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Lokales Versöhnungssex der Urwald-Hippies
Leipzig Lokales Versöhnungssex der Urwald-Hippies
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15:45 19.05.2015
Buchautor Sebastian Wenger. Quelle: André Kempner

"Ich trete da in so einer Kostümmischung aus Schimpanse und Bonobo auf und irgendwann haben mich Freunde angestiftet, doch mal ein Buch über unsere nächsten Verwandten zu schreiben." Jetzt liegt das Werk vor - auf 250 Seiten geht's darum, was im Titel gerafft ist: "Der glückliche Affe - und was wir von ihm lernen können".

Wann recherchierte ein vielbeschäftigter Kommilitone wie Wenger, der sich als Tennistrainer und Skilehrer etwas dazu verdient, für einen Stoff, der abseits seiner Sportprofession liegt. Und wann brachte er das Ganze zu Papier? "Immer, wenn mal Zeit war, zwischendurch sozusagen", erzählt der gebürtige Münchner, der schon einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre in der Tasche hat. Feldforschung betrieb er im Pongoland des Leipziger Zoos, wälzte Fachlektüre und hatte tierischen Spaß daran, Kapitel für Kapitel in den Computer zu tippen. 14 sind es geworden - amüsant und mit populärwissenschaftlichem Anstrich streift Wenger durchs Revier. Quintessenz: Der Homo sapiens sollte sich bei den Primaten-Brüdern mal ein paar Tricks ablauschen, weil die alles nicht so verbissen sehen: Alles Banane sozusagen, immer schön locker bleiben. Beispielsweise wenn dicke Luft herrscht.

Stichwort Konfliktbewältigung: Die Bonobos als Urwald-Hippies lassen es da nicht krachen, sondern setzen auf Versöhnungssex, der zur Orgie ausartet. Allerdings sei diese Strategie zur Deeskalation für unsereins nicht in allen Lebensbereichen zu empfehlen, lässt Wenger die Leser wissen. Vor allem in Großraumbüros rate er von einer Nachahmung ab. Natürlich stimmt auch in Affen-Clans die Chemie nicht immer. Impulsiv wird sich dann beharkt und ordentlich Dampf abgelassen, bis kein Druck mehr im Kessel ist oder der Streitschlichter eingreift. Nachtragend sind die Kontrahenten nicht, "die Sache ist dann vom Tisch" und gegessen.

Womit Wenger beim Thema Schmaus angekommen ist, bei dem die Affen auf ausgewogene Ernährung erpicht sind und ihren Speiseplan mit allerlei Gourmet-Gerichten bereichern. So sind die Rotgesichtsmakaken auf den Dreh gekommen, Süßkartoffeln nach jedem Biss ins Meerwasser zu tauchen, damit sie deftiger munden. "Sie haben die Salsa-Würze erfunden." Schimpansen wiederum knacken Pandanüsse durch Stein- und Knüppelschläge oder angeln sich Termiten mit Stöckchen. Affen sind Genussarbeiter, lassen sich Zeit beim Verzehr, pflegen die Nahrungsaufnahme oft in Gesellschaft, teilen redlich. Eine Esskultur, bei der sich die moderne Zivilisation eine Scheibe abschneiden sollte, findet Wenger.

Mit einem Schuss Humor wird serviert, was er alles zusammengetragen hat über das Verhalten der haarigen Gesellen. Zuweilen pfeifen sie sich gegorene Früchte oder alkoholisiertes Zuckerrohr ein, taumeln berauscht herum und lassen dann alle viere gerade sein. Andere haben das Gift von bestimmten Tausendfüßlern als Schutz vor Parasiten für sich entdeckt, wobei unklar bleibt, ob ihnen die Nebenwirkung nicht wichtiger ist als die Schädlingsbekämpfung. Denn der Stoff wirkt auch als Droge und lässt Kapuzineraffen und Lemuren für 20 Minuten wegtreten. Zugedröhnt werden sie dann aber leicht zur Beute, was den Autor zu einem warnenden Fingerzeig in Richtung Drogenmissbrauch veranlasst. Zum Vorbild sollte sich hingegen die ausgeprägte Kuschelneigung der Affen genommen werden: "Da werden Glückshormone frei und produzieren das Gefühl von Leichtigkeit und Geborgenheit."

iÜber www.epubli.de ist das Buch für 18,99 Euro erhältlich.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.09.2013

Mario Beck

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