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Verspätungen und zu viele Fahrräder im Leipziger S-Bahn-Netz

Kritik am Betreiber Verspätungen und zu viele Fahrräder im Leipziger S-Bahn-Netz

So massiv hatten es die Betreiber des mitteldeutschen S-Bahn-Netzes nicht erwartet: Am Dienstagabend schlug ihnen bei einer Podiumsdiskussion harsche Kritik entgegen. Die neue S-Bahn sei zwar prinzipiell gut, aber es gebe noch viel Nachbesserungsbedarf, so der Tenor unter den Teilnehmern.

Die Untergrundstationen – hier unter dem Wilhelm-Leuschner-Platz – sind vorbildlich. Doch beim Betrieb des neuen S-Bahn-Netzes wollen die Fahrgäste mehr Pünktlichkeit, mehr Informationen bei Störungen im Netz und mehr Platz in den Spitzenzeiten.

Quelle: Foto: dapd

Leipzig. Den Betreibern des mitteldeutschen S-Bahn-Netzes las Carsten Schulze vom Fahrgastverband Pro Bahn die Leviten. „Das dicke Ende kommt erst noch“, prophezeite er mit Blick auf die überfüllten Züge. In Deutschland würden alle S-Bahn-Systeme wachsen und gerade im neuen mitteldeutschen Netz gebe es „noch eine ganze Menge Luft nach oben“.

Angesichts dieser absehbaren Entwicklung reiche es nicht aus, nur hier und da einen neuen Haltepunkt zu schaffen oder die relativ zahlreichen defekten S-Bahn-Züge schnell zu reparieren. Notwendig seien Visionen, die diesen Namen verdienen. „Es wird eindeutig zu wenig getan, um die Lücken im Netz zu schließen“, befand Schulze. Es müsse auch „mehr Gewicht“ in die Waagschale der Politik geworfen werden, um den Interessen der Fahrgäste zu entsprechen. Wer ständig von einer Einschwingphase des Systems spreche - also einen Zeitraum von mindestens drei Jahren als Eingewöhnungsphase für Fahrgäste und Zugverbindungen reklamiere – müsse „die Schaukel auch anschubsen“, so Schulze.

Vertreter des Verkehrsclubs Deutschlands mahnten an die Fahrgastinformation an den Stationen zu verbessern. Im Hauptbahnhof werde eine eigenständige große Anzeigetafel für die S-Bahnen benötigt, hieß es. Vorbildlich sei die Information für Fahrgäste, die an der Petersstraße am Zugang zur S-Bahn-Station Wilhelm-Leuschner-Platz steht. Dort würden auch die Verknüpfungen der S-Bahnen mit den Straßenbahnen des benachbarten Straßenbahn-Haltepunktes angezeigt. Solche Anzeigetafeln sei auch am Bayrischen Platz und am MDR wünschenswert.

Christoph Waack vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Leipzig forderte, die kostenlose Fahrradmitnahme in den S-Bahnen beizubehalten. Um die Züge von Fahrrädern zu entlasten, sollten bessere und vor allem sichere Abstellmöglichkeiten an den Stationen geschaffen werden, so der Vorsitzende des ADFC Leipzig. Auch verbesserte Radwege ins Umland – die als Radschnellwege genutzt werden könnten – würden die Fahrradmitnahme in den Bahnen reduzieren.

Ulrich Patzer vom ADFC regte an, Fahrradstationen zu schaffen, die diesen Namen verdienen. Die ursprünglich am Leipziger Hauptbahnhof angedachte Fahrradstation sei weit unter den Erwartungen geblieben, stellte er fest.

Um die von abgestellten Fahrrädern überquellende S-Bahn-Station MDR zu entlasten, forderte Carsten Schulze, die Führung der Buslinie 60 zu optimieren. Wenn diese besser mit den angrenzenden Wohngebieten verknüpft werde, würden nicht mehr so viele Anwohner mit dem Fahrrad zur Station fahren, prophezeite er.

Oliver Mietzsch von Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) räumte ein, dass die Informationspolitik bei Störungen noch zu wünschen übrig lässt. „Da müssen wir alle dran arbeiten“, sagte er. Darüber hinaus plane der ZVNL, am Güterverkehrszentrum einen neuen S-Bahn-Haltepunkt zu schaffen.

Dirk Schadewaldt vom Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) zeigte sich für Veränderungen im Tarifsystem offen. „Wenn Sie eine einfache Lösung haben, kommen Sie zu mir – ich bin da total offen“, bot er an. Ron Böhme (MDV) kündigte eine Wachstumsinitiative im ländlichen Raum an. Es sei geplant, dort den Zubringerverkehr zu den S-Bahn-Haltepunkten deutlich zu verbessern. Böhme sprach von einem „Paradigmenwechsel“, ohne Details zu nennen.

Von Andreas Tappert

Leipzig, Härtelstraße 21 51.332729 12.374935
Leipzig, Härtelstraße 21
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