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Verkehrsbetriebe bringen neues Leitsystem und Computertechnik an den Start

Verkehrsbetriebe bringen neues Leitsystem und Computertechnik an den Start

Bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) ist das Projekt "RBL 2.0" angelaufen. Für neun Millionen Euro wird die rechnergestützte Betriebsleitzentrale (RBL) modernisiert, die sich im Straßenbahnhof Angerbrücke befindet und als Herzstück des Unternehmens gilt.

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Anspannung im Straßenbahnhof Angerbrücke: In der Leitzentrale arbeiten Schichtleiter Holger Floß (vorn) und Projektleiter Mirko Heyne an der System-Umstellung.

Quelle: André Kempner

Zeitgleich werden 300 Straßenbahnen und 150 Busse mit neuer Computertechnik bestückt, damit "RBL 2.0" optimal genutzt werden kann. "Das neue System verbessert nicht nur unsere internen Abläufe, es hält auch für unsere Fahrgästen zahlreiche Verbesserungen bereit", sagt Sprecher Marc Backhaus. Während der Inbetriebnahme gibt es aber erst einmal einige Einschränkungen.

Inbetriebnahme im Sommer

An den Haltestellen "Angerbrücke" und "Sportforum" signalisieren schon die großen Anzeigetafeln, dass die Testphase des neuen Systems begonnen hat. "Weil wir die alte Technik schrittweise außer Betrieb nehmen, zeigen unsere Anzeigetafeln bei immer mehr Bahnen und Bussen nicht mehr ihre Abweichungen vom Fahrplan an, sondern nur noch die regulären Fahrplanzeiten", sagt Backhaus. "Unsere neue Technik wird im Sommer komplett zugeschaltet."

Dann werden natürlich an den Anzeigetafeln auch wieder die aktuellen Abfahrtzeiten in Echtzeit zu sehen sein. Doch die Monitore in den Fahrzeugen sollen dann deutlich mehr Service bieten. Dort werden dann nicht mehr nur die Haltestellen in einer Art Perlenschnur gezeigt, sondern gleichzeitig auch noch für jede aktuell angesteuerte Haltestelle die Linien, die zum Umsteigen genutzt werden können. Auch Symbole mit weiteren Haltestellen-Informationen werden zu sehen sein - zum Beispiel, ob sich in der Nähe ein P+R-Platz befindet. "Um das Umsteigen zu erleichtern, werden die Monitore die Zeit bis zur Abfahrt der anderen Linien in Minuten anzeigen", sagt Backhaus. Später soll dahinter auch noch angezeigt werden, ob die anderen Linienfahrzeuge warten.

Umsteigen wird leichter

Möglich macht dies eine neue "Datendrehscheibe", die die LVB-Leitstelle mit anderen Leitstellen im Gebiet des Mitteldeutschen Verkehrverbundes (MDV) verknüpft. "Dadurch können wir auch Linien anzeigen, die wir selber nicht betreiben", so der Sprecher. Die Daten würden in Echtzeit von den anderen Leitstellen übernommen. Das soll das Umsteigen im MDV-Gebiet deutlich attraktiver machen.

Ebenfalls neu eingeführt wird ein Blinden-Informationssystem. Das Prinzip: Beim Halten einer Straßenbahn oder eines Busses in einem Haltestellenbereich werden an den vorderen beiden Türen über Außenlautsprecher die Liniennummer und das Fahrziel angesagt. "Das ist nicht nur für Sehgeschädigte attraktiv, sondern auch für Touristen und sogar für Leipziger, die in Eile sind", betont Backhaus. Neu ist auch, dass die LVB in Extremsituationen flexibler werden. Denn im Gegensatz zum alten analogen betriebsinternen Funksystem kann das neue digitale System notfalls vom Leitstellen-Team über das öffentliche Mobilfunknetz gesteuert werden - sogar die 223 dynamischen Anzeigetafeln.

Die neuen Bordrechner, die in die LVB-Fahrzeuge eingebaut werden, haben auch GPS und ein Navigationssystem mit einer Stadtplan-Darstellung wie bei Google-Maps an Bord - letzteres ist vor allem bei Umleitungen wichtig. An die neuen Rechner kann ein neuer Fahrscheindrucker gekoppelt werden, die den Fahrschein-Verkauf optimieren: Diese Geräte drucken die Fahrscheine von einer Rolle aus - individuell für alle Zonen vom Kurzstreckenticket bis hin zur Monatskarte. Fahrscheine, die über die Gültigkeitsdauer einer Tageskarte hinausgehen, sollen allerdings vorrangig in den Regionalverkehrsbussen der LVB angeboten werden, weil im Stadtverkehr die Zeit extrem knapp ist und die Bargeldmenge gering bleiben soll. Ebenfalls zum Bordrechner gehört ein neues Entwertersystem, mit dem künftig Abo-Karten in allen Fahrzeugen auf ihre Gültigkeit überprüft werden können.

Umrüstung im Drei-Schicht-System

Die technische Umrüstung der Straßenbahnen und Busse läuft zurzeit im Straßenbahnhof Leutzsch auf Hochtouren. "Wir arbeiten im Drei-Schicht-System", sagt dort Schichtleiter Michael Röber. "Es ist schon absehbar, dass wir bald auch an den Wochenenden im Einsatz sein werden." Die Aufrüstung einer 45 Meter langen Straßenbahn dauert zwei Tage; für einen Bus wird ein Tag benötigt. Denn die Techniker müssen in den Fahrzeugen ganze Datenstränge neu verlegen. Bislang sind rund 20 Prozent der Straßenbahnen und 10 Prozent der Busse umgerüstet.

In den LVB gilt die Inbetriebnahme von "RBL 2.0" im Sommer trotzdem als ehrgeiziges Ziel. Doch die alte Technik ist über 20 Jahre alt. "Das neue System wird sicher nicht so lange betrieben werden", glaubt Backhaus. "Die Innovationszyklen werden immer kürzer."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.03.2015

Andreas Tappert

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