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Lokales Verkehrskonzept: Leipzig will Parkhaus an der Red-Bull-Arena bauen
Leipzig Lokales Verkehrskonzept: Leipzig will Parkhaus an der Red-Bull-Arena bauen
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22:00 21.06.2016
 Noch herrscht Ruhe rund um die Red-Bull-Arena. Um den Verkehrsansturm zur Fußballsaison zu verkraften, plant die Stadt ein Parkhaus im Stadionumfeld.  Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

 Verstopfte Straßen, zugeparkte Wege und kilometerlange Staus – nach dem Aufstieg von RB Leipzig in die erste Liga fürchtet so mancher den Verkehrskollaps in Leipzig. Doch die Planer bleiben gelassen: Die Stadt sei gut gerüstet, man habe frühzeitig mit verschiedenen Szenarien gearbeitet, erklärte Michael Jana, Chef des Leipziger Verkehrs- und Tiefbauamts, gegenüber LVZ.de. Rund eine Million Euro hat Leipzig seit 2014 in das Verkehrskonzept Sportforum gesteckt. Jetzt plant die Stadt den Bau eines Parkhauses an der Red-Bull-Arena und will das Bewohnerparken im Waldstraßenviertel einführen.

Statt mit bis zu 35.000 Besuchern pro Spieltag gehen die Experten in der neuen Saison von einem Szenario mit bis zu 44.500 Gästen im Durchschnitt aus. Nach einem Ausbau des Stadions könnten zu Spitzenspielen oder Großevents künftig auch bis zu 55.000 Menschen in die City strömen. Kernpunkt des Verkehrskonzepts bleibe aber, das Gros des Autoverkehrs aus der Innenstadt herauszuhalten, erklärte Jana. Sieben Park+Ride-Anlagen mit 2850 Stellplätzen werden dafür weiter ausgebaut. Die Beschilderung für den kürzesten Weg mit Bus und Bahn in die Stadt steht schon fast überall. In diesem Jahr sollen außerdem Toilettenhäuschen aufgestellt werden.

Vor allem sollen auswärtige Besucher die Plätze leicht finden. Die Kommune sei mit dem Freistaat und Sachsen-Anhalt im Gespräch, bereits an den Autobahnen stärker mit Wegweisern auf die Park+Ride-Plätzen Leipzigs hinzuweisen. Ein dynamisches Leitsystem in der Stadt, etwa per LED-Anzeige, soll mittelfristig kommen.

Mehr Parkplätze im Stadionumfeld

Trotzdem werden nun auch im Stadion-Umfeld weitere Parkplätze geschaffen. Noch 2016 will die Kommune die Ausschreibung für das Gelände des ehemaligen Schwimmstadions auf den Weg bringen. Bisher bietet die Parkfläche „Arena 2“ 420 Stellplätze. Ein privater Investor könnte in einem Parkhaus-Neubau bis zu 1500 Plätze schaffen. Damit wächst die Zahl der offiziellen Pkw-Stellplätze im Stadionumfeld auf rund 4000.

Rund 3000 offizielle Pkw-Stellplätze gibt es bisher im Stadionumfeld auf den Flächen Jahnallee (500), Arena 1 (500), Arena 2 (420) und Cottaweg (1600). Doch gerade der größte Parkplatz stehe wegen Kleinmesse oder Zirkusveranstaltungen häufig nicht zur Verfügung, erklärte Jana. Auch wenn das Parkhaus mehr Autos in Richtung Stadion lockt, gerate das Verkehrskonzept nicht aus den Fugen, sagt er. Die Kommune will die Stellplatz-Nutzung an Veranstaltungstickets koppeln und damit den Ansturm regulieren. Ein Teil der neuen Stellplätze könnten Veranstalter außerdem für VIPs reservieren, heißt es weiter.

