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Lokales Verzichtet Leipzig ab 2023 auf Fernwärme aus Lippendorf?
Leipzig Lokales Verzichtet Leipzig ab 2023 auf Fernwärme aus Lippendorf?
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13:33 05.12.2018
Muss von dieser Tafel am Kraftwerk Lippendorf in fünf Jahren der Hinweis „Wärme für Leipzig“ gestrichen werden? Quelle: André Neumann
Leipzig

Leipzigs Grüne und Linke dürften bald einen großen Erfolg für sich verbuchen. Die beiden Stadtratsfraktionen kämpften seit Jahren darum, dass sich Leipzig möglichst schnell von Fernwärme-Lieferungen aus dem Braunkohlekraftwerk in Lippendorf verabschiedet. Wie berichtet, erneuerten beide Parteien erst bei ihren jüngsten Stadtparteitagen ihre Forderungen, für den Ausstieg sei das Auslaufen des aktuellen Fernwärmeliefervertrages im Jahr 2023 zu nutzen (die LVZ berichtete).

Fernwärme überwiegend aus Braunkohle

Aus Lippendorf stammt reichlich die Hälfte der in Leipzig benötigten Fernwärme (konkret etwa 200 von 350 Megawatt bei einem durchschnittlichen Winter). Das hiesige Fernwärmenetz gehört den Leipziger Stadtwerken. Die Chefs dieses kommunalen Unternehmens sowie ihres Mutterkonzerns standen Forderungen nach einem schnellen Aus für Lippendorf bisher eher skeptisch gegenüber. Sie betonten, es sei „ökologisch und ökonomisch unsinnig“, die Abwärme aus der Braunkohleverbrennung nicht mehr zu nutzen, solange dort Strom für etwa drei Millionen Haushalte produziert wird. Doch solche Sichtweisen könnten schon ab heute nur noch Schnee von gestern sein.

Stadtrat ließ zwei Szenarien prüfen

Heute, 10 Uhr, will Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) gemeinsam mit Chefs des Stadtkonzerns bei einer Pressekonferenz über „ein Zukunftskonzept für eine nachhaltige Wärmeversorgung Leipzigs“ informieren. Es gehe darum, „wie die Wärmewende Leipzigs und die künftige Fernwärmeversorgung der Stadt gestaltet werden können“, heißt es in der Einladung. Kurz zuvor sickerte aus Jungs Umfeld heraus, dass der Oberbürgermeister zu einer Eigenversorgung Leipzigs bereits ab 2023 tendiere. Das überrascht nun doch ein wenig. Bekanntlich sollte der Stadtkonzern im Auftrag des Stadtrates zwei Szenarien erstellen: Unter welchen Voraussetzungen ein Verzicht auf Lippendorf im Jahr 2023 oder im Jahr 2030 möglich wäre. Als wahrscheinlich galt bislang eine Fixierung auf 2030.

Zweites Gaskraftwerk im Leipziger Süden

Nach LVZ-Informationen lautet das nun vorliegende Ergebnis aber so, dass die Umstellung bis 2023 technisch realisierbar ist. Dafür müssten die Stadtwerke zeitnah ein zweites Kraftwerk in ähnlicher Größe wie die Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) an der Eutritzscher Straße errichten. Sie hat eine thermische Leistung von 200 Megawatt. Genug Platz dafür gäbe es an den Standorten der früheren Heizkraftwerke in der Arno-Nitsche-Straße oder Raschwitzer Straße. Der restliche Bedarf für das schnell wachsende Fernwärmenetz ließe sich durch dezentrale Anlagen sichern – wie jene vier Blockheizkraftwerke mit acht Megawatt Gesamtleistung, welche die Stadtwerke in jüngster Zeit gebaut hatten.

Risiken bei Genehmigungen und Fördermitteln

Das Szenario 2023 hat aber zwei Unsicherheitsfaktoren. Wie lange dauert die immissionsschutzrechtliche Erlaubnis für ein großes Kraftwerk, das mit Erd-, Bio- und technischen Gasen befeuert werden kann? Und wie verhalten sich Bund und Land bei zwingend benötigten Fördermitteln? Schließlich würde die Umstellung grob geschätzt 300 Millionen Euro kosten.

Von Jens Rometsch

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