehr lange Betriebszugehörigkeiten. Welche Frauen ihren Job verlieren, wird aufgrund der Sozialauswahl entschieden. Ältere Frauen genießen hier also Schutz, das bedeutet, dass eher die jüngeren Frauen von den Stellenstreichungen betroffen sein werden. Der Umkehrschluss ist, dass das Durchschnittsalter nach den Entlassungen bei Schlecker weiter ansteigt und die Teilnehmer der Transfergesellschaft deutlich jünger sein werden.

Manuela Tomic

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