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Lokales Victoriahaus-Sanierung im Botanischen Garten startet
Leipzig Lokales Victoriahaus-Sanierung im Botanischen Garten startet
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22:30 16.10.2015
Rektorin Schücking, Sparkassenchef Langenfeld und Direktor Wirth (v.l.)  Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

Dem baufälligen Victoriahaus geht es endlich an den Kragen. Mit dem symbolischen Spatenstich wurde die Bauphase am Freitag eröffnet. Universitätsrektorin Beate Schücking, Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender der Leipziger Sparkasse, und Christian Wirth, Direktor des Botanischen Gartens, griffen beherzt zu den Spaten. Unterstützt wird die Sanierung von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Leipzig mit 95.000 Euro.

Das Gewächshaus, welches so stiefmütterlich hinter den großen, modernen Gewächshäusern des Gartens steht und mit seinem Gerippe aus Stahl, das Bedürfnis in einem weckt, es in eine kuschelige Decke hüllen zu wollen, ist ein „wahres Schätzchen“, wie Rektorin Schücking erklärt. Denn das Victoriahaus ist eines der letzten noch original erhaltenen Gewächshäuser dieser Art. „In den Jahren 1949 bis 1902 wurden etwa 20 solcher Häuser weltweit gebaut“, erklärt Prof. Wirth. Heute sind die meisten abgerissen oder soweit renoviert, dass man sie nicht mehr als authentisch bezeichnen kann. Das Gewächshaus ist in der Leipziger Industriebauweise erbaut worden: Aus vernietetem Gusseisen in das die Gläser dann hineingekittet wurden. Nach der Renovierung soll die Stahlkonstruktion, die in ihrer Form an einen achteckigen Schirm erinnert, in neuem Glanz erstrahlen.

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Das baufällige Victoriahaus in Leipzig soll in neuem Glanz erstrahlen. Das historische Gewächshaus ist eines der letzten noch original erhaltenen seiner Art. Impressionen aus dem Botanischen Garten.

Erbaut wurde das Glashaus 1877 und ist das drittälteste seiner Art. In Deutschland sogar das einzige – und nicht nur deswegen etwas besonderes. Denn, die Pflanze, die Riesenseerose Victoria amazonica, für die diese Art der Treibhäuser im 19. Jahrhundert konstruiert worden sind, wurde von Eduard Friedrich Poeppig – seiner Zeit Direktor im Botanischen Garten – entdeckt. Auf einer zehnjährigen Forschungsreise durch Amerika fand der Botaniker und Mediziner die Pflanze im Amazonasgebiet und brachte sie mit nach Deutschland.

„Vor allem in England interessierte man sich in diesem Jahrhundert für Gärten und Pflanzen. Adlige beschäftigten plant hunter“, sagt Wirth. Diese sogenannten Pflanzenjäger waren damit beauftragt, immer neue und schönere Gewächse zu finden und in den Gärten der reichen Bürger zu pflanzen. „Es gab einen richtigen Hype – jeder wollte eine Victoria haben“, sagt der Direktor. So ist es nicht verwunderlich, dass ein Engländer im Jahr 1849 das erste Victoriahaus auf der Insel baute. Bezeichnete Poeppig seine Entdeckung als Euryale amazonica, war es auch ein englischer Kollege, der die Seerose der Gattung der Victoria zuordnete – benannt nach der damals frischgekrönten Queen Victoria.

 Das „Must-have des 19. Jahrhunderts“, wie Wirth die Pflanze scherzhaft nennt, klingt beeindruckend: Die Blätter der Seerose können einen Durchmesser von bis zu drei Metern erreichen und sogar einen erwachsenen Menschen tragen. Die Pflanze blüht zwei Tage. Am ersten Tag ist sie weiß und am zweiten Tag wird sie rosa. „In der Natur kann so eine Pflanze bis zu zehn Jahren bestehen, je nachdem wie der Wasserstand ist“, erklärt der Direktor.

„Wir werden die Victoria amazonica aber als einjährige Pflanze ziehen.“ Über den Winter wird ein Setzling herangezogen und dann für den Sommer im Victoriahaus ausgestellt. Immer wieder die selbe Pflanze zu nehmen, wäre auch viel zu umständlich, immerhin kann allein ein Blatt der Pflanze etwa 70 Kilo schwer werden. Zudem werden dadurch Heizkosten vermieden. „Vor 150 Jahren wurde das ebenso gehandhabt.“

Für den Direktor des Gartens ist die Erneuerung des Gewächshauses eine Herzensangelegenheit „Endlich haben wir wieder die Möglichkeit die Riesenseerose so zu präsentieren, wie es für diese Pflanze angemessen ist, und gleichzeitig ihren Entdecker zu würdigen, der so viel für diesen Garten getan hat.“ Poeppig brachte nicht nur 20.000 Pflanzen nach Leipzig, er begründete auch die zoologische Sammlung der Universität.

Von Tatjana Kulpa

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