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Lokales Vielfalt als Bedingung für Kultur – Global Space Odysee demonstriert gegen Rassismus
Leipzig Lokales Vielfalt als Bedingung für Kultur – Global Space Odysee demonstriert gegen Rassismus
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12:54 13.07.2014
Unter dem Motto „Refugees Welcome“ sind bei der Global Space Odyssee am Samstag rund 2000 Menschen tanzend durch Leipzig gezogen. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Musikalisch wurde auf insgesamt elf Wagen neben verschiedenen Spielarten elektronischer Tanzmusik in diesem Jahr erstmals auch eine Rockband präsentiert.

Plagwitz um 12.30 Uhr: Für eine Veranstaltung, bei der es vordergründig darum geht, zu lautem Techno durch die Stadt zu ziehen, geht es bei der Global Space Odysee (GSO) ganz schön ordentlich zu. Bevor die DJs ihre erste Platte auflegen dürfen, appellieren die Veranstalter eindringlich an die Teilnehmer: „Bitte werft euren Müll in die an den Wagen angebrachten Säcke und lasst ganz besonders die Glasflaschen nicht auf der Straße.“ Dabei geht es den Organisatoren nicht nur darum, einen guten Eindruck bei den Ordnungskräften zu hinterlassen, um auch nächstes Jahr wieder einen Umzug anmelden zu können. Ein zweiter Grund ist ihnen wichtiger. „Wir meinen unsere Forderungen ernst und wollen, dass das auch so in der Öffentlichkeit ankommt.“

Mit dem Themen-Komplex Offenheit gegenüber Flüchtlingen statt Nationalismus und Rassismus hat sich die Global Space Odysse in diesem Jahr ein politisch ernsthaftes Sujet ausgesucht. Steht das in einem Widerspruch zum Feier-Charakter der Musik? Durchaus nicht, wie die Autoren des Heftchens schildern, das während des Umzugs an alle Teilnehmer verteilt wird. Anschaulich und direkt beschreiben sie, wie Wanderungen und Austausch von Menschen das Entstehen neuer Musikstile begünstigt haben. Das Phänomen lasse sich nicht nur im Jazz studieren, es treffe auch auf das zu, was die Deutschen für ihre Volksmusik halten. Femdenfeindlichkeit dagegen behindere die freie Entfaltung von Kultur.

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Fremdenangst und Vorurteile finden die Veranstalter nicht nur in den Ereignissen rund um den geplanten Bau einer Moschee in Gohlis oder bei der zwischenzeitlichen Unterbringung von Flüchtlingen in Schönefeld. Auch diskriminierende Einlasskontrollen an Disko-Türen seien ein Teil des Problems.

Die eigene Forderung nach mehr kultureller Vielfalt nimmt der Umzug auch musikalisch ernst. Neben Techno, Drum’n’Bass und Reggae darf 2014 auch erstmals eine Hardcore Band mit eigenem Wagen an den Start gehen. So zieht die bunte Menge schließlich pünktlich im Leipziger Westen los, um über den Hauptbahnhof schließlich zum Wilhelm-Külz-Park im Osten der Stadt zu gelangen.

Clemens Haug

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Tanzende Menschen verquickt mit mehr oder minder konkreten politischen Botschaften – das hat in Leipzig seit 2001 Tradition. Die Global Space Odyssey (GSO) versammelt alljährlich tausende Kulturschaffende und –Konsumenten auf einer schrillen Wagenkolonne durch die Stadt.

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