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Lokales Verdurstetes Kind: Leipzigs Rathausspitze von Generalstaatsanwaltschaft entlastet
Leipzig Lokales Verdurstetes Kind: Leipzigs Rathausspitze von Generalstaatsanwaltschaft entlastet
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23:59 03.10.2013
In diesem Haus in der Möckernschen Straße in Gohlis starben Kieron-Marcel und seine Mutter. Quelle: Christian Nitsche

Lediglich der zuständige Sozialarbeiter muss mit einer Strafe rechnen.

Mehr als ein Jahr lang bestand der Tatverdacht gegen Rathauschef Jung sowie den später suspendierten Jugendamtsleiter Siegfried Haller und die Ex-Chefin des Allgemeinen Sozialdienstes (ASD), Sybill Radig: fahrlässige Tötung durch Unterlassen. Dieser Vorwurf ist mit der Entscheidung der Generalstaatsanwaltschaft nun endgültig vom Tisch. Selbst wenn die Beschuldigten ihre Fürsorge- und Dienstaufsichtspflichten verletzt hätten, so der Sprecher der sächsischen Generalstaatsanwaltschaft, Wolfgang Klein, ließe sich kein kausaler Zusammenhang mit dem Tod des Kindes herstellen.

Mit einem ähnlichen Argument hatte die Leipziger Staatsanwaltschaft im Juli das Ermittlungsverfahren gegen die drei Amtsträger eingestellt. Schuld sei nur der Sozialarbeiter, der im April 2012 die jahrelange Betreuung der Problemfamilie beendet hatte, weil angeblich keine Kindeswohlgefährdung mehr vorliege.

Eine Fehleinschätzung mit tödlichen Folgen: Christin F., damals im dritten Monat schwanger, starb im Zeitraum zwischen 7. und 10. Juni 2012 in ihrer Parterrewohnung in der Möckernschen Straße an einem Mix aus Heroin und Kokain. Ihr kleiner Sohn lebte noch tagelang neben seiner toten Mutter, er verdurstete zwischen dem 13. und 14. Juni. Ihre Leichen wurden am 17. Juni entdeckt, weil Verwesungsgeruch durch das Treppenhaus drang.

Gegen den Sozialarbeiter erließ das Amtsgericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl über eine Geldstrafe. Doch mit dem Einspruch des Angeklagten kommt es nun zur Hauptverhandlung am Amtsgericht. Seine unmittelbaren Vorgesetzten und auch Oberbürgermeister Jung, der als Dienstherr des Jugendamtes in Verantwortung steht, müssen hingegen keine juristischen Folgen fürchten.

"Ich halte die Entscheidung der Generalstaatsanwaltschaft für falsch", sagte Gerd Rohde, Anwalt der Großmutter von Christin F., gegenüber der LVZ. Er sieht ein Verschulden aller Angezeigten, nicht nur des Sozialarbeiters, und hatte deshalb gegen die Verfahrenseinstellung Beschwerde eingelegt. Nach der Ablehnung seiner Beschwerde durch die Generalstaatsanwaltschaft bliebe ihm nun noch der Gang zum Oberlandesgericht, um dort eine Überprüfung zu beantragen. Doch dies schloss Rohde aus. "Uns ging es vor allem darum, zu erreichen, dass so etwas nicht noch einmal passiert", erklärte der Rechtsanwalt. "Wir werden jetzt jedoch keine weiteren Rechtsmittel in Anspruch nehmen. Der Fall ist für uns abgeschlossen, aber er wird nie vergessen sein."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.10.2013

Frank Döring

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