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Lokales Verjüngungskur für die Thomaner-Mauer
Leipzig Lokales Verjüngungskur für die Thomaner-Mauer
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23:59 22.07.2014
Mauer am Campus der Thomaner Quelle: Wolfgang Zeyen

Zu sehen sind die Konturen zweier singender Thomaner. "Das Ganze ist einem historischen Holzschnitt nachempfunden", erklärt der 33-Jährige.

Löser ist das neueste Mitglied des Maler-Trios "Weiße Seite", das seit Anfang Juli die Mauer hinter dem Alumnat des Thomanerchores in der Käthe-Kollwitz-Straße neu gestaltet. Die Wandmalerei soll dann die Geschichte der Thomaner von der Gründung des Ordens bis in die Gegenwart zeigen. Schon jetzt sind einige Motive wie die singenden Chorknaben oder das Porträt Johann Sebastian Bachs zu erkennen. "Weiter hinten wird's dann bunter", kündigt Uwe Arnold an. Der 36-Jährige lehnt lässig an seinem weißen Kombi und erzählt, warum er mit der Fassadenmalerei begonnen hat. Ursprünglich komme er aus der Sprayer-Szene. Nach der Wende tauschte er die Dose gegen den Pinsel. Viel entspannter sei das. "Es gibt weniger Schmutz, keinen Gestank, es fühlt sich auch erwachsener an." Und mit der Wandfarbe könne man auch eine viel größere Farbdichte erzielen.

Zusammen mit seinem Künstlerkollegen Falk Hänsel gründete er vor knapp zehn Jahren "Weiße Seite". Eine lukrative Arbeit? "Wir fahren nicht im Rolls Royce vor, aber es reicht, um davon zu leben." Ungefähr 20 Aufträge im Jahr kämen für die Künstler zusammen, schätzt Arnold - nicht nur in Leipzig, wohlgemerkt. "Wir arbeiten bundesweit, auch wenn unser Haupteinzugsgebiet Sachsen ist." In der Messestadt haben die drei beispielsweise eine Fassade gegenüber des MDR-Haupteinganges gestaltet, ebenso wie das Innere des Bill Hart in Connewitz. Zuletzt arbeitete das Trio gar im kanadischen Vancouver, von wo aus gleich noch eine Gastkünstlerin nach Leipzig mitreiste. Dass sie jetzt auch die Grundstücksmauer auf dem Forum Thomanum neu gestalten, hatte auch ein wenig mit Glück zu tun. "Wir haben uns da initiativ beworben, weil uns auffiel, dass die Mauer langsam wieder dran ist", erklärt Uwe Arnold. Zum ersten Mal wurde die Abgrenzung im Jahr 2000 farbig gestaltet; die neuen Zeichnungen sind damit auch so etwas wie eine Verjüngungskur für die Mauer.

Arnold und Hänsel haben sich die Malerei selbst beigebracht. Schließlich sei doch vieles an ihrer Arbeit Handwerk, sagt Uwe Arnold. Nur André Löser blickt auf eine künstlerische Ausbildung an der HGB zurück, versucht sich in der Freizeit an Skulpturen und Gemälden. "Aber von meinen Ausstellungen alleine kann ich eben nicht leben."

Bis Ende August werden Uwe Arnold, André Löser und Falk Hänsel wohl noch an der Käthe-Kollwitz-Straße zu tun haben. Wohlgemerkt nicht ohne eine kleine Sommerpause. Denn das sei ja das Beste an ihrem Beruf: "Wir sind frei, haben wenig Stress, weil wir uns die Deadlines letztlich selbst setzen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.07.2014

Stefan Lehmann

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