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Lokales Viele Kinder in Leipzig haben Sprachprobleme – Stadt fordert mehr Engagement von Eltern
Leipzig Lokales Viele Kinder in Leipzig haben Sprachprobleme – Stadt fordert mehr Engagement von Eltern
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15:45 28.04.2011
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Leipzig

„Die Situation bei der sprachlichen Entwicklung ist besorgniserregend“, schlägt Fabian Alarm. Laut des Berichts, der die Ergebnisse der ärztlichen Schul- und Vorsorgeuntersuchungen aus den Jahren 2009/2010 auswertet, haben rund 40 Prozent der untersuchten Kinder Probleme bei Sprachverständnis, Wortschatz, Aussprache oder Grammatik. „Wenn hier nichts unternommen wird, kann dies zu langfristigen Problemen bei der Bildungsbiografie der Kinder führen“, warnte er.

„Können niemanden zur Behandlung zwingen“

Die Heranwachsenden könnten jedoch nichts dafür, wenn sich ihre Eltern nicht in ausreichendem Maße um sie kümmern. Vor allem die Kindertagesstätten, aber auch die Kinderärzte seien deshalb künftig stärker gefragt, so Fabian. Die Kitas müssten Spracherziehung spielerisch fördern und vermehrt auf die Eltern einwirken, dass medizinische Hilfe tatsächlich genutzt werde. „Viele kümmern sich aber nicht darum, den Hinweisen wird einfach nicht nachgegangen“, kritisierte der Sozialbürgermeister. So würden nur wenige Eltern die Situation ernst nehmen und ihr Kind bei Sprachschwierigkeiten bei einem Logopäden anmelden. Dies sei vor allem bei einkommensschwachen Familien ein Problem.

„Wir können niemanden zur Behandlung zwingen“, schränkte Gesundheitsamtsleiterin Regine Krause-Döring ein. Bei den Kita-Untersuchung handele es sich um ein freiwilliges Angebot der Stadt – ebenso wie bei den danach ausgesprochenen Empfehlungen. „Die Inanspruchnahme der Untersuchungen ist jedoch sehr gut, etwa 80 Prozent der Kinder haben 2009/2010 daran teilgenommen“. Der Gesundheitscheck wurde sowohl in Kitas als auch bei Schülern der 2. und 6. Klasse durchgeführt. Insgesamt beteiligten sich dabei im vergangenen Jahr rund 12.500 Kinder – fast ein Drittel mehr als noch zwei Jahre zuvor. „Dies liegt auch an der Zunahme der Schulanfänger, für die eine Untersuchung Pflicht ist.“

Bildungspaket soll helfen – Stadt fordert Eltern zur Beantragung auf

Neben den Sprachschwierigkeiten stellten die Ärzte bei den Heranwachsenden auch Übergewicht als zunehmendes Problem fest. Vor allem Kinder aus ärmeren Familien seien davon betroffen, berichtete Krause-Döring. Bei den Schülern der zweiten und sechsten Klassen wurden zudem häufiger Haltungsschäden und orthopädische Krankheiten festgestellt. Als Ursache sieht das Gesundheitsamt insbesondere Bewegungsmangel. Auch das verstärkte Auftreten von Verhaltensauffälligkeiten sowie die geringe Impfrate bei Schulanfängern seien beunruhigend.

Eine Chance, die Sprachentwicklung zu fördern, sieht Fabian im Bildungspaket der Bundesregierung. Rund 29.000 Kinder aus sozial schwachen Familien in Leipzig können dabei von einer zusätzlichen finanziellen Unterstützung profitieren – aber nur, wenn sie diese beantragen. Erst 1.500 Eltern machten von dem Angebot bislang Gebrauch, die Stadt verschickte wegen der schlechten Resonanz in der vergangenen Woche Aufforderungsbriefe an die Familien, damit diese die Unterstützung nutzen. „Die Teilnahme an Bildungsmaßnahmen fördert die sprachliche Entwicklung von Kindern“, ist Fabian überzeugt. „Und das kann ihnen nur gut tun.“

Der vollständige Kindergesundheitsbericht der Stadt Leipzig ist online unter www.leipzig.de/gesundheit/ abrufbar.

Robert Nößler

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