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Verkehrsstress am Lindenauer Markt - Fußgänger fordern mehr Platz

Verkehrsforum Verkehrsstress am Lindenauer Markt - Fußgänger fordern mehr Platz

Am Lindenauer Markt bahnen sich Veränderungen an: Auf einem Verkehrsforum wurde gefordert, die Nordseite des Marktes komplett für den individuellen Autoverkehr zu sperren und die stadtauswärtige LVB-Haltestelle vor das Kaufland zu verlagern.

Der Ruf nach einer besseren Aufteilung des Straßenraumes am Lindenauer Markt wird lauter.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der Ruf nach einer besseren Aufteilung des Straßenraumes am Lindenauer Markt wird lauter. Nachdem Gutachter bereits ein integriertes Verkehrskonzept vorgelegt hatten (die LVZ berichtete), haben sich jetzt viele Lindenauer auf einem öffentlichen Verkehrsforum dazu geäußert. Der Tenor: Eine komplette Sperrung des Lindenauer Marktes für den Autoverkehr ist vorerst nicht sinnvoll, weil die Verkehrsverlagerung andere Straßen im Stadtteil zu stark belasten würde. Große Zustimmung gab es dagegen für den Vorschlag, zunächst die Nordseite des Marktes – also die Seite vor dem Kaufland-Einkaufszentrum – komplett für den individuellen Autoverkehr zu sperren. Dadurch würden mehr Flächen für Fußgänger und Radfahrer gewonnen, hieß es. Auch die massiven Probleme der Fußgänger und Straßenbahn-Fahrgäste im Bereich der stadtauswärtigen LVB-Haltestelle könnten dann behoben werden – perspektivisch könnten die Bahnen und Busse sogar direkt vor dem Kaufland halten. Für Autofahrer bleibt der Markt weiter über die Südseite erreichbar.

„Wenn die positive Entwicklung des Stadtteils beim letzten Umbau des Lindenauer Marktes absehbar gewesen wäre, hätte die Aufteilung der Fahrbereiche anders ausgesehen“, sagte Stefan Geiss vom Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung am Donnerstagabend im Haus der Diakonie in der Demmeringstraße 18. Durch das neue Einkaufszentrum habe der Markt eine viel positivere Entwicklung genommen und der Zuzug von Neubürgern nach Lindenau wachse auch immer mehr.

Stadtplaner Fritjof Mothes, dessen Büro „Stadtlabor“ im Auftrag des Rathauses mehrere Monate lang die Verkehrsströme auf dem Lindenauer Markt und in den angrenzenden Vierteln untersuchte, teilt diese Einschätzung. „Der Markt ist das Herz von Lindenau“, erläuterte er. „Es muss pulsieren und leben können, damit der Stadtteil funktioniert.“ Dies gelinge bei der aktuellen Verkehrsaufteilung für den Autoverkehr zwar noch, aber bei weitem nicht für Fußgänger und Radfahrer. „Wir müssen Veränderungen in Altlindenau aber behutsam vornehmen, weil jede Verkehrsverlagerung Probleme in der Nachbarschaft auslösen kann“, empfahl er.

Wie dies auf dem Lindenauer Markt geschehen könnte, soll jetzt im Stadtbezirksbeirat und in einem Bürger-Workshop analysiert werden, der im Mai oder Juni vor Ort stattfindet. „Dort können wir über die Neugestaltung von Platz- oder Gehwegflächen reden“, skizzierte Geiss die Pläne. „Wir können auch einzelne Verkehrspunkte optimieren. Doch für größere Veränderungen wie die Verlegung der Straßenbahnhaltestellen vor den Kaufland-Markt würde unser Budget nicht ausreichen.“ Denn bislang gebe es noch nicht einmal ein ausdrückliches Mandat des Stadtrates, für Altlindenau wesentlich neue Verkehrslösungen umzusetzen. Deshalb könnte der Workshop dafür genutzt werden, dem Stadtrat entscheidende Argumente für eine Umgestaltung zu liefern.

Christina Weiß, Vorsitzende des Lin- denauer Stadtteilvereins, nannte den Vorschlag eine „Super-Gelegenheit“, um Lindenau voranzubringen. „Wir dürfen aber nicht bei Planspielen stehenbleiben“, forderte sie. „Wir müssen tatsächlich zu Veränderungen kommen.“

In der Diskussion wurde deutlich, dass eine bessere Kontrolle des Autoverkehrs von der Kuhturmstraße bis zum Lindenauer Markt gewünscht wird. Weil dort täglich rund 450 Fahrzeuge widerrechtlich auf den Markt fahren, sollte der Einbau einer Polleranlage geprüft werden.

Inakzeptabel ist für viele Lindenauer  auch, dass täglich hunderte Fahrzeuge die Goetzstraße nutzen, um auf die Nordseite des Marktes zu gelangen. Auch dies müsse besser unterbunden werden, wurde gefordert.
Wegen der Stellplatznot in der Marktstraße müssten dort mehr Kurzzeitparkplätze geschaffen werden, um den Besuchern des Westbades das Abstellen ihrer Fahrzeuge zu erleichtern, lautete ein weiterer Vorschlag.
Auf dem Verkehrsforum waren Vertreter fast aller im Stadtrat vertretenen Parteien anwesend. Einige von ihnen signalisierten, dass sie den Lindenauer Markt im Stadtrat zum Thema machen wollen. Andere begrüßten ausdrücklich das vorgeschlagene Vorgehen und die neuen Denksätze.

Von Andreas Tappert

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