Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
"Viele Möglichkeiten zur Mitgestaltung" - Friedrich Margirius zu Legida und Demokratie

"Viele Möglichkeiten zur Mitgestaltung" - Friedrich Margirius zu Legida und Demokratie

Das Bündnis "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) und ihre Ableger verzeichnen immer weniger Zulauf - auch Legida in Leipzig.

Voriger Artikel
Verhärtete Fronten zwischen Legida und Gegnern bei zweiter Diskussion in der VHS
Nächster Artikel
Sportoberschule soll ab 2016 gebaut werden - Aus für Containerschule im Waldstraßenviertel

Teilnehmer der Legida-Demo am 21. Januar in Leipzig.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Aber welche Lehren sollte man aus der Bewegung ziehen? Friedrich Magirius, ehemaliger Leipziger Superintendent und Ex-Stadtpräsident, rät den Demonstranten, die Möglichkeiten der Demokratie mehr zu nutzen.

Herr Magirius, mit Bürgerbewegungen haben Sie zur Zeit der Friedlichen Revolution Erfahrungen gemacht. Als was würden Sie Pegida und Legida bezeichnen?

Das ist schon eine Art Bürgerbewegung. Man muss aber auch sagen, wer die Initiatoren sind. Bei Legida ist eindeutig klar geworden, dass rechtsnationale Kräfte dahinterstehen. Da wird plötzlich wieder ein Nationalismus als etwas Großartiges gefeiert, der eben doch verbunden ist mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Dahinter steckt ein Geist, der immer wieder überwunden werden muss.

Was hat die Bürgerbewegung von 1989 mit Pegida und Legida zu tun?

Unmittelbar nichts. Die angebliche Islamisierung, der begegnet werden soll, ist nur das Aushängeschild. Darüber wird doch kaum geredet. Dahinter steckt vielmehr der Unmut vieler Bürger, der sich unter dieser Fahne Luft macht. Es ist immer gut, sich einzubringen, Leuten Mut zu machen, sich einzumischen. Aber sie sollten es auch selber sagen und nicht andere sagen lassen. Die Leute laufen Sprechern nach. Und das ist schade.

Viele fühlen sich offenbar nicht gehört ...

Pegida und Legida haben sich einer Diskussion ja lange Zeit verschlossen. Endlich gibt es seit ein paar Wochen eine Öffnung.

Die Bewegung verliert an Zulauf. Aber was können wir daraus mitnehmen, was sollten wir besser machen?

phpdMgcFQ20150203225140.jpg

Friedrich Magirius

Quelle: André Kempner

Ich bin etwas besorgt, weil in den vergangenen Jahren vielleicht versäumt wurde, den Menschen Freude zu bereiten an unserer Demokratie. Wir haben diese Staatsform seit 1990, aber die Begeisterung dafür fehlt. Es gibt bei allen Veränderungen nach wie vor ein vielfältiges pluralistisches Parteiensystem. Ich denke, wir sollten den demokratischen Gedanken noch viel mehr und viel früher einbringen. Die Schulen sind ganz wichtig, um da für Belebung zu sorgen. Mir persönlich liegt sehr daran, den Kontakt zum Schülerrat zu halten. Aber zu wenige Schüler engagieren sich, jeder müsste mal Klassensprecher sein. Auch die Schulleitungen sollten dieses Engagement fördern. Ich habe jedoch manchmal den Eindruck, dass einige da eher bremsen. Es ist wichtig einzuüben, dass man sich als Bürger beteiligen muss, dass man selber gefragt ist. Was ich auch kritisiere, ist eine gewisse Unbeweglichkeit. Es darf kein Dauer-Abo auf ein Bundestagsmandat geben. Wechsel belebt, der Politik-Betrieb ist zu etabliert.

Was würden Sie den Anhängern der Protestbewegung empfehlen?

Legida sollte die Spielarten der Demokratie nutzen. Die Menschen können die vielen Möglichkeiten zur Mitgestaltung und Einflussnahme, die die Demokratie bietet, selbst in Anspruch nehmen. Alle Abgeordneten bieten Sprechzeiten und Bürgersprechstunden an. Stadtbezirksbeiräte tagen öffentlich. Die Möglichkeit der Petition wird viel zu wenig genutzt. Es gab eine Zeit nach der Friedlichen Revolution, in der das üblich war. Das ist eingeschlafen. Ich freue mich über den Dialog, der jetzt bei der Volkshochschule in Gang gekommen ist. Ich freue mich über diejenigen, die die Einladung von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich angenommen und sich zum Gespräch an einen Tisch gesetzt haben.

Gab es Fehler in der öffentlichen Debatte?

Wir sollten mehr differenzieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt: Der Islam gehört zu Deutschland. Tillich sagt: Der Islam gehört nicht zu Sachsen. Landesbischof Jochen Bohl differenziert und sagt, dass weder das eine noch das andere die Sache im Kern trifft. Wir müssen uns schon etwas mehr Mühe geben. Wir müssen uns Mühe geben, mit den Menschen des Islam, die hierher kommen, gut zusammenzuleben. Trotzdem bleiben große Unterschiede in unserer Religion und unserer Geschichte. Wir leben nun einmal miteinander und sollten voneinander lernen, aber auch um die Grenzen wissen. Denn das Rechtssystem des Islam wollen wir ja nicht übernehmen. Von der Trennung zwischen Politik und Religion, die der Islam nicht kennt, ist Europa zutiefst geprägt. Stimmen wie diese von Landesbischof Bohl finde ich in der Debatte sehr wichtig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.02.2015

Björn Meine

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Historische Leipzig - in Text und Bildern.

Auf Zeitreise in Leipzig: So war es früher in der Messestadt. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Hier finden Sie Infos und Fotos vom Leipziger Opernball 2017 unter dem Motto „Moskauer Nächte“ mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

Wie weiter nach der Grundschule? Unsere Übersicht aller Gymnasien, Oberschulen und Freien Schulen in Leipzig will Eltern bei der Auswahl der passenden Bildungseinrichtung für ihr Kind unterstützen. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

Die vierteilige Multimedia-Serie geht der Frage nach, wie gut Sachsen auf Katastrophen vorbereitet ist. mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr