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"Viele Möglichkeiten zur Mitgestaltung" - Friedrich Margirius zu Legida und Demokratie

"Viele Möglichkeiten zur Mitgestaltung" - Friedrich Margirius zu Legida und Demokratie

Das Bündnis "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) und ihre Ableger verzeichnen immer weniger Zulauf - auch Legida in Leipzig.

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Teilnehmer der Legida-Demo am 21. Januar in Leipzig.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Aber welche Lehren sollte man aus der Bewegung ziehen? Friedrich Magirius, ehemaliger Leipziger Superintendent und Ex-Stadtpräsident, rät den Demonstranten, die Möglichkeiten der Demokratie mehr zu nutzen.

Herr Magirius, mit Bürgerbewegungen haben Sie zur Zeit der Friedlichen Revolution Erfahrungen gemacht. Als was würden Sie Pegida und Legida bezeichnen?

Das ist schon eine Art Bürgerbewegung. Man muss aber auch sagen, wer die Initiatoren sind. Bei Legida ist eindeutig klar geworden, dass rechtsnationale Kräfte dahinterstehen. Da wird plötzlich wieder ein Nationalismus als etwas Großartiges gefeiert, der eben doch verbunden ist mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Dahinter steckt ein Geist, der immer wieder überwunden werden muss.

Was hat die Bürgerbewegung von 1989 mit Pegida und Legida zu tun?

Unmittelbar nichts. Die angebliche Islamisierung, der begegnet werden soll, ist nur das Aushängeschild. Darüber wird doch kaum geredet. Dahinter steckt vielmehr der Unmut vieler Bürger, der sich unter dieser Fahne Luft macht. Es ist immer gut, sich einzubringen, Leuten Mut zu machen, sich einzumischen. Aber sie sollten es auch selber sagen und nicht andere sagen lassen. Die Leute laufen Sprechern nach. Und das ist schade.

Viele fühlen sich offenbar nicht gehört ...

Pegida und Legida haben sich einer Diskussion ja lange Zeit verschlossen. Endlich gibt es seit ein paar Wochen eine Öffnung.

Die Bewegung verliert an Zulauf. Aber was können wir daraus mitnehmen, was sollten wir besser machen?

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Friedrich Magirius

Quelle: André Kempner

Ich bin etwas besorgt, weil in den vergangenen Jahren vielleicht versäumt wurde, den Menschen Freude zu bereiten an unserer Demokratie. Wir haben diese Staatsform seit 1990, aber die Begeisterung dafür fehlt. Es gibt bei allen Veränderungen nach wie vor ein vielfältiges pluralistisches Parteiensystem. Ich denke, wir sollten den demokratischen Gedanken noch viel mehr und viel früher einbringen. Die Schulen sind ganz wichtig, um da für Belebung zu sorgen. Mir persönlich liegt sehr daran, den Kontakt zum Schülerrat zu halten. Aber zu wenige Schüler engagieren sich, jeder müsste mal Klassensprecher sein. Auch die Schulleitungen sollten dieses Engagement fördern. Ich habe jedoch manchmal den Eindruck, dass einige da eher bremsen. Es ist wichtig einzuüben, dass man sich als Bürger beteiligen muss, dass man selber gefragt ist. Was ich auch kritisiere, ist eine gewisse Unbeweglichkeit. Es darf kein Dauer-Abo auf ein Bundestagsmandat geben. Wechsel belebt, der Politik-Betrieb ist zu etabliert.

Was würden Sie den Anhängern der Protestbewegung empfehlen?

Legida sollte die Spielarten der Demokratie nutzen. Die Menschen können die vielen Möglichkeiten zur Mitgestaltung und Einflussnahme, die die Demokratie bietet, selbst in Anspruch nehmen. Alle Abgeordneten bieten Sprechzeiten und Bürgersprechstunden an. Stadtbezirksbeiräte tagen öffentlich. Die Möglichkeit der Petition wird viel zu wenig genutzt. Es gab eine Zeit nach der Friedlichen Revolution, in der das üblich war. Das ist eingeschlafen. Ich freue mich über den Dialog, der jetzt bei der Volkshochschule in Gang gekommen ist. Ich freue mich über diejenigen, die die Einladung von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich angenommen und sich zum Gespräch an einen Tisch gesetzt haben.

Gab es Fehler in der öffentlichen Debatte?

Wir sollten mehr differenzieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt: Der Islam gehört zu Deutschland. Tillich sagt: Der Islam gehört nicht zu Sachsen. Landesbischof Jochen Bohl differenziert und sagt, dass weder das eine noch das andere die Sache im Kern trifft. Wir müssen uns schon etwas mehr Mühe geben. Wir müssen uns Mühe geben, mit den Menschen des Islam, die hierher kommen, gut zusammenzuleben. Trotzdem bleiben große Unterschiede in unserer Religion und unserer Geschichte. Wir leben nun einmal miteinander und sollten voneinander lernen, aber auch um die Grenzen wissen. Denn das Rechtssystem des Islam wollen wir ja nicht übernehmen. Von der Trennung zwischen Politik und Religion, die der Islam nicht kennt, ist Europa zutiefst geprägt. Stimmen wie diese von Landesbischof Bohl finde ich in der Debatte sehr wichtig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.02.2015

Björn Meine

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