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Leipzig Lokales Viel Arbeit, keine Wochenenden, wenig Geld
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17:06 30.11.2018
Kanu-Slalom-Trainer Eric Mendel gibt einer seiner Nachwuchs-Kanutinnen Ratschläge beim Training am Kanupark in Markleeberg. Aufgrund der winterlichen Temperaturen trainieren die Slalom-Kanuten jedoch mittlerweile drinnen. Quelle: Foto: Pia Siemer
Leipzig

Wenn die Pumpen am Kanupark in Markkleeberg in Gang gesetzt werden, kann auch Eric Mendel nicht mehr stillhalten. Der Bundestrainer läuft die Wildwasserstrecke auf und ab, behält seine Nachwuchs-Kanutinnen alle gleichzeitig im Auge, während sie, von den Fluten beschleunigt, durch die Tore jagen. Über das Rauschen des Wassers hinweg gibt er Anweisungen, Kritik und auch Lob.

Der Leistungssport und die Arbeit als Trainer sind dem 29-jährigen Leipziger quasi in die Wiege gelegt. Mutter, Vater und Schwester sind ebenfalls im Sport aktiv. So ist es wenig überraschend, dass Mendel gezielt die Karriere als Trainer einschlug, obwohl er über ein abgeschlossenes Lehramtsstudium der Universität Leipzig verfügt.

Relativ wenig Gehalt bei vielen Überstunden

In der Regel funktioniert das eher umgekehrt. Viele Trainer, egal ob auf Bundes- oder Landesebene, sehen sich irgendwann gezwungen, aufgrund schwieriger Arbeitsbedingungen an eine Schule zu wechseln. Ein hauptamtlicher Trainer verdient, nach Angaben des Berufsverbands der Trainer und Trainerinnen im Deutschen Sport, im bundesweiten Durchschnitt etwa 3000 Euro brutto im Monat. Bei Trainerinnen können es auch 1000 Euro weniger sein – und das bei manchmal 50 Stunden Arbeit pro Woche und vielen Wettkämpfen an den Wochenenden.

Für Eric Mendel begann seine Trainer-Karriere 2015, nach seiner aktiven Zeit als Leistungssportler im Kanu-Slalom. Er bot seinem Verein, dem Leipziger Kanu-Club, an, als Übungsleiter tätig zu werden. Erstmal gab es für den Studenten dabei nur eine Aufwandsentschädigung.

Als ein paar seiner „Mädels“, wie Mendel sie gerne nennt, 2017 von der Deutschen Juniorenmeisterschaft in Augsburg mit Einzelmedaillen wieder kamen, war klar – das ist sein Job. Das Referendariat an einem Gymnasium stellte er erstmal hinten an.

Viele Trainer werden irgendwann Lehrer

Oliver Trieb ging hingegen den umgekehrten und häufigeren Weg. Nach fast 30 Jahren als hauptberuflicher Trainer, lehrt er nun Sport- und Schwimmunterricht an einer Grundschule am Adler. Der 50-Jährige hatte schon in der DDR als Schwimm-Trainer begonnen und nach der Wende Sportlehramt auf Diplom studiert. Später wurde er Landes- und auch Bundesstützpunkttrainer. Als es Probleme mit den hiesigen Verbänden gab, ging er in die Schweiz und arbeitete dort weiter.

Die Einschulung seiner Tochter gab im Endeffekt den Ausschlag dafür, die Karriere als Trainer zu beenden. Er wollte mehr Zeit haben, nicht mehr jedes Wochenende unterwegs sein. „Familie nur nebenbei, das konnte ich mir nicht vorstellen“, erzählt der Vater. Bewusst ging er zurück in die Messestadt und begann an einer Schule zu arbeiten.

Gibt es bald mehr Gehalt für sächsische Trainer?

Kersten Adler, Fachbereichsleiter beim Landessportbund Sachsen für Leistungssport, ist mit solchen Lebensläufen vertraut. „Wenn langjährige Trainer aufhören, geht viel Erfahrung verloren“, sagt er. Er glaubt vor allem, dass der Beruf des Trainers wieder mehr Aufmerksamkeit erfahren müsse, um den Nachwuchs anzusprechen. „Vielen Sportstudenten ist gar nicht klar, dass die Trainer-Laufbahn eine Option ist.“ Dabei könnten sie neben dem Studium bereits Trainerlizenzen erwerben.

Zumindest sächsische Trainerinnen und Trainer könnten bald mehr verdienen. Der sächsische Landessportbund hat im nächsten Doppelhaushalt des Landtages in Dresden 3 Millionen Euro mehr für die Sportförderung beantragt. „Es sieht so aus, als ob diese Summe im Dezember bewilligt wird“, erklärt Adler. Ein erheblicher Teil davon soll verwendet werden, um die Gehälter der etwa 200 hauptamtlichen Trainerinnen und Trainer in Sachsen zu erhöhen.

„Von den Kids bekommst du viel zurück.“

Für Adler ist aber auch klar, dass es keine Tätigkeit ist, die man nur wegen des Geldes macht. „Es ist ein erfüllender Beruf, man kann junge Menschen bei ihrer Entwicklung begleiten“, meint er. Auch die flexiblen Arbeitszeiten können seiner Meinung nach attraktiv sein. „Aber ein normaler Bürojob ist es natürlich nicht. Wir können für Trainer keine Stechuhr einführen“, so Adler.

Ähnlich sieht es auch der 29-jährige Mendel. Erst kürzlich jettete er für seinen Beruf von der Kanu-Slalom-WM in Rio de Janeiro zu den Youth Olympic Games in Buenos Aires und danach zur Bundestrainerkonferenz in Mainz. „Natürlich sind die Tage manchmal lang“, gibt er zu. „Aber von den Kids bekommst du viel zurück und das motiviert mich.“

Für die eigene Zukunft kann sich der studierte Lehrer Eric Mendel schon vorstellen, seinen ursprünglichen Beruf wieder aufzunehmen. Am liebsten dann aber an einer Sportschule als Profilsportlehrer, denn da lassen sich Training und Lehrerberuf kombinieren.

Von Pia Siemer

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