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Lokales Verlag Breitkopf & Härtel schlägt wieder Wurzeln am Gründungsort Leipzig
Leipzig Lokales Verlag Breitkopf & Härtel schlägt wieder Wurzeln am Gründungsort Leipzig
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22:00 02.07.2017
Verlagschef Nick Pfefferkorn, gebürtiger Leipziger, fühlt sich der fast 300-jährigen Firmentradition von Breitkopf & Härtel verpflichtet. In dieser Stötteritzer Villa in der Thiemstraße geht heute die Leipziger Niederlassung an die Arbeit. Das weltbekannte Unternehmen hatte früher seinen Sitz in der Bauhofstraße (Foto links). Quelle: Fotos: André Kempner
Leipzig

Nur selten im Leben bekommt jemand Gelegenheit, ein Stück Geschichte zu korrigieren. Nick Pfefferkorn, gebürtiger Leipziger, hat jetzt die Gelegenheit. Und er packt sie beim Schopf: Ab heute lässt er Breitkopf & Härtel, den ältesten Musikverlag der Welt, wieder eine zarte Wurzel am Traditionsstandort Leipzig schlagen. „Es wäre ein historischer Fehler, diese Verbindung nicht wiederherzustellen“, glaubt der 40-jährige ausgebildete Kaufmann und studierte Fagottist. Seit Januar 2017 hat er die Chance dazu – seitdem ist er Geschäftsführender Gesellschafter von Breitkopf & Härtel in Wiesbaden.

Die ersten Kartons aus Wiesbaden kehren nach Leipzig zurück. Quelle: Kerstin Decker

Eine Aufgabe, die ihn stolz macht und mit Ehrfurcht erfüllt: „Ich kann es kaum glauben, dass ich jetzt der Nächste in der Verlegerlinie bin. Zumal ich als Erster nicht aus der Familie komme.“ In großem Respekt vor dieser Leipziger Dynastie ist er aufgewachsen. „Ich kannte die Geschichte, ich kannte die Noten, und ich habe Musikern immer wieder den alten Verlagssitz gezeigt.“ Breitkopf & Härtel – das ist der Verlag von Bach, Mendelssohn Bartholdy, Brahms, Beethoven, Händel, Haydn, Liszt, Schubert, Schumann oder Wagner.

1996 hatte Pfefferkorn seinen eigenen Musikverlag in Leipzig gegründet. Im April 2015 kam er auf der Frankfurter Musikmesse mit Breitkopf & Härtel in Kontakt. Und schon im September des gleichen Jahres wurde er als dessen Verlagsleiter angestellt. Verlegerin Lieselotte Sievers, gebürtige Leipzigerin, heute knapp 90 Jahre alt, hatte lange jemanden gesucht, dem sie das Unternehmen und die fast 300-jährige Familientradition in gute Hände legen kann.

Seither pendelt Nick Pfefferkorn zwischen Wiesbaden und seinem Wohnsitz im Leipziger Waldstraßenviertel. Das wird auch so bleiben: Freitags arbeitet er in Leipzig, montags bis donnerstags am Hauptsitz, wo knapp 70 Mitarbeiter tätig sind. Die kleine Leipziger Niederlassung startet mit zwei Vollzeit-Stellen und bietet darüber hinaus Praktikanten-Arbeitsplätze. Das 300-jährige Gründungsjubiläum soll 2019 unbedingt auch in Leipzig gefeiert werden.

2014 packte Lektor Thomas Frenzel die Noten für den Umzug nach Wiesbaden ein. Quelle: Andre Kempner

Als der Verlag 2014 Leipzig endgültig den Rücken kehrte, war Nick Pfefferkorn noch ein Außenstehender. „Ich habe den Weggang damals nicht verstanden“, räumt er ein. Heute, nach vielen Gesprächen mit Erbin Lieselotte Sievers, weiß er: Aufgrund einer Erbregelung war es unumgänglich, den Verlagsteil in Leipzig zu verkaufen, damit wenigstens der Teil im Westen überleben konnte. Tragisch – denn der Kontakt zwischen Wiesbaden und Leipzig war auch zu DDR-Zeiten nie abgerissen, als der Verlag enteignet und zum „VEB Breitkopf und Härtel“ verstaatlicht worden war. 1991 hatte die Familie die Rückübertragung erwirkt und bis 2014 auch wieder am Gründungsort gearbeitet.

Der 1719 gegründete Verlag war (und ist) ein Schwergewicht in Deutschlands früherer Buchstadt Nummer Eins, eine starke Säule im Leipziger Verlagsleben neben Edition Peters, Brockhaus, Kiepenheuer, Reclam, Baedeker, Seemann und den anderen namhaften Häusern. Zwischen den Weltkriegen hatte Breitkopf & Härtel um die 1000 Mitarbeiter, eine eigene Notenstecherei, Druckerei und Buchbinderei. Im Jahrhundert davor gab es sogar eine eigene Pianoforte-Produktion. Beim Bombenangriff am 4. Dezember 1943 brannte ein Teil der Firma an der Bauhofstraße / Nürnberger Straße nieder. 1945 floh Verleger Hellmuth von Hase mit seiner Frau, vier Töchtern – darunter Lieselotte Sievers – , den drei engsten Mitarbeitern und drei Lkw voller Noten vor den Russen nach Wiesbaden.

Der Verlag war bis 2014 in der Bauhofstraße ansässig. Quelle: Andre Kempner

Auch heute zählt Breitkopf & Härtel zu den Top Drei der sogenannten E-Musik-Verlage weltweit. „Es ist ein Anfang“, sagt der junge Verlagsschef zum Neustart in Leipzig. „Wer weiß, wenn ich eines Tages als Verleger abtrete, heißt es vielleicht wieder: Breitkopf & Härtel Leipzig“, träumt er.

Von Kerstin Decker

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