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Verlotterter Zustand: Im Leipziger Elsterstausee grasen Yaks

Wird das hier noch was? Verlotterter Zustand: Im Leipziger Elsterstausee grasen Yaks

Die Stadt lässt das Areal des ehemaligen Elsterstausees systematisch verlottern. Das sagt Ingo Sasama (54), der vor gut zweieinhalb Jahren den Imbiss "Zum Flotten Radler" gepachtet hat und dort seitdem Gäste versorgt.

Eine Herde Yaks soll verhindern, dass auf dem Boden des ehemaligen Elsterstausees ein Wald wächst.

Quelle: Mathias Orbeck

Die Stadt lässt das Areal des ehemaligen Elsterstausees systematisch verlottern. Das sagt Ingo Sasama (54), der vor gut zweieinhalb Jahren den Imbiss "Zum Flotten Radler" gepachtet hat und dort seitdem Gäste versorgt. Die Anlage ist gut gepflegt und ausgebaut, hieß früher mal "Zum wilden Hecht". Da der See aber inzwischen ausgetrocknet ist, erschien dieser Name dem Gastronomen, der auch als Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Rathaus arbeitet, irgendwie unpassend.

 Das Areal um den Radlertreff herum wirkt an vielen Stellen ungepflegt, etwa im Bereich des ehemaligen Spielplatzes und Strandbades, wo mittlerweile Bänke verrotten und Papierkörbe überquellen. Die Zufahrt zum Parkplatz - immerhin eine öffentliche Straße - ist zwar ausgebaut. Doch die Sicht für Autofahrer ist an vielen Stellen schwierig, da Gehölze an der Straße schon lange nicht mehr zurückgestutzt werden. Viele Bäume sind zudem als brüchig markiert - können durch herabfallende Äste für Passanten gefährlich werden. "Manchmal werde ich von Spaziergängern beschimpft. Dabei ist die Stadt für die Pflege zuständig." Sasama hatte zunächst einen Pflegevertrag für den ehemaligen Strandbereich abgeschlossen. Diesen Vertrag hat er im Dezember 2014 gekündigt, weil die zugebilligten 405 Euro pro Jahr nicht mal Personal- und Benzinkosten, geschweige denn Material decken. Ein Rasentraktor ging kaputt, zumal der Grund uneben wird. Wildschweine haben den Boden aufgewühlt. Das Amt für Stadtgrün lehnte eine Unterstützung ab, wollte sich auch nicht an den Kosten für einen Rasentraktor beteiligen. "Das Gelände ist kein Park, sondern ein Waldgebiet. Deshalb wird es nicht von der Stadtreinigung betreut. Wir werden dort auch keine neuen Papierkörbe aufstellen und täglich leeren", sagt Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) auf LVZ-Nachfrage. Er vertraue da auf die Fachkompetenz des Stadtforstes.

 Mittlerweile mehren sich Sorgen, dass die Stadt am zwischen 1933 und 1935 künstlich entstandenen Elsterstausee einfach Tatsachen schaffen will. Hintergrund: Der See ist verlandet, da seine Sohle defekt ist. Er ist ausgetrocknet, nachdem die Wasserzufuhr aus Kostengründen eingestellt wurde. Wie es weitergeht, ist unklar. Der Stadtrat hatte im Juni 2009 zwar festgelegt, den Elster- stausee als naturnahes Erholungsgebiet zu erhalten, sofern es wirtschaftlich vertretbar ist. Auf LVZ-Nachfrage hatte Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal erst im August 2015 angekündigt, dass die Landesdirektion ein (weiteres) Gutachten über die Standsicherheit der Dämme und Dammkronen verlangt. Sobald dies vorliegt, könne er dem Stadtrat einen Vorschlag machen, ob es ein Comeback für den See geben kann oder eben nicht. Bis dahin soll zumindest alles getan werden, damit alle Optionen offen bleiben. Inzwischen wachsen aber teilweise mannshohe Bäume auf dem einstigen Seegrund, der sich immer mehr zum Wald entwickelt. Um das zu verhindern, sollen dort Schafe und Ziegen weiden, inzwischen auch Yaks. Die Rinder befinden sich allerdings nur in einem vergleichsweise kleinen Gehege auf einem kleinen Zipfel des ehemaligen Sees. Schafe sind derzeit keine zu sehen. "Die Stadt will offenbar vollendete Tatsachen schaffen und einen Wald wachsen lassen", konstatiert Grünen-Stadtrat Michael Schmidt. Und verweist auf Parallelen zur Thomas-Müntzer-Siedlung, wo sich auf einem ausgewiesenen Bauland Bäume ausbreiten konnten und dieses von der Forstbehörde schließlich als Wald eingestuft worden war (die LVZ berichtete). Rosenthal weist dies zurück: "Wir schaffen keine vollendeten Tatsachen, die die Entscheidung Pro oder Contra Elster- stausee vorwegnehmen." So werde das Land im Frühjahr und Frühsommer beweidet. "Durch den Verbiss an den Stämmen werden bis zu 80 Prozent der Bäume geschält, die dann perspektivisch absterben." Wer dort entlangradelt, kann sich das allerdings nur schwerlich vorstellen.

 Ob See oder neuer Wald - das ist für Sasama, der als Unternehmer mit beiden Optionen leben kann, gar nicht der Punkt. "Wir brauchen eine Entscheidung, damit die grüne Oase nicht weiter vergammelt", sagt er.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.09.2015
Mathias Orbeck

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