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Lokales Verein plant ein Reclam-Museum für Leipzig
Leipzig Lokales Verein plant ein Reclam-Museum für Leipzig
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00:34 14.05.2018
Reclams Wochenend-Bücherei gehört zu den Raritäten, die in ein eigenes Museum sollen. Quelle: Verein Literarisches Museum
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Leipzig

Die Erfolgsgeschichte begann mit Faust und ist eng mit Leipzig verbunden: Nahezu jeder kennt die Reclam-Bücher. Der Verleger Anton Philipp Reclam (1807–1896) und seine Universalbibliothek sollen nun ein eigenes Museum in Leipzig bekommen, das der Verein Literarisches Museum gründet. „Der Schulträger Rahn Education stellt uns dafür mietfrei zwei Räume bereit“, freut sich Vereinschef Hans-Jochen Marquardt aus Halle, der seine Privatsammlung dafür zur Verfügung stellt.

Eröffnung für September geplant

Das kleine Museum zieht ab Juni ins Souterrain des Gebäudes Inselstraße 20 (Eingang Kreuzstraße 12). Dort ist Platz für eine Dauerausstellung samt Präsenzbibliothek (50 Quadratmeter) sowie einen Vorbereitungsraum (20 Quadratmeter). Die Eröffnung wird im September stattfinden. „Unser Ziel ist es, den Namen Reclams im kulturellen Gedächtnis der Stadt Leipzig zu bewahren und zu pflegen.“ Der noch heute existierende Verlag steuert den Nachbau eines Bücherautomaten bei. Von 1912 an konnten Leser sich aus diesem Automaten, der auf Bahnhöfen, auf Schiffen, in Krankenhäusern oder Kasernen aufgestellt worden war, Bücher von Reclams Universal-Bibliothek ziehen.

Marquardt spricht von Geniestreich

Reclams Universal-Bibliothek, für Marquardt „einer der hervorragendsten Kulturleistungen der Deutschen“, gibt es seit 1867. Der Verleger Anton Philipp Reclam und sein Sohn Hans Heinrich haben die Neuregelung des Urheberrechts 1837 zu einem Geniestreich genutzt.

Hintergrund: Die Bundesversammlung des Deutschen Bundes hatte das Recht der Autoren auf 30 Jahre nach dem Tod beschränkt. Damit konnten deren Werke nachgedruckt und vom 10. November 1867 an als gemeinfrei verkauft werden, das Gesetz befreite den Verleger von der Vergütung der Autoren und deren Erben. „Die Idee: ein im besten Sinne des Wortes nationalpädagogisches Bildungsprogramm für alle Schichten des Volkes.“

Entstanden ist eine weltberühmte Buchreihe. Bereits zum Start lagen 52 Nummern vor. „Damals war es ein Novum: Jeder konnte sich einzelne Bücher auswählen, niemand musste mehr die ganze Reihe kaufen“, so der Germanist und Kleist-Experte. Heute ist sie die älteste noch existierende deutschsprachige Taschenbuchreihe.

Sammlung soll in Leipzig bleiben

Das Museum wird einen Überblick von den Anfängen der Reihe bis heute bieten. Auch Unikate wie eine tragbare Feldbücherei aus beiden Weltkriegen oder eine Blechkassette als „Wochenendbücherei“ der 1920er-Jahre sollen zu sehen sein. Marquardt selbst hat die gesamte Leipziger Produktion der Jahre 1967 bis 1990 gesammelt – nur 23 Titel fehlen ihm. Das sind immerhin 7610 Nummern.

„Die Stuttgarter Reihe konnte ich leider nicht sammeln, da kam ich zu DDR-Zeiten nicht ran“, bedauert der heute 65-Jährige. Dabei besitzt er von den Anfängen der Reihe deutlich mehr Ausgaben als die Deutsche Nationalbibliothek, die ja als Deutsche Bücherei erst 1913 gegründet wurde und rückwirkend bis 1912 sammelt.

„Es gibt keinen Ort, an dem die Reihe komplett vorliegt – nicht einmal beim Verlag“, betont Marquardt. Er plant, seine Sammlung einer gemeinnützigen Einrichtung in Leipzig zu schenken, damit sie dauerhaft hier am Ursprungsort bleibt und für die Forschung genutzt werden kann. Im Museum sind Lesungen, Vorträge und andere Veranstaltungen geplant.

Rahn Education unterstützt Projekt

Für die geplante Reclam-Präsenzbibliothek sponsert Rahn Education eine große Regalwand. Marquardt ist im „Salon am Donnerstag“ des Best Age Forums der Rahn Education zu Gast. Dort wird er am Donnerstag, 17. Mai, 17 Uhr, Markt 10, über das geplante Museum sprechen. Im Deutschen Buch- und Schriftmuseum am Deutschen Platz ist noch bis 3. Juni die Sonderschau „Universal. Reclams Jahrhundertidee – Leipzig 1867 bis 1990“ zu sehen, zu der Marquardt viele Exponate beisteuerte.

Von Mathias Orbeck

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