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Verwalter des Leipziger Westwerks: Werden den Charakter nicht zerstören

Reaktion auf Initiative „Westwerk retten“ Verwalter des Leipziger Westwerks: Werden den Charakter nicht zerstören

Ist die subkulturelle Zukunft des Westwerks im Stadtteil Plagwitz bedroht? Ein anonymes Schreiben sorgt seit Anfang der Woche für Aufregung im Stadtteil. Kunst und Kultur sollen angeblich Supermarkt, Billardhalle und Parkhaus weichen. LVZ.de sprach mit Verwalter Peter Sterzing.

Blick auf das Westwerk an der Karl-Heine-Straße. (Archivfoto)
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Seit zehn Jahren ist das Westwerk im Stadtteil Plagwitz ein wichtiger Standort der freien Kunst- und Kulturszene im Westen der Messestadt. Das markante Gebäudeensemble des ehemaligen VEB Industriearmaturen ist Domizil für diverse Künstler, Handwerker und Vereine, bietet zudem auch Raum für Ausstellungen und Veranstaltungen – wie etwa die Leipziger Jahresausstellung. Laut eines Anfang der Woche im Internet veröffentlichten Aufrufs mit dem Titel „Westwerk retten“ soll nun jedoch die Zukunft des Standorts als subkultureller Raum bedroht sein. Für den 11. Februar wurde sogar eine Demonstration angekündigt. Den Befürchtungen zufolge plant der Vermieter statt einer Galerie nun unter anderem einen Supermarkt und will zudem ein Parkhaus am Westwerk errichten lassen. LVZ.de sprach darüber mit Westwerk-Verwalter Peter Sterzing.

Frage: Es rumort wieder in Plagwitz. Ein anonym im Internet veröffentlichter Aufruf behauptet, das Westwerk soll umstrukturiert werden. Was ist dran am Gerücht?

Peter Sterzing: Wir sehen das Westwerk als Stadtteilzentrum und das braucht auch Vielseitigkeit. Klar ist, wir sind kein Verein, auch nichts kommunales, wir müssen natürlich Geld mit Vermietung und aus Veranstaltungen verdienen. Das war aber auch schon immer so, solange das Westwerk in seiner heutigen Form besteht. Es gab und gibt fortlaufend Veränderungen im Stadtteil und so auch im Westwerk. Es wird auch jetzt Umstrukturierungen geben, aber wir werden den Charakter und die Vielseitigkeit des Stadtteilzentrums nicht zerstören.

Frage: Konkret heißt es, bisherige Mieter des Westwerks müssen weichen, ein Supermarkt soll dafür einziehen.

Peter Sterzing: Wir haben im Westwerk etwa 100 Mieter – darunter Künstler, Vereine, Gastronomie. Richtig ist, dass zuletzt zehn Räume gekündigt wurden, darunter auch die Halle der Galerie Westpol. Aber das betrifft eben nur zehn von vielen Mietern. Die Zeiten ändern sich, wir brauchen die freien Flächen, auch um Dinge sanieren zu können. Wir haben immer auf zarte Sanierungen gesetzt, so auch jetzt. Technische Sachen müssen zum Teil verbessert, Heizungen eingebaut werden. Eine so große Halle, wie die bisher vom Westpol genutzte, braucht langfristig einen Mieter, der sie bezahlen kann. Das Westpol war fünf Jahre bei uns, ohne überhaupt Miete zu zahlen. Und das war solange für uns auch ok. Sie hätten auch noch länger bleiben können, wenn sie hätten zahlen können. Aber das Westpol hat bisher ja noch nicht einmal eine juristische Form für sich gefunden, für die es auch andere finanzielle Bezugsquellen gäbe. Deshalb haben wir im August angekündigt, dass sie ausziehen müssen.

Frage: Wie konkret sind die Umstrukturierungspläne?

Peter Sterzing: Zu den neuen Vermietungen und Umstrukturierungen ist noch nichts festgelegt, es gibt auch keine konkreten Verträge oder Absprachen mit einem Supermarkt. Der ebenfalls kolportierte Einzug einer Billardhalle stand zwar im Raum, ist bisher aber auch nicht festgelegt. Es wird auch kein Parkhaus geben. Wir müssen allerdings die bereits bestehenden Parkflächen mit einer weiteren Ebene erweitern – für das Tagesgeschäft und weil wir die Stellflächen auch gegenüber der Stadt nachweisen müssen. Mehr als eine weitere Ebene wird es aber nicht geben. Richtig ist allerdings, wir suchen für die frei werdenden Räume etwas, das jeden im Stadtteil anspricht und nicht nur sehr spezielle Interessen bedient. Wir müssen das Westwerk ja auch finanzieren können – so wie der Felsenkeller die Sanierung mit einem Supermarkt finanziert oder die Spinnerei ein Callcenter reingeholt hat. Das wird die Vielfalt aber nicht zerstören.

Frage: Das heißt, der Aufruf samt angekündigter Demonstration sind aus ihrer Sicht unbegründet?

Peter Sterzing: Ich habe natürlich Verständnis für die Angst vor Veränderung. Das ist etwas völlig normales. Ich hätte mir bei dem verbreiteten Aufruf aber doch auch etwas mehr Transparenz gewünscht, und nicht einfach so etwas anonymes. Unsere Türen stehen immer allen Mietern offen, wir haben auch immer ein Ohr für Vorschläge, wie es mit dem Westwerk weitergehen soll. Ich möchte das auch als Aufforderung verstanden wissen, uns weiter Ideen zu unterbreiten.

Interview: Matthias Puppe

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