Die ZSL Betreibergesellschaft, die Events in der Arena, auf der Festwiese und in der Red-Bull-Arena vermarktet, kann sich Bau und Bewirtschaftung „als Option vorstellen“, so Geschäftsführer Winfried Lonzen gegenüber LVZ.de. „Aber das muss auch wirtschaftlich sein“, so Lonzen weiter. Es nütze nichts, wenn das Parkhaus zweimal im Monat voll sei, und abseits der Events leer stehe. Stammparkplätze für die Anwohner im Waldstraßenviertel seien eine Möglichkeit, die man prüfen müsse. Auch ein Ankermieter im Erdgeschoss sei denkbar, Wunschpartner sei RB Leipzig. „Wir haben aber keine Pläne in der Schublade. Das ist eher ein Langzeitprojekt“, so Lonzen.

Waldstraßenviertel entlasten

Ob mit oder ohne Parkhaus: Die Bewohner des Waldstraßenviertels könnten bald stärker entlastet werden. Nach zwei neuen Gutachten und Abstimmung mit Bürgerverein und Anwohnern soll 2017 endlich das Bewohnerparken eingeführt werden, und zwar östlich und westlich der Waldstraße. Für 30,70 Euro Gebühr pro Jahr erwerben Anlieger dann ein Anrecht, mit der sie ausgeschilderte Parkbuchten nutzen können. Eine Garantie für einen Stellplatz bestehe damit aber nicht. Eine Reihe von Plätzen können per Parkschein von Jedermann genutzt werden. Etwa 250.000 Euro will die Kommune in die Umsetzung investieren, sofern der Stadtrat zustimmt. Darüber hinaus greift bei Großevents weiterhin die Schutzzone, die das Viertel zeitweise abriegelt.

Allen aufkeimenden Diskussionen über den Neubau eines Stadtrand-Stadions für RB Leipzig zum Trotz positioniert Leipzig sich weiterhin eindeutig: „Ein innerstädtischer Standort hat viele Vorteile für die Leipziger und ihre Gäste“, so Michael Jana. Nicht nur die kurzen Wege für einheimische Fans seien damit gemeint, sondern auch die Atmosphäre, in der RB-Fans „Familienfußball“ erleben könnten. „Das ist eine besondere Chance für RB Leipzig, den Fußball in der Stadt zu verankern.“

So wird das Verkehrskonzept weiter ausgebaut:

#Gästefans: Shuttle-Service! Gästefans könnten künftig per Pendelbus von ausgewiesenen Parkflächen zum Stadion gefahren werden. Geprüft werden laut Verwaltung Flächen in Leutzsch in der Rückmarsdorfer Straße, an der LVB-Gleisschleife an Georg-Schwartz-Brücken und am Elster-Saale-Kanal nahe der B181. Die Einrichtung von Shuttle und Parkplätzen habe RB Leipzig in der Regie.

#ÖPNV: Bahn frei auf der Waldstraße! Nach dem Ende eines Fußballspiels oder Events soll der Autoverkehr von Norden zeitweise nicht mehr in die Magistrale einfahren können, damit die Straßenbahn freie Fahrt hat. Die Wendeschleife Feuerbachstraße wird außerdem so ausgebaut, dass Engstellen nicht mehr zugeparkt werden können. Noch Zukunftsmusik: Die Machbarkeit für eine zusätzliche Straßenbahn-Haltestelle östlich des Stadions wird untersucht.

#Fußgänger + Radfahrer: Mehr Licht! An den Straßenbahnhaltestellen, auf dem Stadionvorplatz und auf der Festwiese wurden bereits die Leuchtstärken der Laternen erhöht. Große Gruppen an Fußgängern, die über die Marschnerstraße zum Stadion kommen, können künftig leichter die Jahnallee überqueren: Per Software wird zu Events die Ampel-Grünphase verlängert. Radfahrer können noch nicht auf mehr Abstellbügel, zum Beispiel in der „Einflugschneise“ Elsterbecken, hoffen: Die Stadt muss erst die Umbaupläne für das Stadion abwarten, damit Zugänge und Besucherströme klar definiert sind.

Von Evelyn ter Vehn

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