Volltextsuche über das Angebot:

-3 ° / -11 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Verdi-Verhandlungschef: „Transfergesellschaft ist für Ex-Schlecker-Mitarbeiter vernünftige Lösung"

Verdi-Verhandlungschef: „Transfergesellschaft ist für Ex-Schlecker-Mitarbeiter vernünftige Lösung"

Die insolvente Kette Schlecker hat am Dienstag die letzten Filialen bekannt gegeben, die geschlossen werden sollen. Rund 2.200 Zweigstellen machen Ende März dicht, 123 davon sind in Sachsen.

Voriger Artikel
Leipzigs Jugendamtsleiter Haller will gegen drohende Aberkennung des Doktortitels klagen
Nächster Artikel
Vorstand der Leipziger Grünen schlägt Felix Ekardt als Kandidat zur OB-Wahl vor

Bernhard Franke hat die Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter geleitet.

Quelle: verdi

Berlin. Bernhard Franke vom Fachbereich Handel der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Verhandlungen mit Schlecker geleitet. Im LVZ-Online-Interview erzählt er, warum ihm die Einrichtung der Transfergesellschaft für die ehemaligen Mitarbeiter derzeit mehr Sorgen bereitet.

Frage:

Verdi hat in den Verhandlungen mit Schlecker erreicht, dass rund 200 Filialen weniger geschlossen werden. Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Bernhard Franke:

Zufrieden ist in diesem Zusammenhang ein großes Wort. Es hat sich ja an der schwierigen Situation nichts geändert: Nach wie vor werden rund 2.200 Filialen geschlossen und tausende Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz. Wir haben lediglich Vereinbarungen getroffen, die diesen Personalabbau mildern sollen. Am Donnerstag entscheiden die Länder über die Höhe ihrer Bürgschaft für den nötigen Kredit von über 71 Millionen Euro. Wir hoffen sehr, dass an diesem Verhandlungstag seitens der Länder Grünes Licht kommt und die Transfergesellschaft so ermöglicht wird.

Derzeit stellen sich Sachsen und Sachsen-Anhalt in den Verhandlungen noch quer. Glauben Sie die Errichtung der Transfergesellschaft, die für 1. April geplant ist, könnte noch scheitern?

Wir sind sehr optimistisch, dass dieser Fall nicht eintritt, da die Länder ihre grundsätzliche Bereitschaft signalisiert haben. Wo es noch Gesprächsstoff gibt, ist die konkrete Verteilung der Bürgschaft zwischen den Bundesländern. Die Bürgen möchten in das Konzept des Insolvenzverwalters eingeweiht werden, um die finanziellen Risiken abzuschätzen. Wenn tatsächlich der Fall eintreten sollte, dass die Transfergesellschaft verhindert wird, dann müssten 10.000 Kündigungen ausgesprochen werden. Dann könnte eine große Zahl an Kündigungsschutzklagen erhoben werden.

Wie erklären Sie sich den Widerstand aus Sachsen?

Neben der Forderung in das finanzielle Konzept eingeweiht zu werden, liegt es auch in politischen Grundlinien. Es gibt marktradikale Ideologen, wie beispielsweise in der FDP, die es grundsätzlich nicht gut finden, wenn der Staat angreift. Daher denke ich, dass bei den Verhandlungen auch politische Streitereien eine Rolle spielen.

Am Donnerstag wird verkündet, welche Mitarbeiterinnen von den Streichungen betroffen sind. Bis zum 27. März haben diese dann Zeit sich zu entscheiden, ob sie der Transfergesellschaft beitreten oder eine Kündigung mit Abfindung erhalten möchten. Was würden Sie den Arbeiterinnen raten?

Das Problem bei der Kündigung mit Abfindung ist, dass die genaue Höhe und vor allem der Auszahlungszeitpunkt erst beim Abschluss des Insolvenzverfahrens feststehen wird. Es kann mehrere Jahre dauern, bis das Verfahren abgeschlossen ist und die Arbeiterinnen ihre Abfindung erhalten. Daher ist der Beitritt zu einer Transfergesellschaft die vernünftigste Entscheidung.

Was erwartet die Schlecker-Frauen, wenn sie sich für die Transfergesellschaft entscheiden?

Die Transfergesellschaft ist dazu da, um die Mitarbeiterinnen zu vermitteln und ihnen eine Orientierung zu geben. Jedem soll individuell geholfen werden. Ein erheblicher Teil der ehemaligen Verkäuferinnen hat eine kaufmännische Berufsausbildung oder andere Berufsqualifikationen. Es kann sein, dass sie nach der Elternpause nicht mehr im erlernten Beruf untergekommen sind, sondern bei Schlecker. Die ursprünglichen Kenntnisse können bei der Transfergesellschaft wieder reaktiviert werden. Es gibt auch die Möglichkeit einer Umschulung in Berufe, die Arbeitermangel vorweisen, wie z.B. der Pflegebereich. Die Entscheidung bleibt bei den Teilnehmern und ist immer individuell zu treffen.

Viele Schlecker-Mitarbeiterinnen sind bereits seit Jahren bei dem Unternehmen beschäftigt, da könnte es schwieriger werden ihre Berufsqualifikationen zu reaktivieren. Wie alt sind die Schlecker-Frauen im durchschnitt?

Die durchschnittliche Altersstruktur liegt bei 53 Jahren. Da hat Schlecker zum Teil sehr lange Betriebszugehörigkeiten. Welche Frauen ihren Job verlieren, wird aufgrund der Sozialauswahl entschieden. Ältere Frauen genießen hier also Schutz, das bedeutet, dass eher die jüngeren Frauen von den Stellenstreichungen betroffen sein werden. Der Umkehrschluss ist, dass das Durchschnittsalter nach den Entlassungen bei Schlecker weiter ansteigt und die Teilnehmer der Transfergesellschaft deutlich jünger sein werden.

Manuela Tomic

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
  • LVZ-Fahrradfest 2018
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 14. LVZ-Fahrradfest lädt am 29. April 2018 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Alle Infos zum Event finden Sie in unserem Sp... mehr

  • LVZ-Reisemarkt

    Lust auf Urlaub? Der LVZ Reisemarkt präsentiert am 2. und 3. Februar 2018 Traumziele fern und nah. Alle Infos zu den Ausstellern und zum Programm g... mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

Historische Leipzig - in Text und Bildern.

Auf Zeitreise in Leipzig: So war es früher in der Messestadt. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • VDE 8 - Alle Infos und Fakten

    Das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8: Hier gibt es Infos, Hintergründe und Fotos zum Thema. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album 2
    Leipzig-Album 2

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

Leipzig-Grünau kämpft mit Arbeitslosigkeit und Kriminalität. Doch das Viertel will sich ein besseres Image verpassen. Die vierteilige Multimedia-Serie gibt Einblicke in den Problemkiez. mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr