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Verein will Hoffnung schenken - Leipziger helfen Flüchtlingen aus Westsahara

Verein will Hoffnung schenken - Leipziger helfen Flüchtlingen aus Westsahara

Seit 35 Jahren leben etwa 160000 Sahrauis in Flüchtlingslagern bei Tindouf, im Südwesten Algeriens. Abseits ihrer Heimat, der von Marokko besetzten Westsahara, haben sie zwar basisdemokratische Strukturen sowie ein funktionierendes Gesundheits- und Bildungssystem aufgebaut, im täglichen Kampf ums Überleben bleibt eines jedoch auf der Strecke: die eigene Identität.

Im Flüchtlingslager nahe Tindouf: sahrauische Kinder in traditioneller Kleidung (dera‘a) während eines Umzugs anlässlich des Nationalfeiertags am 27. Februar dieses Jahres.

Quelle: privat

Mockau/Schönefeld. Der Leipziger Verein Zeok (Zentrum für europäische und orientalische Kultur) hat 2009 ein Projekt ins Leben gerufen, das dem entgegenwirken soll.

Mit der ältesten Generation droht die materielle und geistige Kultur des Volkes auszusterben. "Und damit auch ihr Stolz und die Ausdauer, um diese Situation zu überstehen. Wir verstehen uns als Teil der Solidaritätsbewegung und versuchen die Sahrauis nicht durch politische Aktionen, sondern durch Projekte vor Ort zu unterstützen", klärt Cihan Köroglu vom Zeok-Verein auf.

So arbeiten sahrauische Jugendliche beispielsweise daran, die kulturellen Schätze ihres Volkes zu sichern: "Viele Geschichten oder Lieder werden in Hassaniya, unserem sahrauischen Dialekt, erzählt oder gesungen. Diese werden aufgezeichnet, publiziert und verteilt", berichtet Mohamed Abba von der sahrauischen Befreiungsbewegung Frente Polisario. Auch die Handwerkskunst sei tief im Leben der Sahrauis verankert und somit Teil der Auseinandersetzung. Für das Leben als Nomaden sei das Weben von Zelten existenziell. Medizinisches Wissen, wie die Herstellung natürlicher Heilmittel, werde ebenfalls zusammengetragen.

Um den Jugendlichen einen festen Ort für ihre Tätigkeit bieten zu können, will die Organisation ein sozio-kulturelles Zentrum vor Ort aufbauen. "Ein Haus gibt es schon, ob wir es kaufen können, hängt von der Bewilligung von Fördermitteln ab", erklärt der 40-jährige Abba, der selbst in einem Flüchtlingslager aufwuchs.

Er ist es auch, der Interessierte auf Erkundungsreisen oder bei Sprachkursen ins algerische Tindouf begleitet - ein weiterer Part des Projektes. "Untergebracht werden die Reisenden bei Familien, sie arbeiten an Projekten mit und lernen mehr über die sahrauische Kultur." Im Gegenzug versucht der Zeok-Verein jährlich mindestens fünf Kindern einen Urlaub in Deutschland zu ermöglichen.

Am kommenden Mittwoch zeigt die Cinémathèque, Karl-Liebknecht-Straße 46, ab 19.30 Uhr den Dokumentarfilm "El Problema - Testimony of the Sahrawi People". Der Film schildert die Leidensgeschichte des sahrauischen Volkes, welche ihren Anfang vor 1976 nahm, als die ehemalige Kolonie Spanisch-Sahara nicht wie versprochen in die Unabhängigkeit entlassen wurde, sondern unter mauretanische und marokkanische Besatzung fiel. Die Polisario habe daraufhin die Demokratische Arabische Republik Sahara ausgerufen, deren Exilregierung in Algerien sitzt und die als Vertreter des sahrauischen Volkes weitgehend anerkannt ist.

Der Kampf um die rohstoffreiche Gegend in der Westsahara habe zur Vertreibung eines großen Teils ihrer Bewohner in das benachbarte Algerien geführt, wo sie seitdem gezwungen sind in Flüchtlingslagern zu leben. Mauretanien zog sich zurück , woraufhin Marokko auch den Rest des Gebietes annektierte. Heute trennt eine etwa 2500 Kilometer lange durch Landminen gesicherte Mauer das besetzte Gebiet, in dem noch immer rund 300000 Sahrauis leben, von der befreiten Zone.

1991 wurde der Waffenstillstand zwischen Marokko und der Polisario geschlossen, der an ein Referendum zur politischen Zukunft der Westsahara geknüpft war.

"Darauf warten wir noch heute", klagt Abba, der befürchtet, dass sich die Bevölkerung nicht mehr lange hinhalten lässt. "Die Jugend ist total frustriert vom ewigen Abwarten und Teetrinken."

Uta Zangemeister

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