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Leipzig Lokales Viele schöne Funde, wo einst die Leipziger Töpfer und Kachelbäcker lebten
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22:02 29.04.2016
Diese mittelalterliche Blattnapfkachel mit dem Relief einer Spinnerin fanden Archäologen auf dem Grabungsfeld neben der Propsteikirche. Die Ofenkachel verbirgt in ihrem Inneren einen noch unbekannten Gegenstand.  Quelle: André Kempner
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Leipzig.

„Hier haben Sie alles auf drei mal drei Metern. Es ist selten, dass sich verschiedene Gruben aus 7500 Jahren Menschheitsgeschichte so konzentriert nebeneinander befinden.“ Dieses Fazit zog Petra Schug vom Sächsischen Landesamt für Archäologie am Freitag bei einem Presserundgang über das Grabungsfeld neben der neuen Propsteikirche. Auf Nachfrage der Journalisten, ob dort in den vergangenen Wochen spektakuläre Funde gelungen seien, lächelte die Wissenschaftlerin charmant. Und antwortete dann lakonisch: „Spektakulär wäre für mich der Fund von Ötzi.“

Nun haben Grabungsleiterin Schug und ihre sechs Kollegen gegenüber vom Neuen Rathaus zwar keine Gletschermumie gefunden, sprang ihr Abteilungsleiter Thomas Westphalen zur Seite. „Dafür aber gleich fünf Steinbeile, die genau wie Ötzi aus der Jungsteinzeit vor 7500 Jahren stammen. Sie weisen deutliche Arbeitsspuren auf, wurden zum Beispiel zum Fällen von Bäumen eingesetzt.“

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass auch nahe der Pleiße die ersten sesshaften Bauern der sogenannten Linienbandkeramik siedelten, so wäre er nun durch die Beilköpfe aus Amphibolit erbracht. Indes wurden Keramikscherben aus dieser Zeit bereits gleich nebenan bei früheren Grabungen gefunden: Wo heute das HL-komm-Gebäude steht, erläuterte Schug, der jede Übertreibung fremd ist. „Jetzt wissen wir, dass es sich um eine größere Siedlung gehandelt haben muss, ein Dorf mit Häusern und Handwerk.“ Das würden auch einige Gruben aus der Steinzeit, die auf dem 5000-Quadratmeter-Areal schlummerten, klar belegen.

Zwischen diesen Gruben fanden sich viele andere aus verschiedenen Epochen. Vor allem eine sehr große zur Entnahme von Lehm, die im späten 14. Jahrhundert entstanden sein muss. Schug: „Sie wurde auch schon bei der Grabung vor dem Bau der Propsteikirche dokumentiert.“ Im Mittelalter seien verschiedene Handwerkszünfte aus dem schon fast komplett bebauten Leipzig vor die Stadttore verlegt worden. Rings um die Nonnenmühlgasse und auf dem heutigen Leuschnerplatz hatten die Töpfer und Kachelbäcker ihre Arbeitsorte in einfachen Fachwerkbauten, so Westphalen. „Das war schon durch die hohe Brandgefahr geboten.“

An der Stelle kam Schug ausnahmsweise ins Schwärmen. Unter den zahlreichen Ofenkacheln, die frühere Herrscher oder feine Damen zeigten, sei eine Blattnapfkachel mit dem Bildnis einer Spinnerin aufgetaucht. „Die Spindel ist gut zu erkennen. So ein schönes Exemplar – komplett erhalten – hatten wir noch nie.“ Zudem klimperte in dem Napf zur Wärmespeicherung ein unbekannter Gegenstand. Er werde bald noch durchleuchtet.

Die Töpfer-Vorstadt wurde vor dem
6. Januar 1547 im Schmalkaldischen Krieg niedergebrannt: Um freies Schussfeld auf die herannahenden Truppen zu haben. Ab Herbst sollen dort eine Kita mit 129 Plätzen, Büros sowie ein Dutzend Wohnungen entstehen (die LVZ berichtete).

Von Jens Rometsch

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